wischen

GrammatikVerb · wischte, hat/ist gewischt
Aussprache
Worttrennungwi-schen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›wischen‹ als Erstglied: ↗Wischarm · ↗Wischbewegung · ↗Wischer · ↗Wischerei · ↗Wischgeste · ↗Wischlappen · ↗Wischtuch · ↗wischfest
 ·  mit ›wischen‹ als Letztglied: ↗abwischen · ↗aufwischen · ↗auswischen · ↗davonwischen · ↗durchwischen · ↗fortwischen · ↗herauswischen · ↗herunterwischen · ↗hinauswischen · ↗trockenwischen · ↗vorbeiwischen · ↗wegwischen
 ·  mit ›wischen‹ als Grundform: ↗entwischen · ↗erwischen · ↗verwischen
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›hat‹
mit der Hand oder einem Gegenstand über etw. hinfahren, streichen
a)
etw., über etw. wischen
Beispiele:
in der Aufregung, vor Nervorsität rieb und wischte er ständig seine Schläfen, mit seinen Händen über die Schläfen
er wischte (sich) [Dativ] mit der Hand über die Stirn, Augen, den Mund
er merkte, daß er mit dem Saum seines Nachthemds den Boden wischte [H. KantAula109]
salopp, übertragen
Beispiele:
jmdm. eine wischen (= jmdn. ohrfeigen)
er hatte eine, einen gewischt bekommen (= einen heftigen elektrischen Schlag bekommen)
b)
um etw. zu entfernen, wegzuwischen
Beispiele:
er wischte die Krümel vom Tisch
sie hat (mit dem Tuch) den Staub von den Möbeln gewischt
Staub wischen (= mit einem Staubtuch den Staub beseitigen, ab-, wegwischen)
er wischte sich [Dativ] (mit dem Ärmel, mit einem Tuch) die Tränen aus den Augen, aus dem Gesicht, den Schweiß von der Stirn
sie wischte (sich) [Dativ] mehrere Male heimlich ihre Augen, damit niemand ihre Tränen sehen könne
er wischte ihr mit dem Taschentuch das Blut aus dem Gesicht, von der Stirn
c)
um etw. zu säubern
Beispiele:
er wischte sich [Dativ] den Mund mit der Hand, Serviette
sich [Dativ], jmdm. die Nase wischen
nach dem Essen wischte er sich [Dativ] die Finger, bevor er wieder an seine Arbeit ging
Nachdem er getrunken hatte, wischte er sich den Schnurrbart mit dem Handrücken [NossackSpirale14]
etw. mit Wasser und einem Tuch säubern
Beispiele:
den Tisch, Fußboden wischen
wir können den Teppich erst ausrollen, wenn ich gewischt habe
schweizerisch etw. mit einem Besen, Handfeger säubern, fegen
Beispiel:
Überall stehen die Weiber vor den Türen und wischen mit ihren Besen [DürrenmattHörspiele23]
2.
mit Hilfsverb ›ist‹
umgangssprachlich sich schnell irgendwohin begeben
Beispiel:
Der Prügelknabe hatte sich losgerissen, war um die Ecke gewischt und nicht mehr zu sehen [ZuchardtSpießrutenlauf267]
bildlich
Beispiel:
Verstörtheit wischte über das Gesicht des deutschen Emigranten [L. FrankMathilde5,289]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wisch · wischen · entwischen · erwischen
Wisch m. ‘Büschel’, abschätzig ‘Schriftstück’, ahd. -wisc m. (in ars-, ovanwisc, Hs. 12. Jh.), mhd. wisch m. n. ‘Strohbündel’, mnd. wisch, mnl. wisc, nl. wis, anord. visk ‘Strohbündel’, aschwed. visk ‘Besen’ (germ. *wiska-) führen mit aind. vēṣkáḥ ‘Schlinge’, lat. vīscus ‘Eingeweide’ (eigentlich ‘Darmschlingen’?), virga (aus *u̯izgā) ‘dünner Zweig, Reis, Rute’ und (ohne Gutturalsuffix) aind. vēṣṭatē ‘hängt sich an, windet sich um’, vēṣṭa- ‘Schlinge’, russ. vécha (веха) ‘lange Stange mit einem Strohbündel’ auf ie. *u̯eis- ‘drehen, biegsame, flechtbare Ruten’, eine Erweiterung der unter ↗Weide (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *u̯ei- ‘drehen, biegen’. Wisch ist ursprünglich ein ‘aus Stroh (oder biegsamen Ruten) gedrehtes Büschel’, das als Flurzeichen, dann auch als Fackel (15. Jh.; vgl. Irrwisch, s. ↗irr) und als Strohbesen (16. Jh.) dient; daraus übertragen ‘wertloses Zeug’, abschätzig ‘Schriftstück, Druckschrift’ (16. Jh.). wischen Vb. ‘(mit einem Wisch) reinigen’ (ursprünglich ‘mit Stroh, mit dem Besen, dann mit einem Lappen reibend darüber hinfahren’), auch ‘sich schnell bewegen’, ahd. wisken ‘über etw. reinigend reiben’ (um 1000), mhd. wischen, wüschen ‘reibend darüberfahren, reinigen, trocknen, leicht und schnell sich bewegen, (ent)schlüpfen’, mnd. wischen, mnl. wiscen, wisscen, nl. wissen. entwischen Vb. ‘abhanden kommen, sich schnell davonmachen, entkommen’, ahd. intwisken (11. Jh.), mhd. entwischen. erwischen Vb. ‘rasch ergreifen, fangen, ergattern’, mhd. erwischen.

Thesaurus

Synonymgruppe
säubern · wischen
Oberbegriffe
Synonymgruppe
(feucht) wischen · ↗abwischen · ↗auswischen · ↗durchwischen
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Auge Augen Augenwinkel Bedenken Einwand Fußboden Gesicht Handbewegung Handrücken Krümel Lappen Schweiß Schweißperle Staub Stirn Taschentuch Tisch Träne Tränen Wange abwischen aufwischen auswischen beiseite fortwischen hinwegwischen sauber verstohlen wegwischen Ärmel

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wischen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie wischen dich nicht einfach beiseite, aber sie nagen dich zu Tode.
Süddeutsche Zeitung, 27.06.2002
Man musste keinen Staub wischen, denn es gab keinen Platz für Staub.
Der Tagesspiegel, 06.04.2000
Der Meister bewegte die Hand, als gelte es, etwas vom Tisch zu wischen.
Preußler, Otfried: Krabat, Stuttgart: Thienemann o.J. [1995] [1971], S. 237
Und dann küßt sie das Kind und wischt dabei rasch die Augen und lacht gleich selbst.
Grimm, Hans: Volk ohne Raum, München: Langen 1932 [1926], S. 944
Dann wischte sie sich mit der Hand über die Augen.
Sapper, Agnes: Werden und Wachsen, Hannover: Gundert 1967 [1910], S. 226
Zitationshilfe
„wischen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/wischen>, abgerufen am 24.10.2019.

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