zeitigen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungzei-ti-gen
Wortbildung mit ›zeitigen‹ als Erstglied: ↗Zeitigung
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
gehoben etw. zeitigt etw.etw. bringt etw. hervor
Beispiele:
die gemeinsame Arbeit, Anstrengung hat reiche Früchte, schöne Erfolge gezeitigt
etw. hat bedeutsame, keinerlei Ergebnisse gezeitigt
Aber auch die schärfste Logik und die genaueste mathematische Rechnung können kein einziges fruchtbares Ergebnis zeitigen, wenn es an einer sicher zutreffenden Voraussetzung fehlt [PlanckSinn4]
[der Park] über dem eine jener sommerlich warmen Mondnächte aufgegangen war, die der Spätherbst zuweilen zeitigt [G. Hauptm.4,453]
etw. zieht etw. nach sich
Beispiele:
etw. zeitigt (nachteilige) Folgen, Misserfolge
in einem Kampfe, der Konsequenzen zeitigen kann für uns alle [LiebknechtReden174]
2.
österreichisch reif werden
Beispiel:
Auf dem Felde zeitigen so manche andere Früchte, als man zu säen geglaubt hat [Stifter2,195]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Zeit · zeitig · zeitigen · zeitlich · Zeitlichkeit · Zeitalter · Zeitgeist · Zeitgenosse · zeitlos · Zeitlose · Zeitschrift · Zeitwort
Zeit f. ‘Ablauf des Geschehens, Aufeinanderfolge der Ereignisse, bestimmter Abschnitt oder Punkt dieses Ablaufs’, ahd. (8. Jh.), mhd. zīt f. n. ‘Zeit, Zeit-, Lebensalter, Leben, Jahres-, Tageszeit, Stunde’, asächs. aengl. tīd, mnd. tīt (nd. Tīde ‘Zeit, Flut’), mnl. tijt, nl. tijd ‘Zeit’, engl. tide ‘Gezeit(en), Ebbe und Flut’ (in Zusammensetzungen ‘Zeit’, vgl. summertide ‘Sommerszeit’), anord. tīð ‘Zeit, Stunde, Gebet’, schwed. tid ‘Zeit’ setzen germ. *tīði- (bzw., falls das neutrale Genus im Ahd. und Mhd. nicht als sekundär anzusehen ist, auch germ. *tīða-) voraus. Daneben stehen aengl. tīma ‘Zeit, Gelegenheit’, engl. time ‘Zeit’, anord. tīmi ‘Zeit, rechte Zeit, Mal, Glück’, schwed. timme ‘Stunde’, beruhend auf germ. *tīma- m. Die germ. Formen lassen sich im Sinne von ‘Abgeteiltes, Abschnitt’ teils mit t-Suffix, teils mit dem Suffix ie. -mon- an die Tiefstufe ie. *dī̌- der unter ↗Teil (s. d.) angeführten Wurzel ie. *dā(i)- ‘teilen, zerschneiden, zerreißen’ anschließen, wozu auch aind. dáyatē ‘teilt, teilt zu, hat Anteil’, dā́ti, dyáti ‘schneidet ab, teilt, mäht’, griech. dá͞iesthai (δαίεσθαι) ‘(ver)teilen’, dá͞is, dá͞itē, daitýs (δαίς, δαίτη, δαιτύς) ‘Portion, Speise, Mahlzeit’, daitrón (δαιτρόν) ‘Anteil, Portion’, (mit mo-Formans) dḗmos (δῆμος) ‘Volk, Gau, Land’, air. dām ‘Gefolgschaft, Schar’ gehören. zeitig Adj. ‘zu einem verhältnismäßig frühen Zeitpunkt’, auch (besonders südd.) ‘reif’, ahd. zītīg ‘(recht)zeitig, früh(reif)’ (10. Jh.), mhd. zītec, zītic ‘ausgewachsen, reif, zur rechten Zeit geschehend, der Jahreszeit, den Verhältnissen entsprechend, reiflich überlegt’, mnd. mnl. tīdich. zeitigen Vb. ‘(Ergebnisse) hervorbringen, (Folgen) nach sich ziehen’, (besonders südd.) ‘reif werden’, mhd. zītegen ‘reif werden, reif machen’. zeitlich Adj. ‘im Hinblick auf die Zeit, vergänglich, irdisch’, ahd. zītlīh Adj. (um 1000; vgl. unzītlīh, um 800, zītlīhho Adv. ‘zeitlich, zeitig’, 9. Jh.), mhd. zītlich ‘zeitlich, weltlich, erntbar, reif, zeitgemäß, angemessen’; Zeitlichkeit f. ‘Endlichkeit, Vergänglichkeit’, mhd. zītlīcheit ‘das irdische Dasein, die irdische Welt’, von den Mystikern geprägt. Zeitalter n. ‘größerer historischer Zeitraum, Epoche, Ära’ (18. Jh.). Zeitgeist m. ‘für einen bestimmten geschichtlichen Zeitraum charakteristische Gesinnung, geistige Haltung’ (Herder 1769), vgl. älteres Genius unserer Zeit (Zinzendorf 1739). Zeitgenosse m. ‘mit jmdm. in der gleichen Zeit, in einem bestimmten historischen Zeitraum Lebender, Mitmensch’ (16. Jh., geläufig 18. Jh.), Übersetzung von gleichbed. spätlat. synchronus, substantiviert nach griech. sýnchronos (σύγχρονος) ‘gleichzeitig, von gleicher Zeit und Dauer’ (s. ↗synchronisch). zeitlos Adj. ‘zeitlich unbegrenzt, ewig, nicht zeitgebunden’ (1. Hälfte 16. Jh., wohl älter). Zeitlose f. im Herbst blühendes, im Frühjahr Früchte tragendes (also sich nicht an die üblichen Zeiten haltendes) Liliengewächs mit lila- bis rosafarbiger Blüte (1. Hälfte 16. Jh.), dann (im Hinblick auf die Blütezeit) Herbstzeitlose (um 1700); vgl. ahd. zīt(i)lōsa (11. Jh.), mhd. zīt(e)lōs(e) für verschiedene, außerhalb der gewöhnlichen Zeit und zwar frühzeitig blühende Frühlingsblumen wie Krokus, Narzisse, dann auch Maßliebchen, Schneeglöckchen. Zeitschrift f. ‘periodisch in Heften erscheinende Druckschrift’ (2. Hälfte 18. Jh.), Verdeutschung von ↗Journal (s. d.); zuvor steht Zeitschrift für ‘Chronogramm’, d. i. ein Sinnspruch, in dem die darin enthaltenen römischen Zahlbuchstaben zusammengezählt die Jahreszahl einer Begebenheit bilden, auf die sich die Worte beziehen (Harsdörfer 1645), auch für ‘Inschrift’ (Harsdörfer 1648) und für ‘Annalen, Chronik, Geschichtswerk’ (2. Hälfte 17. Jh.). Zeitwort n. ‘Verb’ (vereinzelt Mitte 15. Jh., häufiger seit Anfang 17. Jh.), Übersetzung von lat. verbum (temporāle), eigentlich ‘Wort, an dem die Zeiten unterschieden werden’; Zeitwort setzt sich im 17. Jh. gegen konkurrierendes Sagwort, Sprechwort, Tuwort und Werkwort durch (s. ↗Verb).

