zögern

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungzö-gern (computergeneriert)
Wortbildung mit ›zögern‹ als Letztglied: ↗hinauszögern · ↗hinzögern
eWDG, 1977

Bedeutung

eine Handlung, Entscheidung hinausziehen, etw. hinausschieben, aufschieben, sich abwartend verhalten
Beispiele:
er zögerte, die langwierige Behandlung auf sich zu nehmen
er zögerte mit der Antwort
ohne zu zögern, sprang er ins Wasser
er zögerte einen Augenblick, stimmte aber dann zu
er war ohne Zögern bereit
ich zögere nicht zu behaupten, dass ...
die Verhandlungen gehen nur schleppend und zögernd voran
das Frühjahr kommt diesmal spät und zögernd
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

zögern · verzögern · Verzögerung
zögern Vb. ‘sich nicht entschließen können, zaudern’, transitiv ‘etw. hinausschieben’ (dafür heute meist hinauszögern); zuerst wohl mnd. tȫgeren, auch südwestd. zögern (1. Hälfte 16. Jh.), dann bei Dichtern der schlesischen Dichterschule (um 1700) und allgemein. Iterativbildung, eigentlich wohl ‘(ohne Zweck) hin und her ziehen’, zu frühnhd. zogen ‘sich von einem Ort zum anderen bewegen’, mhd. zogen ‘sich auf den Weg machen, gehen, hinziehen, (ver)zögern, zerren’, ahd. zogōn ‘taumeln, schwanken’ (8. Jh.), mnd. tōgen, mnl. tōghen, aengl. togian ‘ziehen, schleppen, zerren’, engl. to tow ‘(ab)schleppen’, anord. toga ‘ziehen, reißen’, die ihrerseits als Deverbativa (ablautend und mit grammatischem Wechsel von h und g) zu dem unter ↗ziehen (s. d.) behandelten Verb gehören. verzögern Vb. ‘verlangsamen, aufschieben, hinausziehen’ (Mitte 17. Jh.), zuerst intransitiv ‘zaudern, säumen’; vgl. früher bezeugtes mnd. vortȫgeren ‘hinausschieben, hinhalten, sich hinauszögern’. Verzögerung f. (2. Hälfte 17. Jh.), mnd. vortȏgeringe ‘Verzögerung, Aufschub’ (15. Jh.). Die gesamte Wortgruppe scheint aus dem Nd. (über md. Vermittlung) in die Literatursprache vorgedrungen zu sein.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) zieren · ↗innehalten · ↗pausieren · ↗trödeln · ↗verweilen · ↗zaudern · zögern
Assoziationen
Synonymgruppe
(Zeit) vertrödeln · (es) langsam angehen lassen · (sich) Zeit lassen · ↗bummeln · die Mühlen der (Justiz/Bürokratie/...) mahlen langsam · langsam sein · ↗trödeln · ↗vertändeln · zögern  ●  vor sich hin trödeln  variabel · ↗(he)rumtrödeln  ugs. · (sich) lange aufhalten mit  ugs. · ↗klüngeln  ugs., veraltend, rheinisch
Assoziationen
  • halbherzig · ↗unentschlossen · ↗unsicher · ↗verhalten · zaudernd · ↗zögerlich · zögernd  ●  ↗zaghaft  Hauptform · ↗schüchtern  geh., fig.
  • (sich) nicht aufraffen könnnen · (sich) zu nichts aufraffen können · in Lethargie verharren · in Untätigkeit verharren · nicht aktiv werden · nicht in die Gänge kommen  ●  (den) Arsch nicht hochkriegen  ugs., fig. · nicht aus dem Quark kommen  ugs., fig. · nicht in die Puschen kommen  ugs., fig.
  • (etwas) geschehen lassen · den Dingen ihren Lauf lassen · nicht aktiv werden (in einer Sache) · nichts machen · nichts tun · nichts unternehmen  ●  (die) Dinge treiben lassen  negativ · (die) Hände in den Schoß legen  fig. · keinen Finger rühren  fig. · tatenlos zusehen  negativ · untätig bleiben  Hauptform
