widerlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungwi-der-lich (computergeneriert)
Wortzerlegungwidern-lich
eWDG, 1977

Bedeutung

abwertend
1.
höchst unangenehm auf die Sinnesorgane wirkend, ekelerregend
Beispiele:
Ratten, Quallen, Spinnen sind (ihm) widerlich
ein widerlicher Beigeschmack, Geruch
das schmeckt (ja) widerlich!
die durchschwitzten Sachen waren widerlich feucht
es war widerlich schwül
ich spürte einen fremden Atem, warm und widerlich roch er nach Tabak und Zwiebeln [BöllZug155]
2.
höchst unangenehm auf das Empfinden wirkend
a)
das ästhetische Empfinden verletzend
Beispiele:
diese dicke, schmutzige Person ist mir widerlich
eine widerliche Fratze, Farbe
umgangssprachlich ein widerliches Geklimper
b)
(moralisch) verabscheuenswürdig, höchst unsympathisch
Beispiele:
sein Verhalten, Benehmen, seine Handlungsweise ist mir (im höchsten Grade) widerlich
dieser aufdringliche Mensch ist mir einfach widerlich
ein widerlicher Heuchler, Charakter
so ein widerlicher Kerl, Angeber, Kriecher!
umgangssprachlich, abwertend so ein widerlicher Patron!
ein widerliches Getue
Mir sind Geldsachen zwischen Verwandten widerlich [MoloEin Deutscher158]
c)
kaum ertragbar
Beispiele:
es war eine widerliche Situation
unter den widerlichsten Umständen etw. tun müssen
es ist widerlich, dass ich nicht tun kann, was ich will
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wider · wieder · zuwider · widerlich · widern · erwidern · widrig · Widerhall · widerlegen · widerrufen · widerspenstig · widersprechen · Widerspruch · widerstehen · Widerstand · widerwärtig · Widerwille · widerwillig
wider Präp. ‘gegen, entgegen’. wieder Adv. ‘zurück, abermals, erneut’, mit konjunktionalem Charakter ‘umgekehrt, hingegen, anderer-, seiner-, ihrerseits’ Die seit dem 17./18. Jh. durch gelehrte Regelung orthographisch geschiedenen Wörter haben eine gemeinsame Herkunft. Ahd. widar Präp. ‘(ent)gegen, wider’ (8. Jh.), widar(i) Adv. ‘entgegen, zuwider, zurück, wiederum, abermals’ (um 800), mhd. wider (md. auch widder, weder) Präp. ‘gegen, wider’, wider(e) Adv. ‘(ent)gegen, zuwider, zurück, abermals’, asächs. wiðar Präp. ‘gegen, wider’, Adv. ‘zurück’, mnd. wed(d)er Präp. ‘gegen, wider’, wedder Adv. ‘zurück, abermals, wiederum, entgegen’, mnl. nl. weder, weer Präp. ‘wider, gegen’, Adv. (mnl. auch wēdere) ‘zurück, wieder, gegen’, afries. wither, aengl. wiþer Präp. Adv. ‘gegen’, anord. viðr Präp. ‘bei, gegen, wider’, got. wiþra Präp. ‘gegen, gegenüber’ (germ. *wiþra-) sind wie aind. vitarám ‘weiter, ferner’, awest. vītarəm ‘seitwärts’, vītara- ‘der seitlichere’ Bildungen mit dem Suffix ie. -tero-, setzen also ie. *u̯itero- voraus. Dessen Grundlage ie. *u̯ī̌- ‘auseinander’ findet sich in aind. ‘auseinander, abgetrennt, weg, fort’, awest. vī-, vi-, vy- ‘auseinander, abseits, entgegen’ und in den Weiterbildungen lit. vìsas ‘alle’, aslaw. vьsь, russ. ves’ (весь) ‘all, ganz’ (d. i. ‘nach allen Seiten auseinandergegangen’), lat. vitium (aus *u̯itiom) ‘Fehler, Gebrechen’. Neben den oben angeführten, germ. *wiþra- entsprechenden Bildungen stehen in einigen germ. Sprachen Kurzformen wie asächs. wið Präp., aengl. wiþ Präp., anord. við Präp., die sich in den modernen Sprachen durchgesetzt haben, vgl. engl. with Präp. ‘mit’, schwed. vid Präp. ‘bei, an, neben, auf’, zeitlich ‘gegen’, Adv. ‘etwa, ungefähr’. Die Bedeutungsentwicklung geht aus von räumlich verstandenem ‘auseinander, (ent)gegen’. Die Präposition steht daher für ‘gegen’ (räumlich, dann besonders im Sinne des feindlichen Entgegenwirkens, des Widerstandes) und für ‘im Gegensatz, im Widerspruch zu’; das Adverb steht für ‘zurück’ (d. h. ‘der eingeschlagenen Richtung entgegen’), woraus im zeitlichen Sinne ‘abermals, wiederum’. Alle Verwendungsweisen sind bereits im Ahd. entwickelt. In der Art einer adversativen Konjunktion ‘umgekehrt, hingegen, andrerseits’ (bereits bei Notker) wird wi(e)der besonders in neuerer Zeit gebräuchlich (er war freundlich, dann wieder unausstehlich). Adverbieller Gebrauch im Sinne von ‘(ent)gegen’ (der Wind war jnen wider, Luther) ist erhalten in der Erweiterung zuwider Adv. Präp. ‘entgegengesetzt, feindlich, widerwärtig’ (16. Jh.) und in zahlreichen Verbalkomposita (s. unten). widerlich Adj. ‘ungünstig, schlecht, unangenehm, abstoßend’ (17. Jh.), älter ‘gegnerisch, feindlich’ (16. Jh.). widern Vb. ‘zuwider, unangenehm sein, anwidern’ (17. Jh.), älter ‘zuwider-, entgegenhandeln, ablehnen, unterbinden, sich weigern, widerstreben’, ahd. widarōn, widaren ‘zurückweisen, ablehnen, zu verhindern suchen, sich weigern’ (8. Jh.), mhd. wider(e)n ‘zuwider machen, verleiden, sich widersetzen, rückgängig machen, zurückweisen, verschmähen, vergelten’. erwidern Vb. ‘entgegnen, antworten, reagieren’, mhd. erwideren ‘entgegnen, antworten, ersetzen’, ahd. irwidarōn ‘zurückweisen, verwerfen, mißbilligen’ (9. Jh.). widrig Adj. ‘ungünstig, unangenehm, Widerwillen erregend’, spätmhd. widerig. Widerhall m. ‘reflektierter Schall, Echo’, spätmhd. widerhal. widerlegen Vb. ‘nachweisen, daß etw. nicht zutrifft, etw. als falsch erweisen’ (16. Jh.), mhd. widerlegen ‘erstatten, ersetzen, wiedergutmachen, vergelten, umbiegen, umlegen, Widerstand leisten’. widerrufen Vb. ‘eine Aussage zurücknehmen’, mhd. widerruofen, -rüefen ‘ab-, zurückrufen, zurücknehmen, absetzen, widerlegen’. widerspenstig Adj. ‘widersetzlich störrisch’ (Ende 15. Jh.), nach voraufgehendem mhd. widerspene, widerspān, -spæne; vgl. mhd. span und widerspān ‘Streitigkeit, Zerwürfnis’, eigentlich ‘(gegenseitige) Spannung’, zu der unter ↗spannen (s. d.) dargestellten Wortgruppe. widersprechen Vb. ‘das Gegenteil vertreten, sich gegen etw. äußern’, ahd. widarsprehhan (10. Jh.), mhd. widersprechen ‘sich mit Worten gegen etw. wenden’; seit dem 17. Jh. auch ‘im Gegensatz stehen, nicht übereinstimmen, sich entgegenstehen’. Widerspruch m. ‘Einwand, Protest, (logische) Unvereinbarkeit’ (15. Jh.). widerstehen Vb. ‘Widerstand leisten, einer Neigung nicht nachgeben, zuwider, unangenehm sein’, ahd. widarstān, -stēn (8. Jh.), -stantan (9. Jh.), mhd. widerstān, -stēn. Widerstand m. ‘Gegenwehr, Weigerung, Behinderung’, mhd. widerstant; im Plural ‘Hemmungen, Hindernisse’ (18. Jh.); Widerstand leisten (18. Jh.), passiver Widerstand (Mitte 19. Jh.), nach engl. passive resistance. widerwärtig Adj. ‘abstoßend, unangenehm, ungünstig’, ahd. widarwertīg, -wartīg ‘feindlich, feindselig, entgegengesetzt, ungünstig’ (um 900), mhd. widerwertic, -wartic ‘entgegenstrebend, -gesetzt, widersetzlich, feindlich, unangenehm, zuwider’; zur Herkunft des Grundworts s. ↗-wärts. Widerwille m. ‘Widerstreben, Abneigung’, mhd. widerwille ‘Zwist, Auflehnung, Unannehmlichkeit, Ungemach’. widerwillig Adj. ‘ungern, widerstrebend’, frühnhd. auch ‘sich auflehnend, feindlich entzweit’ (15. Jh.); vgl. mhd. widerwillicheit.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) zuwider · ↗abscheulich · ↗entsetzlich · ↗furchtbar · ↗fürchterlich · ↗grässlich · ↗schauderhaft · ↗scheußlich · ↗schrecklich · widerlich  ●  ↗abominabel  geh., bildungssprachlich, selten · ↗formidabel  geh., veraltet, bildungssprachlich
Assoziationen
Synonymgruppe
Brechreiz auslösend · ↗Ekel erregend · ↗abscheulich · ↗abstoßend · ↗ekelerregend · ↗ekelhaft · ↗ekelig · ↗eklig · ↗unangenehm · ↗widerwärtig  ●  ↗unappetitlich  auch figurativ · ↗ungustiös  österr. · widerlich  Hauptform · ↗degoutant  geh.
Assoziationen
Antonyme