Thesaurus

Synonymgruppe
darauf hinauslaufen · führen zu · ↗hervorbringen · mit sich bringen · nach sich ziehen · zeitigen · zur Folge haben  ●  im Gefolge haben  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Auswirkung Auswuchs Begleiterscheinung Bemühung Blüte Devisenmarkt Effekt Erfolg Ergebnis Folge Folgen Folgewirkung Frucht Gewesenheit Konsequenz Nachwirkung Nebeneffekt Nebenwirkung Resultat Rückwirkung Spätfolge Synergieeffekt Teilerfolg Wirkung Zeitlichkeit allerlei insofern keinerlei primär zeitigen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zeitigen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Obwohl die Frage offen blieb, zeitigte die Diskussion wesentliche wissenschaftliche Erkenntnisse.
Die Welt, 12.08.2000
Das würde - ganz nebenbei - auch noch eine Stabilisierung der Abwehr zeitigen.
Der Tagesspiegel, 13.06.2000
Nun könnte das kosmopolitische wie das ästhetische Programm wiederum eine Literatur zeitigen, die nichts als gut gemeint ist.
Süddeutsche Zeitung, 20.11.1999
Keineswegs muß die multimedial aufwendigste Simulation immer auch den größten pädagogischen Nutzen zeitigen.
C't, 1996, Nr. 6
Hat diese energische Verfolgung bis heute den gewünschten Erfolg gezeitigt?
Welt und Wissen, 1927, Nr. 2, Bd. 16
Zitationshilfe
„zeitigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/zeitigen>, abgerufen am 17.07.2019.

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