widersprechen

GrammatikVerb · widerspricht, widersprach, hat widersprochen
Aussprache
Worttrennungwi-der-spre-chen
Wortzerlegungwider-sprechen
Wortbildung mit ›widersprechen‹ als Grundform: ↗Widerspruch · ↗widersprechend
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
jmdm., einer Sache widersprechenjmdm., jmds. Meinungsäußerung, einer Sache mit Worten entgegentreten, gegen etw. Einwände erheben, etw. für unrichtig erklären
Beispiele:
dem Redner, seinen Worten, seiner Behauptung, Meinung wurde von vielen Seiten widersprochen
er widersprach ihr mit keinem Wort, mit scharfen Worten
widersprich mir nicht immer!
sie widersprach (ihm) aus Prinzip, grundsätzlich, mit allem Nachdruck, immer
»das ist nicht so«, widersprach er
Er widerspricht mir mit meinen eigenen Argumenten [MoloEin Deutscher72]
sich [Dativ] widersprechensich entgegengesetzt zu seiner eigenen, vorher gemachten Aussage äußern
Beispiel:
damit, mit diesen Worten, mit diesem Argument, ohne es zu bemerken, hast du dir selbst widersprochen
2.
etw. widerspricht einer Sacheetw. steht im Gegensatz zu etw., stimmt mit etw. nicht überein
Beispiele:
dies widerspricht deiner bisherigen Überzeugung, Behauptung, den Bestimmungen, Angaben, Untersuchungsergebnissen, seinen Grundsätzen
eine solche Handlungsweise, Auffassung widerspricht ihrem Wesen, Empfinden
die äußere Ruhe widersprach seinem inneren Zustand
die Zeugenaussagen, Nachrichten widersprechen sich, einander
oft im Part. Präs.
widersprechendentgegengesetzt, unvereinbar
Beispiele:
widersprechende Antworten, Auskünfte (erhalten)
die widersprechendsten Gefühle bewegten sie
sie hatte so viel Widersprechendes über den Vorfall gehört
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wider · wieder · zuwider · widerlich · widern · erwidern · widrig · Widerhall · widerlegen · widerrufen · widerspenstig · widersprechen · Widerspruch · widerstehen · Widerstand · widerwärtig · Widerwille · widerwillig
wider Präp. ‘gegen, entgegen’. wieder Adv. ‘zurück, abermals, erneut’, mit konjunktionalem Charakter ‘umgekehrt, hingegen, anderer-, seiner-, ihrerseits’ Die seit dem 17./18. Jh. durch gelehrte Regelung orthographisch geschiedenen Wörter haben eine gemeinsame Herkunft. Ahd. widar Präp. ‘(ent)gegen, wider’ (8. Jh.), widar(i) Adv. ‘entgegen, zuwider, zurück, wiederum, abermals’ (um 800), mhd. wider (md. auch widder, weder) Präp. ‘gegen, wider’, wider(e) Adv. ‘(ent)gegen, zuwider, zurück, abermals’, asächs. wiðar Präp. ‘gegen, wider’, Adv. ‘zurück’, mnd. wed(d)er Präp. ‘gegen, wider’, wedder Adv. ‘zurück, abermals, wiederum, entgegen’, mnl. nl. weder, weer Präp. ‘wider, gegen’, Adv. (mnl. auch wēdere) ‘zurück, wieder, gegen’, afries. wither, aengl. wiþer Präp. Adv. ‘gegen’, anord. viðr Präp. ‘bei, gegen, wider’, got. wiþra Präp. ‘gegen, gegenüber’ (germ. *wiþra-) sind wie aind. vitarám ‘weiter, ferner’, awest. vītarəm ‘seitwärts’, vītara- ‘der seitlichere’ Bildungen mit dem Suffix ie. -tero-, setzen also ie. *u̯itero- voraus. Dessen Grundlage ie. *u̯ī̌- ‘auseinander’ findet sich in aind. ‘auseinander, abgetrennt, weg, fort’, awest. vī-, vi-, vy- ‘auseinander, abseits, entgegen’ und in den Weiterbildungen lit. vìsas ‘alle’, aslaw. vьsь, russ. ves’ (весь) ‘all, ganz’ (d. i. ‘nach allen Seiten auseinandergegangen’), lat. vitium (aus *u̯itiom) ‘Fehler, Gebrechen’. Neben den oben angeführten, germ. *wiþra- entsprechenden Bildungen stehen in einigen germ. Sprachen Kurzformen wie asächs. wið Präp., aengl. wiþ Präp., anord. við Präp., die sich in den modernen Sprachen durchgesetzt haben, vgl. engl. with Präp. ‘mit’, schwed. vid Präp. ‘bei, an, neben, auf’, zeitlich ‘gegen’, Adv. ‘etwa, ungefähr’. Die Bedeutungsentwicklung geht aus von räumlich verstandenem ‘auseinander, (ent)gegen’. Die Präposition steht daher für ‘gegen’ (räumlich, dann besonders im Sinne des feindlichen Entgegenwirkens, des Widerstandes) und für ‘im Gegensatz, im Widerspruch zu’; das Adverb steht für ‘zurück’ (d. h. ‘der eingeschlagenen Richtung entgegen’), woraus im zeitlichen Sinne ‘abermals, wiederum’. Alle Verwendungsweisen sind bereits im Ahd. entwickelt. In der Art einer adversativen Konjunktion ‘umgekehrt, hingegen, andrerseits’ (bereits bei Notker) wird wi(e)der besonders in neuerer Zeit gebräuchlich (er war freundlich, dann wieder unausstehlich). Adverbieller Gebrauch im Sinne von ‘(ent)gegen’ (der Wind war jnen wider, Luther) ist erhalten in der Erweiterung zuwider Adv. Präp. ‘entgegengesetzt, feindlich, widerwärtig’ (16. Jh.) und in zahlreichen Verbalkomposita (s. unten). widerlich Adj. ‘ungünstig, schlecht, unangenehm, abstoßend’ (17. Jh.), älter ‘gegnerisch, feindlich’ (16. Jh.). widern Vb. ‘zuwider, unangenehm sein, anwidern’ (17. Jh.), älter ‘zuwider-, entgegenhandeln, ablehnen, unterbinden, sich weigern, widerstreben’, ahd. widarōn, widaren ‘zurückweisen, ablehnen, zu verhindern suchen, sich weigern’ (8. Jh.), mhd. wider(e)n ‘zuwider machen, verleiden, sich widersetzen, rückgängig machen, zurückweisen, verschmähen, vergelten’. erwidern Vb. ‘entgegnen, antworten, reagieren’, mhd. erwideren ‘entgegnen, antworten, ersetzen’, ahd. irwidarōn ‘zurückweisen, verwerfen, mißbilligen’ (9. Jh.). widrig Adj. ‘ungünstig, unangenehm, Widerwillen erregend’, spätmhd. widerig. Widerhall m. ‘reflektierter Schall, Echo’, spätmhd. widerhal. widerlegen Vb. ‘nachweisen, daß etw. nicht zutrifft, etw. als falsch erweisen’ (16. Jh.), mhd. widerlegen ‘erstatten, ersetzen, wiedergutmachen, vergelten, umbiegen, umlegen, Widerstand leisten’. widerrufen Vb. ‘eine Aussage zurücknehmen’, mhd. widerruofen, -rüefen ‘ab-, zurückrufen, zurücknehmen, absetzen, widerlegen’. widerspenstig Adj. ‘widersetzlich störrisch’ (Ende 15. Jh.), nach voraufgehendem mhd. widerspene, widerspān, -spæne; vgl. mhd. span und widerspān ‘Streitigkeit, Zerwürfnis’, eigentlich ‘(gegenseitige) Spannung’, zu der unter ↗spannen (s. d.) dargestellten Wortgruppe. widersprechen Vb. ‘das Gegenteil vertreten, sich gegen etw. äußern’, ahd. widarsprehhan (10. Jh.), mhd. widersprechen ‘sich mit Worten gegen etw. wenden’; seit dem 17. Jh. auch ‘im Gegensatz stehen, nicht übereinstimmen, sich entgegenstehen’. Widerspruch m. ‘Einwand, Protest, (logische) Unvereinbarkeit’ (15. Jh.). widerstehen Vb. ‘Widerstand leisten, einer Neigung nicht nachgeben, zuwider, unangenehm sein’, ahd. widarstān, -stēn (8. Jh.), -stantan (9. Jh.), mhd. widerstān, -stēn. Widerstand