widerspenstig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungwi-der-spens-tig (computergeneriert)
Wortbildung mit ›widerspenstig‹ als Erstglied: ↗Widerspenstigkeit
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
renitent, nicht fügsam, nicht bereit, Folge zu leisten
Beispiele:
ein widerspenstiges Kind, widerspenstiger Esel, Ziegenbock
sich widerspenstig zeigen
den Widerspenstigen maßregeln
Er wurde tückisch und widerspenstig zu seinem Vater [SeegerHabicht237]
Henri war ... bereit, seine Truppen gegen die widerspenstige Stadt zu führen [H. MannJugend Henri Quatre6,353]
bildlich
Beispiele:
widerspenstige Haare, Locken, widerspenstiges Wurzelwerk
wo Dürer, ohne alle Mühsal eines widerspenstigen Stoffes, ganz frei die Glieder reckt [WölfflinDürer55]
2.
Renitenz ausdrückend
Beispiel:
ein widerspenstiges Verhalten, Schweigen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wider · wieder · zuwider · widerlich · widern · erwidern · widrig · Widerhall · widerlegen · widerrufen · widerspenstig · widersprechen · Widerspruch · widerstehen · Widerstand · widerwärtig · Widerwille · widerwillig
wider Präp. ‘gegen, entgegen’. wieder Adv. ‘zurück, abermals, erneut’, mit konjunktionalem Charakter ‘umgekehrt, hingegen, anderer-, seiner-, ihrerseits’ Die seit dem 17./18. Jh. durch gelehrte Regelung orthographisch geschiedenen Wörter haben eine gemeinsame Herkunft. Ahd. widar Präp. ‘(ent)gegen, wider’ (8. Jh.), widar(i) Adv. ‘entgegen, zuwider, zurück, wiederum, abermals’ (um 800), mhd. wider (md. auch widder, weder) Präp. ‘gegen, wider’, wider(e) Adv. ‘(ent)gegen, zuwider, zurück, abermals’, asächs. wiðar Präp. ‘gegen, wider’, Adv. ‘zurück’, mnd. wed(d)er Präp. ‘gegen, wider’, wedder Adv. ‘zurück, abermals, wiederum, entgegen’, mnl. nl. weder, weer Präp. ‘wider, gegen’, Adv. (mnl. auch wēdere) ‘zurück, wieder, gegen’, afries. wither, aengl. wiþer Präp. Adv. ‘gegen’, anord. viðr Präp. ‘bei, gegen, wider’, got. wiþra Präp. ‘gegen, gegenüber’ (germ. *wiþra-) sind wie aind. vitarám ‘weiter, ferner’, awest. vītarəm ‘seitwärts’, vītara- ‘der seitlichere’ Bildungen mit dem Suffix ie. -tero-, setzen also ie. *u̯itero- voraus. Dessen Grundlage ie. *u̯ī̌- ‘auseinander’ findet sich in aind. ‘auseinander, abgetrennt, weg, fort’, awest. vī-, vi-, vy- ‘auseinander, abseits, entgegen’ und in den Weiterbildungen lit. vìsas ‘alle’, aslaw. vьsь, russ. ves’ (весь) ‘all, ganz’ (d. i. ‘nach allen Seiten auseinandergegangen’), lat. vitium (aus *u̯itiom) ‘Fehler, Gebrechen’. Neben den oben angeführten, germ. *wiþra- entsprechenden Bildungen stehen in einigen germ. Sprachen Kurzformen wie asächs. wið Präp., aengl. wiþ Präp., anord. við Präp., die sich in den modernen Sprachen durchgesetzt haben, vgl. engl. with Präp. ‘mit’, schwed. vid Präp. ‘bei, an, neben, auf’, zeitlich ‘gegen’, Adv. ‘etwa, ungefähr’. Die Bedeutungsentwicklung geht aus von räumlich verstandenem ‘auseinander, (ent)gegen’. Die Präposition steht daher für ‘gegen’ (räumlich, dann besonders im Sinne des feindlichen Entgegenwirkens, des Widerstandes) und für ‘im Gegensatz, im Widerspruch zu’; das Adverb steht für ‘zurück’ (d. h. ‘der eingeschlagenen Richtung entgegen’), woraus im zeitlichen Sinne ‘abermals, wiederum’. Alle Verwendungsweisen sind bereits im Ahd. entwickelt. In der Art einer adversativen Konjunktion ‘umgekehrt, hingegen, andrerseits’ (bereits bei Notker) wird wi(e)der besonders in neuerer Zeit gebräuchlich (er war freundlich, dann wieder unausstehlich). Adverbieller Gebrauch im Sinne von ‘(ent)gegen’ (der Wind war jnen wider, Luther) ist erhalten in der Erweiterung zuwider Adv. Präp. ‘entgegengesetzt, feindlich, widerwärtig’ (16. Jh.) und in zahlreichen Verbalkomposita (s. unten). widerlich Adj. ‘ungünstig, schlecht, unangenehm, abstoßend’ (17. Jh.), älter ‘gegnerisch, feindlich’ (16. Jh.). widern Vb. ‘zuwider, unangenehm sein, anwidern’ (17. Jh.), älter ‘zuwider-, entgegenhandeln, ablehnen, unterbinden, sich weigern, widerstreben’, ahd. widarōn, widaren ‘zurückweisen, ablehnen, zu verhindern suchen, sich weigern’ (8. Jh.), mhd. wider(e)n ‘zuwider machen, verleiden, sich widersetzen, rückgängig machen, zurückweisen, verschmähen, vergelten’. erwidern Vb. ‘entgegnen, antworten, reagieren’, mhd. erwideren ‘entgegnen, antworten, ersetzen’, ahd. irwidarōn ‘zurückweisen, verwerfen, mißbilligen’ (9. Jh.). widrig Adj. ‘ungünstig, unangenehm, Widerwillen erregend’, spätmhd. widerig. Widerhall m. ‘reflektierter Schall, Echo’, spätmhd. widerhal. widerlegen Vb. ‘nachweisen, daß etw. nicht zutrifft, etw. als falsch erweisen’ (16. Jh.), mhd. widerlegen ‘erstatten, ersetzen, wiedergutmachen, vergelten, umbiegen, umlegen, Widerstand leisten’. widerrufen Vb. ‘eine Aussage zurücknehmen’, mhd. widerruofen, -rüefen ‘ab-, zurückrufen, zurücknehmen, absetzen, widerlegen’. widerspenstig Adj. ‘widersetzlich störrisch’ (Ende 15. Jh.), nach voraufgehendem mhd. widerspene, widerspān, -spæne; vgl. mhd. span und widerspān ‘Streitigkeit, Zerwürfnis’, eigentlich ‘(gegenseitige) Spannung’, zu der unter ↗spannen (s. d.) dargestellten Wortgruppe. widersprechen Vb. ‘das Gegenteil vertreten, sich gegen etw. äußern’, ahd. widarsprehhan (10. Jh.), mhd. widersprechen ‘sich mit Worten gegen etw. wenden’; seit dem 17. Jh. auch ‘im Gegensatz stehen, nicht übereinstimmen, sich entgegenstehen’. Widerspruch m. ‘Einwand, Protest, (logische) Unvereinbarkeit’ (15. Jh.). widerstehen Vb. ‘Widerstand leisten, einer Neigung nicht nachgeben, zuwider, unangenehm sein’, ahd. widarstān, -stēn (8. Jh.), -stantan (9. Jh.), mhd. widerstān, -stēn. Widerstand m. ‘Gegenwehr, Weigerung, Behinderung’, mhd. widerstant; im Plural ‘Hemmungen, Hindernisse’ (18. Jh.); Widerstand leisten (18. Jh.), passiver Widerstand (Mitte 19. Jh.), nach engl. passive resistance. widerwärtig Adj. ‘abstoßend, unangenehm, ungünstig’, ahd. widarwertīg, -wartīg ‘feindlich, feindselig, entgegengesetzt, ungünstig’ (um 900), mhd. widerwertic, -wartic ‘entgegenstrebend, -gesetzt, widersetzlich, feindlich, unangenehm, zuwider’; zur Herkunft des Grundworts s. ↗-wärts. Widerwille m. ‘Widerstreben, Abneigung’, mhd. widerwille ‘Zwist, Auflehnung, Unannehmlichkeit, Ungemach’. widerwillig Adj. ‘ungern, widerstrebend’, frühnhd. auch ‘sich auflehnend, feindlich entzweit’ (15. Jh.); vgl. mhd. widerwillicheit.

