zucken

GrammatikVerb · zuckte, hat/ist gezuckt
Aussprache
Worttrennungzu-cken (computergeneriert)
Wortbildung mit ›zucken‹ als Erstglied: ↗Zuckung  ·  mit ›zucken‹ als Letztglied: ↗aufzucken · ↗durchzucken · ↗emporzucken · ↗hochzucken · ↗niederzucken · ↗umzucken · ↗zurückzucken · ↗zusammenzucken
 ·  formal verwandt mit: ↗Achselzucken · ↗Schulterzucken · ↗Wimpernzucken
eWDG, 1977

Bedeutung

(unwillkürlich) eine kurze, schnelle, ruckartige Bewegung machen
a)
mit Hilfsverb ›hat‹
Beispiele:
er zuckte vor Schmerz, als der Zahnarzt zu bohren anfing
warum zuckst du, das tut doch gar nicht weh
sie zuckte am ganzen Leibe
er sah seinem Gegner, ohne zu zucken, in die Augen
er zuckte vor Schreck wie von einem elektrischen Schlag getroffen
das angeschossene Tier zuckte noch einmal und verendete schließlich
ein Fisch zuckte an der Angel
sein Gesicht zuckte krampfhaft
ihre Lippen zuckten
die Lider des Schlafenden zuckten
er spürte ein leichtes Zucken in ihrer Hand
ein verächtliches Zucken lief um seinen Mund
ein konvulsivisches Zucken erschütterte seinen Körper
in seinen Mundwinkeln, in, auf seinem Gesicht zuckte es spöttisch, verräterisch
mit den Achseln, die Achseln, Schultern zuckenmit den Schultern eine kurze, schnelle, ruckartige Bewegung machen, um Nichtwissen, Nichtkönnen, Gleichgültigkeit, Ablehnung auszudrücken
Beispiele:
er zuckte ratlos, unentschlossen mit den Schultern
mitleidig über jmdn. die Achseln zucken
ohne mit der Wimper zu zucken (= ohne die Miene zu verziehen, ohne eine Reaktion zu zeigen), zahlte er die hohe Rechnung, machte er sich an die heikle Aufgabe
sie zuckte mit keiner Wimper, als der Arzt ihr die Spritze gab
bildlich
Beispiele:
bei dieser Musik zuckt es mir in den Beinen (= verspüre ich große Lust zu tanzen)
wenn ich ihn sehe, zuckt es mir in den Fäusten, Händen (= möchte ich ihn verprügeln)
b)
mit Hilfsverb ›hat‹
aufblitzen, aufzucken
Beispiele:
hier und da zuckt ein Licht, flackert hell auf und erlischt
die Kerzenflamme zuckte nur noch matt, bevor sie erlosch
die Leuchtreklame, Blitzlichter der Fotografen zucken
Blitze zucken
bildlich
Beispiele:
In ihm zuckte das Verlangen [L. FrankMathilde5,296]
Sekundenlang zuckte der Gedanke in Jak [E. ClaudiusGrüne Oliven24]
c)
mit Hilfsverb ›ist‹
jmd., etw. zuckt irgendwohinjmd., etw. bewegt sich in kurzen, schnellen Rucken, Stößen irgendwohin
Beispiele:
der Zeiger der elektrischen Uhr zuckt von Sekunde zu Sekunde
das Licht der Scheinwerfer zuckte über die Bäume am Straßenrand
Flammen flackern und zucken (= schlagen) aus dem Gebälk des brennenden Hauses
die Libellen zuckten kreuz und quer über das Wasser
seine Hand zuckte (= schnellte) nach dem Revolver
er ist zur Seite gezuckt
Die Kohle zuckt übers rauhe Papier [WerfelBernadette484]
bildlich
Beispiele:
nach diesen Worten zuckte ihm der Gedanke durchs Bewusstsein, dass er besser geschwiegen hätte
Er hatte ein Tuch über das Haupt gezogen, daß keiner ... seinen Schmerz sähe, der aus seinen Augen zuckte [WeismantelRiemenschneider34]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

zucken · zuckeln · zockeln · Zuckung
zucken Vb. ‘eine kurze, schnelle, ruckartige Bewegung machen’, besonders von unwillkürlichen Muskelbewegungen (17. Jh.). Ahd. (9. Jh.), mhd. zucken ‘schnell und mit Gewalt ziehen, schnell ergreifen, an sich reißen, weg-, entreißen’, mnd. mnl. tucken, tocken ‘zucken, zappeln, zucken machen, rasch ziehen’, engl. (aus dem Mnd. oder Mnl.) to tuck ‘wegstecken, zusammenziehen’ ist eine Intensivbildung (germ. *tukkjan) zu dem unter ↗ziehen (s. d.) behandelten Verb. Der bei dem jan-Verb zu erwartende Umlaut wird zunächst von kk verhindert, begegnet dann im Mhd. (vereinzelt und nur md.) und gelegentlich im Mnd. (s. ↗zücken). Doch bleibt die umlautlose Form (wie bei anderen Intensiva) im Nhd. erhalten. Vom 17. Jh. an bezeichnet zucken ruckartige Bewegungen von Gliedmaßen, Körperteilen (vgl. die Achsel(n) zucken), besonders heftige, plötzliche Muskelbewegungen. Damit wird die alte Bedeutung ‘schnell ziehen’ aufgegeben; sie wird jedoch von ↗zücken weitergeführt, von dem sich zucken damit semantisch trennt. Dazu die Iterativbildung zuckeln, zockeln Vb. ‘sich langsam, müde fortbewegen’ (18. Jh.). Zuckung f. ‘kurze, ruckartige, krampfartige Bewegung’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
aufflammen · ↗auflodern · ↗brennen · ↗emporflammen · ↗flackern · hochflammen · ↗hochschlagen (Flammen) · in Flammen aufgehen · in Flammen stehen · in hellen Flammen stehen · ↗lodern · ↗lohen · ↗verbrennen · zucken (Flamme) · ↗züngeln (Flamme)
Assoziationen
Synonymgruppe
zappeln · zucken

Typische Verbindungen
computergeneriert

Achsel Achseln Augenbraue Augenlid Blaulicht Blitz Blitzlicht Gesichtsmuskel Lichtblitz Lid Lippe Mundwinkel Muskel Schulter Schultern Wimper aufzucken bedauernd entschuldigend herumzucken hilflos lächeln nervös ratlos resigniert rucken unkontrolliert zappeln zurückzucken zusammenzucken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zucken‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Musik brüllt los und man fängt an zu zucken.
Der Tagesspiegel, 19.07.2001
Alle im Saal zuckten wie elektrisiert zusammen - nur die Musiker nicht.
Süddeutsche Zeitung, 25.03.1996
Wenn sie sich dem Bette näherte, zuckte er zusammen, ein verprügelter Hund.
Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 156
Es zuckte ihr in den Händen, leise liebkosend über das dichte Haar zu streicheln.
Courths-Mahler, Hedwig: Ich lasse dich nicht, Augsburg: Weltbild Verl. 1992 [1912], S. 54
Es zuckt dir noch einmal eine Erkenntnis durch den ganzen Leib.
Scheerbart, Paul: Liwûna und Kaidôh. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1901], S. 14711
Zitationshilfe
„zucken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/zucken>, abgerufen am 17.10.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Zuckeltrab
zuckeln
Zuck
Zuchtwidder
Zuchtwahl
Zucker
zuckerarm
Zuckerausfuhr
Zuckeraustauschstoff
Zuckerbäcker