zittern

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungzit-tern
Wortbildung mit ›zittern‹ als Erstglied: ↗Zitteraal · ↗Zittergras · ↗Zitterpappel · ↗Zitterrochen · ↗zitterig · ↗zittrig
 ·  mit ›zittern‹ als Letztglied: ↗abzittern · ↗anzittern · ↗durchzittern · ↗loszittern
 ·  mit ›zittern‹ als Grundform: ↗Zittern · ↗erzittern  ·  formal verwandt mit: ↗frostzitternd
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
unwillkürliche, anhaltende, rasch aufeinanderfolgende (rhythmische) Hin- und Herbewegungen machen
Beispiele:
vor Kälte, Angst, Erregung, Freude, Wut zittern
er zitterte am ganzen Körper, Leib, an allen Gliedern
umgangssprachlich wie Espenlaub zittern
seine Hände zitterten, als er den Brief öffnete
vor Schreck, Erschöpfung zitterten ihr die Beine, Knie
ein Zittern überkam sie
sie sprach mit zitternder (= unsicherer und in der Tonhöhe rasch wechselnder) Stimme
»Ich bin an allem schuld«, sagt der Junge beteuernd, und seine Lippen zitterten [FalladaBlechnapf463]
sich anhaltend unruhig rasch hin- und herbewegen
Beispiele:
die Blätter zittern im Wind
die Luft zittert (= flimmert) vor Hitze
durch die Detonation zitterten (= bebten) die Wände, Fensterscheiben
Die stählerne Nadel / Im Kompaß zittert ... bevor sie sich / Fest einstellt [BrechtArturo Ui12]
2.
umgangssprachlich vor jmdm., etw. zitternvor jmdm., etw. große Angst haben
Beispiele:
vor ihm zittern alle
er zitterte vor der Prüfung
schon bei dem Gedanken an diese Begegnung zittert sie
mit Zittern und Zagen (= voller Furcht, angstvoll) dachte er daran, was ihm noch bevorstand
Nicht nur einfache Arbeiter müssen [in der BRD] zittern, wenn es um ihre Stelle geht [Tageszeitung1974]
3.
um, für jmdn., etw. zitternum jmdn., etw. in großer Sorge sein
Beispiele:
um jmds. Leben zittern
ich habe für dich gezittert
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

zittern · zitt(e)rig · erzittern
zittern Vb. ‘durch unwillkürliche Zuckungen geschüttelt werden, große Angst haben’, ahd. zittarōn (Hs. 13. Jh.), mhd. zit(t)ern, engl. (mundartlich) to titter, anord. titra ‘beben, zittern, zwinkern’; vgl. auch (aus dem Mhd.) mnd. sēteren, setteren, zet(t)eren und darauf beruhendes nl. sidderen. Herkunft nicht sicher geklärt. Man kann für germ. *tit(t)rōn (-tr- bleibt im Hd. unverschoben) eine affektisch-lautmalende reduplizierende Präsensbildung germ. *titrōmi bzw. ie. *didrāmi voraussetzen. Damit sind vergleichbar ind. dáridrāti ‘läuft hin und her, schweift herum, ist arm’, eine Intensivbildung zu drā́ti ‘läuft, rennt, eilt’, und griech. apodidrā́skein (ἀποδιδράσκειν) ‘weglaufen, entlaufen, entrinnen’ mit drāsmós (δρασμός) ‘das Ausreißen, Flucht’. Diese führen auf ie. *drā-, eine Erweiterung der Wurzel ie. *der(ə)- ‘laufen, treten, trippeln’ (s. auch ↗Treppe und ↗treten). zitt(e)rig Adj. ‘zitternd’ (Ende 15. Jh.), daneben zitt(e)richt (Ende 15. bis 18. Jh.). erzittern Vb. ‘plötzlich zu zittern beginnen, erbeben, erschüttert werden’, mhd. erziteren, erzittern ‘anfangen zu zittern’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(eine) Gänsehaut bekommen · (jemandem) schlottern die Knie · ↗(vor Kälte) bibbern · am ganzen Körper zittern · ↗erbeben · ↗erschaudern · ↗erschauern · ↗erzittern · ↗schaudern · ↗schauern · weiche Knie haben · zittern  ●  schuckern  regional · ↗(vor Angst) schlottern  ugs. · gebeutelt werden  ugs. · zittern wie Espenlaub (Verstärkung)  ugs.
Assoziationen
  • Aspe · ↗Espe · ↗Zitterpappel  ●  Populus tremula  fachspr.
  • (eine) Gänsehaut bekommen · (jemandem) kalt sein · (jemandem) kalt werden · ↗(vor Kälte) schlottern · ↗frieren · ↗frösteln · mit den Zähnen klappern · vor Kälte zittern  ●  ↗bibbern  ugs. · frieren wie ein Schneider  ugs. · ↗schnattern  ugs. · schuckern  ugs., regional
  • (jemandem) kalt den Rücken herunterlaufen · ↗(sich) graulen · ↗(sich) grausen · ↗(sich) gruseln · ↗schaudern · unheimlich (zumute) sein  ●  (jemanden) kalt überlaufen  geh.
  • Grausen · ↗Herzensangst · ↗Panik  ●  (sehr) große Angst  Hauptform · ↗Heidenangst  ugs. · Himmelangst  ugs. · ↗Höllenangst  ugs.
  • (eine) Riesenangst haben · Todesangst haben · sehr große Angst haben · tausend Ängste ausstehen  ●  (die) Panik kriegen  ugs. · (eine) Heidenangst haben  ugs. · (eine) Mordsangst haben  ugs. · (totale) Panik haben  ugs. · Blut und Wasser schwitzen  ugs. · Schiss haben  ugs. · tausend Tode sterben  ugs., fig.
Synonymgruppe
beben · ↗erbeben · ↗erzittern · ↗vibrieren · zittern
Assoziationen
Synonymgruppe
beben · ↗schwabbeln · ↗wabbeln · ↗wackeln · zittern

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufregung Bein Einzug Erregung Espenlaub Finger Glied Hand Job Kinn Klassenerhalt Knie Knochen Kälte Körper Leib Lippe Stimme Unterlippe Weiterkommen Wiedereinzug beben bibbern entgegen entgegenzittern mitzittern nachzittern schwitzen weinen zucken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zittern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er wisse viel, und wenn er auspacke, müssten manche zittern.
Die Welt, 22.07.2004
Beinah hätten sie sich berührt, ihr Mund zitterte schon über seinem.
Widmer, Urs: Das Buch des Vaters, Zürich: Diogenes 2004, S. 39
Ich erinnere mich, und wenn ich sagen soll, woran ich mich erinnere, dann zittere ich.
Archiv der Gegenwart, 2001 [2000]
Ich zittere vor den gestellten Bildern, zu denen ich verurteilt bin, um zu urteilen.
Fritsch, Gerhard: Fasching, Hamburg: Rowohlt 1967, S. 104
Wenn er die Hand auf den Tisch legte, zitterte dieser.
Ball, Hugo: Flammetti. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1918], S. 4949
Zitationshilfe
„zittern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/zittern>, abgerufen am 19.10.2019.

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