Thesaurus

Synonymgruppe
aufsässig · ↗renitent · ↗widerborstig · widerspenstig
Assoziationen
Synonymgruppe
bockig · ↗eigensinnig · ↗halsstarrig · ↗hartnäckig · ↗rechthaberisch · ↗renitent · ↗starrköpfig · ↗starrsinnig · ↗störrisch · ↗unbelehrbar · ↗unbeugsam · ↗uneinsichtig · ↗unnachgiebig · ↗unverbesserlich · widerspenstig  ●  ↗stur  Hauptform · ↗beratungsresistent  ugs. · ↗dickköpfig  ugs. · ↗nickelig  ugs. · stur wie ein Panzer  ugs. · sturköpfig  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(ein) sturer Bock (sein) · ↗bockbeinig · ↗bockig · ↗dickköpfig · ↗dickschädelig · stur wie ein Bock · stur wie ein Esel · ↗trotzig · unfügsam · ↗widerborstig · ↗widersetzlich · widerspenstig  ●  ↗störrisch  Hauptform · ↗unduldsam  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
renitent · ↗wehrhaft · ↗widersetzlich · widerspenstig

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bischof Gebilde Geliebte Genosse Haar Haarschopf Haarsträhne Koalitionspartner Kongreß Locke Material Parlamentarier Partner Schulrat Sklave Stamm Strähne Verbündeter Zeitgenosse Zähmung anfangs eigensinnig erweisen gebärden hartnäckig störrisch trotzig ungehorsam ziemlich äußerst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›widerspenstig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Seit Monaten versucht er nun schon, die widerspenstige österreichische Tochter nach seinem Geschmack umzubauen.
Die Welt, 09.12.2005
Wie bringt man den widerspenstigen Vater dazu, in die Hochzeit seiner Töchter einzuwilligen?
Süddeutsche Zeitung, 07.08.2003
Und da war kein ausgetrockneter Brunnen, und da waren keine widerspenstigen Dornen.
Hilsenrath, Edgar: Das Märchen vom letzten Gedanken, München: Piper 1989, S. 363
Ihren schwachen Kräften jedoch gelang es nicht, das widerspenstige Haar zu bändigen.
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh II, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 456
Der preußischen Regierung kam damals sehr viel darauf an, die widerspenstige Bourgeoisie zu Paaren zu treiben.
Friedländer, Hugo: Der Hochverratsprozeß gegen Liebknecht, Bebel und Hepner. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 6229
Zitationshilfe
„widerspenstig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/widerspenstig>, abgerufen am 22.05.2019.

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