zwingend

Grammatikpartizipiales Adjektiv
Worttrennungzwin-gend (computergeneriert)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

zwingen · zwingend · bezwingen · Zwinger · Zwang · zwängen · zwangsläufig
zwingen Vb. ‘gewaltsam zu etw. nötigen, zu etw. veranlassen, mit etw. fertig werden, etw. meistern’. Das stark flektierende Verb ahd. thwingan (8. Jh.), twingan (9. Jh.) ‘zwingen, unterjochen, beherrschen, festbinden’, mhd. twingen, dwingen, auch quingen, (seit 14. Jh.) zwingen ‘(zusammen)drücken, pressen, (be)drängen, nötigen, einschließen, beherrschen, bändigen’, asächs. thwingan ‘zwingen, bedrängen’, mnd. dwingen, mnl. dwinghen, nl. dwingen, afries. thwinga, aschwed. (auch schwach) þvinga, schwed. tvinga (germ. *þwingan) und schwach flektierendes anord. (aus dem Mnd.?) þvinga ‘zwingen, quälen’ lassen sich lediglich mit awest. θwązǰaiti ‘gerät in Bedrängnis’ vergleichen. Daraus ist ein Ansatz ie. *tu̯eng̑h- ‘bedrängen’ erschließbar. Ob (bei einer ie. Auslautvariante auf -k-) auch toch. AB twāṅk- ‘einzwängen’, lit. tveñkti (Wasser) ‘stauen’, reflexiv ‘sich versammeln’ und (unnasaliert) griech. sáttein (σάττειν) ‘vollstopfen, festdrücken, bepacken, beladen, ausrüsten’ hier anzuschließen sind, ist zweifelhaft. Als Grundbedeutung für das germ. Verb ist ‘einen Körper durch Gewaltanwendung zusammenpressen’ anzunehmen; übertragener Gebrauch im Sinne von ‘überwältigen, überwinden, meistern, bedrängen, einengen, rügen’ ist in ahd. Zeit bereits voll ausgeprägt. tw-Anlaut (bei Notker einsetzend, vereinzelt schon im 9. Jh.) herrscht im Mhd. (bis etwa gegen Ende des 15. Jhs.), zw-Anlaut setzt im 14. Jh. ein. Häufig sind Fügungen wie zu etw. gezwungen (‘genötigt, verpflichtet’) sein (15. Jh.), sich gezwungen (‘genötigt’) sehen (17. Jh.). zwingend Part.adj. ‘bedrückend, verpflichtend, unabdingbar’ (16. Jh.), ‘schlüssig, folgerichtig, überzeugend’ (18. Jh.); geläufig zwingende Not (17. Jh.), besonders zwingendes Gesetz (16. Jh.), dann rechtssprachlich zwingendes Recht ‘Recht, das keine abweichende Regelung durch Vereinbarung unter den Betroffenen zuläßt’ (19. Jh.). bezwingen Vb. ‘überwältigen, meistern’, ahd. bithwingan ‘einengen, zügeln’ (8. Jh.), mhd. betwingen ‘bedrängen, beengen, bändigen, (er)zwingen’. Zwinger m. ‘von innerer und äußerer Mauer, von Schloß- oder Stadtmauer und Graben begrenzter Raum, in dem der vorgedrungene Feind überwältigt werden soll’, allgemein ‘Befestigungsanlage’ (15. Jh.), auch (da im Zwinger zu dessen Bewachung starke Hunde oder Bären gehalten wurden) ‘Tiergehege, Käfig’ (ebenfalls 15. Jh.), mhd. twingære, twinger, zwinger ‘Dränger, Überwältiger, Zwingherr (d. i. Grundherr mit Hoheitsrechten über Land und Leute)’; vgl. ahd. nōtthwingāri ‘gewaltsamer, heftiger Mensch’ (Hs. 12. Jh.). Zwang m. ‘Druck, Nötigung durch Macht, Androhen von Gewaltanwendung’, ahd. thwang ‘Zügel’ (um 900), githwang ‘Zucht, Zwang’ (9. Jh.), mhd. twanc (auch zwanc) ‘Beengung, Gewalt, Einschränkung, Not, Bedrängnis’, ablautendes Verbalabstraktum. zwängen Vb. ‘gewaltsam einengen, Druck ausüben, pressen’, ahd. thwengen ‘bedrängen, züchtigen, beängstigen’ (9. Jh.), mhd. twengen (auch zwengen) ‘Zwang antun, drücken, zusammenpressen, bändigen’, mnd. dwengen ist Kausativum zu dem unter ↗zwingen (s. d.) behandelten Verb. zwangsläufig Adj. ‘zwingend eintretend, unabwendbar, notgedrungen’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