Typische Verbindungen
computergeneriert

Antisemit Fratze Geruch Geschmacklosigkeit Gestank Grinsen Hetze Kerl Machwerk Sex-Gangster Type Untermenschentum abstoßend beschämend bösartig ekelhaft eklig entsetzlich gemein geschmacklos menschenverachtend niederträchtig obszön ordinär pervers riechend schmeckend stinken stinkend verlogen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›widerlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wahrscheinlich bildet sie es sich nur ein, aber der Mann lächelt, während er das anbietet, auf widerliche Art.
Krausser, Helmut: Eros, Köln: DuMont 2006, S. 272
Jetzt sollen mikrobiologische Tests die Ursache des widerlichen Geschmackes klären.
Der Tagesspiegel, 20.04.2001
Wenn dem schrecklichen Dichter die nächste Stunde schlägt, durchzieht ein widerlicher Lärm das ganze Haus.
Süddeutsche Zeitung, 31.08.2000
Am Ende des Aktes erscheint sie vor dem widerlichen Alten, der sie verführt hat, als Vision.
Witkowski, Georg: Von Menschen und Büchern, Erinnerungen 1863-1933. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1938], S. 5054
Die Arbeit ging nicht über meine Kräfte, aber sie war durch den Staub, der damit verbunden war, sehr widerlich.
Bischoff, Charitas: Bilder aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 21571
Zitationshilfe
„widerlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/widerlich>, abgerufen am 23.07.2019.

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