werten

GrammatikVerb · wertete, hat gewertet
Aussprache
Worttrennungwer-ten
Wortbildung mit ›werten‹ als Erstglied: ↗Wertung  ·  mit ›werten‹ als Letztglied: ↗abwerten · ↗aufwerten · ↗auswerten · ↗umwerten · ↗Überwertung · ↗überwerten
eWDG, 1977

Bedeutung

eine Sache wertenden ideellen Wert einer Sache bestimmen, einer Sache prüfend, abwägend einen bestimmten Wert beimessen, eine Sache ihrem ideellen Wert nach beurteilen
Beispiele:
die Abhandlung ist ein Versuch, das Gesamtwerk des Dichters zu werten
das Verhalten einer Person in einer kritischen Situation werten
eine Tat positiv, hoch, gering, kritisch, moralisch werten
etw. höher werten als etw. anderes
Sport die Punktrichter haben sehr unterschiedlich gewertet (= Punkte gegeben)
Sport einen Sprung, eine Kür zu hoch, niedrig werten (= für einen Sprung, eine Kür zu viel, wenig Punkte geben)
Sie werten anders, als Ihre Eltern werten [G. Hauptm.Einsame MenschenIV]
etw., jmdn. als etw., jmdn. wertenetw., jmdn. als etw., jmdn. ansehen, betrachten, für etw., jmdn. halten
Beispiele:
etw. als gute, schlechte, besondere Leistung werten
etw. als Lob, Misserfolg, Ausdruck des Mitgefühls werten
er wurde als ein Mann gewertet, der mehr erlebt hatte als die meisten anderen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wert · Wert · werten · abwerten · bewerten · entwerten · verwerten · Werturteil · gleichwertig
wert Adj. ‘Geltung, Bedeutung habend, angesehen, geschätzt, kostbar, lieb, teuer’, ahd. werd (9. Jh.), mhd. mnd. wert, asächs. werð, mnl. waert, weert, wert, nl. waard, aengl. worþ, weorþ, wurþ, engl. worth, anord. verðr, schwed. värd, got. waírþs (germ. *werþa-) gehört offensichtlich zu der unter ↗werden (s. d.) dargestellten Dentalerweiterung ie. *u̯ert- ‘drehen, wenden’. Möglich ist unmittelbarer Anschluß an die unter ↗-wärts (s. d.) genannten Formen sowie an lat. versus ‘gegen’, air. frith- ‘gegen’, indem wert im Sinne von ‘wohin, gegen etw. gewendet, zugewandt’ verstanden wird mit Weiterentwicklung zu ‘einen Gegenwert habend’. Vgl. die ähnliche Bedeutungsentwicklung bei lat. pretium ‘Preis, Wert’. Es ist verwandt mit aind. práti ‘zu, zu … hin, gegen, wieder, auf’, griech. protí (προτί) ‘überdies, dazu, von … her, bei, an, zu … hin, gegenüber’, aslaw. protivъ, russ. prótiv (против) ‘gegen’, so daß eine Ausgangsbedeutung ‘als Äquivalent gegenüberstehend’ ansetzbar ist. wert wird bis ins 12. Jh. nur prädikativ, danach auch attributiv gebraucht. In neuerer Zeit ist es häufig Grundwort zusammengesetzter Adjektive, vgl. ehren-, hoch-, liebwert und lesens-, sehens-, wissenswert. Wert m. ‘Preis, Geltung, Wertschätzung’, ahd. werd n. (8. Jh.), mhd. wert n. m. ‘Kaufpreis, Wert(sache), Ware, Standesehre, Geltung, Ansehen, Würdigkeit, Herrlichkeit’, Substantivierung des Adjektivs. Neutrales Genus gilt vereinzelt bis ins 16. Jh.; maskuliner Gebrauch (seit dem Mhd.) entwickelt sich wohl in Anlehnung an Kauf und Preis. werten Vb. ‘den Wert festsetzen, einschätzen’, ahd. werdōn (8. Jh.), mhd. werden ‘(wert)schätzen, für wert halten, würdigen, verherrlichen’, auch vereinzelt ‘kaufen, den Wert vergüten’. abwerten Vb. ‘im Wert herabsetzen’ (18. Jh., geläufig 20. Jh.), ‘abschätzen’ (19. Jh.). bewerten Vb. ‘den Wert festlegen, benoten, einschätzen’ (2. Hälfte 19. Jh.). entwerten Vb. ‘ungültig machen’ besonders von Geld und Geldwert (1. Hälfte 19. Jh.); vgl. ahd. intwerdōn ‘starke Abneigung empfinden, verschmähen’ (10. Jh.), mhd. (vereinzelt) entwerten ‘entgelten’. verwerten Vb. ‘(einen Wert) nützlich verwenden’ (19. Jh.). Werturteil n. ‘abgegebenes Urteil über den Wert einer Sache’ (2. Hälfte 19. Jh.). gleichwertig Adj. ‘von gleichem Wert’ (15./16. Jh., dann wieder Mitte 19. Jh.). Vgl. auch Bildungen wie minderwertig, vollwertig (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(einer Sache) (etwas) abgewinnen · ↗(etwas für gut/schlecht) befinden · ↗beurteilen · ↗bewerten · ↗einschätzen · ↗ermessen · ↗evaluieren · ↗gewichten · ↗schätzen · werten · ↗würdigen  ●  (etwas) finden (an)  ugs. · ↗(gut, schlecht) finden  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Affront Analyst Anzeichen Ausdruck Aussage Beleg Beobachter Bestätigung Beweis Eingeständnis Erfolg Ergebnis Gericht Geständnis Hinweis Indiz Schritt Signal Tatsache Verstoß Versuch Votum Zeichen abwerten aufwerten auswerten dafür positiv strafmildernd Äußerung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›werten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Man wird die eine wie die andere Erfahrung werten können.
Die Welt, 11.03.2000
Die Kameras richten sich auf ihn, und er versteht es, politische Siege nicht bloß als persönliche Erfolge zu werten.
Der Tagesspiegel, 16.11.1999
Den Pädagogen anerkennt er mehrmals am Tage und wertet ihn mehrfach ab.
Werner, Reiner: Das verhaltensgestörte Kind, Berlin: Dt. Verl. d. Wiss. 1973 [1967], S. 75
Die Schrift ist als schriftstellerische Leistung, nicht als wissenschaftliche Forschung zu werten.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1939, S. 636
Zwar als Held sah ich mich immer noch nicht gewertet.
Sudermann, Hermann: Das Bilderbuch meiner Jugend. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 896
Zitationshilfe
„werten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/werten>, abgerufen am 25.04.2019.

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