alternativlos · ↗imperativ · nicht verhandelbar · ohne Alternative · ↗unabdingbar · ↗unabweisbar · ↗unabwendbar · ↗unaufhaltsam · ↗unausweichlich · ↗unumgänglich · ↗unvermeidbar · ↗unvermeidlich · ↗vorherbestimmt · zwingend  ●  daran führt kein Weg vorbei  fig. · programmiert  ugs. · ↗vorprogrammiert  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
nicht zu leugnen · nicht zu widerlegen · ↗unabweisbar · ↗unanfechtbar · ↗unangreifbar · ↗unbestreitbar · ↗unbezweifelbar · ↗unleugbar · ↗unwiderlegbar · ↗unwiderleglich · ↗unzweifelhaft · ↗zweifelsfrei · zwingend  ●  ↗hart (Fakten)  ugs., fig. · nicht in Abrede zu stellen  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
benötigt · ↗erforderlich · ↗notwendig · ↗nötig · ↗obligat · ↗obligatorisch · ↗unabdingbar · ↗unvermeidlich · ↗vonnöten · vorgeschrieben · zwingend  ●  mandatorisch  selten
Assoziationen
Synonymgruppe
notgedrungen · ↗notwendigerweise · ↗unbedingt · ↗unvermeidlich · wohl oder übel · ↗zwangsläufig · zwingend  ●  ↗nolens volens  geh., lat.
Assoziationen
Synonymgruppe
erforderlich · geboten · ↗notwendig · ↗nötig · ↗unabweisbar · ↗unausweichlich · ↗unbedingt · ↗unentbehrlich · ↗unerlässlich · ↗unvermeidlich · ↗wesentlich · zwingend · zwingend geboten  ●  (eine) conditio sine qua non  geh., lat. · unbedingt nötig  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(ein) Muss · ↗(unbedingt) notwendig · nicht (mehr) wegzudenken · sollte man haben · ↗unabdingbar · unbedingt dazugehören · ↗unentbehrlich · ↗unumgänglich · ↗unverzichtbar · ↗vonnöten · ↗wichtig · zwingend · zwingend benötigt  ●  (ein) Must  engl. · (sollte) in keiner Sammlung fehlen  ugs., formelhaft · ↗de rigueur  geh., bildungssprachlich, franz. · gehört in jeden (gut sortierten ...)  ugs., formelhaft · ↗indispensabel  geh., veraltet, bildungssprachlich
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
denkrichtig · ↗folgerichtig · ↗kohärent · ↗konsequent · ↗logisch · ↗schlüssig · ↗stichhaltig · ↗stimmig · ↗stringent · ↗triftig · ↗widerspruchsfrei · zwingend · ↗überzeugend  ●  ↗folgerecht  veraltend
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Argument Ausweisung Ausweisungsgrund Beweis Erfordernis Folgerung Gebot Grund Konsequenz Logik Norm Notwendigkeit Schlußfolgerung Torchance Voraussetzung Vorgabe Vorschrift Völkerrecht erforderlich erfordern geboten geradezu keinesfalls keineswegs logisch nicht notwendig voraussetzen vorgeschrieben vorschreiben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zwingend‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Kontrollen seien aber nicht zwingend vorgeschrieben; zudem seien sie wenig sinnvoll.
Die Welt, 03.08.2004
Wer dem Neuen eine Chance geben will, muss sich zwingend mit dem Alten anlegen.
Der Tagesspiegel, 21.02.2002
Eigentlich aber wären sie austauschbar, also nicht zwingend notwendig für mich.
Hein, Christoph: Drachenblut, Darmstadt: Luchterhand 1983 [1982], S. 55
Damit ist eine homosexuelle Entwicklung noch nicht zwingend eingeleitet, aber doch »erleichtert«.
Schmidt-Rogge, Carl H.: Dein Kind – Dein Partner, München: List 1973 [1969], S. 241
Sie sind in dieser nicht weniger zwingend als in jener.
Elias, Norbert: Über den Prozeß der Zivilisation - Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen Bd. 2, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1992 [1939], S. 63
Zitationshilfe
„zwingend“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/zwingend>, abgerufen am 17.06.2019.

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