m. ‘Gegenwehr, Weigerung, Behinderung’, mhd. widerstant; im Plural ‘Hemmungen, Hindernisse’ (18. Jh.); Widerstand leisten (18. Jh.), passiver Widerstand (Mitte 19. Jh.), nach engl. passive resistance. widerwärtig Adj. ‘abstoßend, unangenehm, ungünstig’, ahd. widarwertīg, -wartīg ‘feindlich, feindselig, entgegengesetzt, ungünstig’ (um 900), mhd. widerwertic, -wartic ‘entgegenstrebend, -gesetzt, widersetzlich, feindlich, unangenehm, zuwider’; zur Herkunft des Grundworts s. ↗-wärts. Widerwille m. ‘Widerstreben, Abneigung’, mhd. widerwille ‘Zwist, Auflehnung, Unannehmlichkeit, Ungemach’. widerwillig Adj. ‘ungern, widerstrebend’, frühnhd. auch ‘sich auflehnend, feindlich entzweit’ (15. Jh.); vgl. mhd. widerwillicheit.

Thesaurus

Synonymgruppe
(in aller Schärfe) zurückweisen (Verstärkung) · (sich) verwahren (gegen) · Einspruch erheben · ↗ableugnen · ↗anfechten · ↗bestreiten · ↗dementieren · für nicht zutreffend erklären · in Abrede stellen · ↗leugnen · nicht wahrhaben wollen · ↗verneinen · ↗verweigern · von der Hand weisen · von sich weisen · widersprechen  ●  ↗abstreiten  Hauptform · nicht gesagt haben wollen  variabel · (sich) distanzieren (von)  geh. · in das Reich der Fabel verweisen  geh.
Assoziationen
Antonyme
  • widersprechen
Synonymgruppe
(sich) widersprechen · ↗entgegenstehen · in Konflikt geraten · in Konflikt stehen · ↗kollidieren · ↗konfligieren · ↗zuwiderlaufen
Assoziationen
Synonymgruppe
unterschiedlicher Meinung sein · widersprechen
Synonymgruppe
(jemandem etwas) entgegenhalten · den Einwand erheben (dass) · ↗einwenden · ↗einwerfen · ↗entgegnen · ↗erwidern · ↗kontern (mit) · mit dem Gegenargument kommen (dass) · widersprechen  ●  ↗objizieren  geh., veraltet
Assoziationen
Synonymgruppe
(sein) Veto einlegen · (sich) zur Wehr setzen · Einspruch erheben · Protest einlegen · Protest erheben · Widerspruch erheben · ↗dagegenhalten · ↗protestieren · widersprechen
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Annahme Ansicht Auffassung Aussage Befürchtung Behauptung Bericht Darstellung Eindruck Einschätzung Geist Gerücht Grundgesetz Grundsatz Meldung Prinzip Spekulation These Vermutung Vorstellung Vorwurf ausdrücklich damit diametral energisch entschieden heftig jedoch vehement Äußerung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›widersprechen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn ich mich an äußeren Quellen orientieren würde, widerspräche ich mir selber.
Süddeutsche Zeitung, 13.06.2002
So gut bin ich gar nicht, aber ich widerspreche ihnen nicht.
Der Tagesspiegel, 01.12.2001
Das widerspricht nicht nur dem guten Stil, es ist auch ungesund.
Schönfeldt, Sybil: Leichte schnelle Küche, Hamburg: Litten 1978, S. 67
Niemand widersprach ihm ernstlich, und doch gefiel es allen sehr gut so.
Renn, Ludwig [d. i. Vieth v. Golßenau, Arnold Friedrich]: Krieg - Nachkrieg, Berlin: Aufbau-Verl. 1951 [1930], S. 971
Das ist nicht so mit dem Raume; den sehen wir auch, wenn wir in ihm sind, und er widerspricht sich nicht.
Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 31682
Zitationshilfe
„widersprechen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/widersprechen>, abgerufen am 19.10.2019.

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