  • (sich irgendwo) herumdrücken · ↗(sich) herumtreiben · ↗herumlungern · ↗herumstehen  ●  ↗(sich) rumtreiben  ugs. · ↗abhängen  ugs. · ↗herumgammeln  ugs. · ↗rumstehen  ugs.
  • (sich) die Zeit vertreiben · Zeit verschwenden · ↗vertrödeln (Zeit) · ↗vertun (seine Zeit) · ↗vertändeln (Zeit)  ●  Zeit totschlagen  ugs.
  • (ganz) gelassen · ↗(ganz) gemütlich · im Schlendergang · in gemütlichem Tempo · in langsamem Tempo · in lässiger Gangart · ↗langsam · ohne (jede) Hektik · ohne die geringste Spur von Eile · ohne die mindeste Eile  ●  ganz entspannt  ugs. · gemessenen Schrittes  geh. · in chilligem Tempo  ugs. · ↗tiefenentspannt  ugs., ironisch
  • (sich) nicht aus der Ruhe bringen lassen · Ruhe bewahren · die Ruhe selbst (sein) · nicht die Nerven verlieren · ruhig bleiben · ↗tiefenentspannt (sein)  ●  cool bleiben  ugs. · die Contenance wahren  geh. · die Ruhe weghaben  ugs., regional · ein starkes Nervenkostüm haben  ugs. · einen kühlen Kopf behalten  ugs. · ruhig Blut bewahren  ugs.
  • bummelig · herumtrödelnd · ohne Eile · ↗saumselig
  • Nachzügler  ●  ↗Bummelant  ugs. · ↗Bummler  ugs. · Zu-spät-Kommer  ugs.
  • bummelig  ugs. · ↗herumtrödeln(d)  ugs. · ↗saumselig  geh., veraltend · ↗säumig  geh. · trödelig  ugs. · verbummelt  ugs.
Synonymgruppe
(sich) hüten · Skrupel haben · ↗zurückschaudern · ↗zurückschrecken · zögern  ●  Bedenken tragen  geh. · abhorreszieren  geh. · ↗abhorrieren  geh.
Assoziationen
  • (etwas) fürchten · ↗(sich) fürchten · ↗(sich) ängstigen · Angst haben · ↗bangen · ↗befürchten  ●  (das) Herz in der Hose (haben / tragen)  veraltend · ↗(jemandem) bang(e) (zumute) sein  veraltet · vor etwas Gamaschen haben  veraltet · (den) Flattermann kriegen  ugs. · (die) Hosen gestrichen voll haben (Verstärkung)  ugs. · (die) Hosen voll haben  ugs. · (jemandem) geht der Arsch auf Grundeis  derb · (jemandem) geht der Arsch mit Grundeis  derb · (jemandem) geht die Düse  derb · (jemandem) geht die Muffe (1 zu 1000)  ugs. · Muffensausen haben  ugs. · Schiss inne Buchs haben  ugs., regional · ↗bibbern  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Antwort Augenblick Investor Moment Neueinstellung Schiedsrichter Sekunde Unterschrift Vertragsverlängerung Weile Zusage anfangs dennoch deshalb heraus herauszögern hinaus hinauszögern hinzögern kurz lang lange nicht noch trotzdem zagen zaudern zuerst zunächst zögern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›zögern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn hienieden alles vorläufig ist, weshalb sollte man dann zögern, vielerlei auszuprobieren?
Die Welt, 18.04.2006
Noch nie hatte sie so lange gezögert, ein Buch aufzuschlagen.
Funke, Cornelia: Tintenherz, Hamburg: Cecilie Dressler Verlag 2003, S. 96
Sie selbst zögern nicht, in Ihren Arbeiten polemisch zu werden.
Der Tagesspiegel, 24.01.2001
Peer zögert, da könnte doch noch jemand auf ihn warten.
Fath, Rolf: Werke - P. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 22559
Vielleicht hat es mich sogar unbewußt so lange zögern lassen, mich mit diesem Hobby zu befreunden.
Rosenzweig, Gerhard: Unsere Modelleisenbahn, Gütersloh: Bertelsmann Verlag 1966, S. 165
Zitationshilfe
„zögern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/zögern>, abgerufen am 16.10.2019.

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