weiden

GrammatikVerb · weidete, hat geweidet
Aussprache
Worttrennungwei-den (computergeneriert)
GrundformWeide2
Wortbildung mit ›weiden‹ als Letztglied: ↗abweiden · ↗ausweiden · ↗überweiden
 ·  mit ›weiden‹ als Grundform: ↗beweiden
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
das Vieh weidet (= das Vieh sucht auf der Weide Nahrung)
Beispiele:
die Pferde, Kühe, Schafe weiden (auf der Wiese, Koppel)
die Ziegen weiden lassen
weidende Herden
Es schien dem Vieh eine angenehme Abwechslung zu sein, Laub zu weiden (= Laub als Nahrung zu sich zu nehmen) [TravenBaumwollpflücker259]
2.
das Vieh weiden (= das Vieh auf die Weide führen, dort Nahrung suchen lassen und es dabei beaufsichtigen)
Beispiele:
er weidet die Herde auf den Almen, Wiesen
die Hirten weiden ihre Tiere auf den Berghängen
3.
sich an etw., jmdm. weiden (= sich an etw., jmdm. freuen, ergötzen)
Beispiele:
gehoben er weidete seinen Blick, seine Augen an ihr, an all der Pracht, den schönen Dingen
gehoben das Auge weidet sich an der schönen Stickerei, der herrlichen Landschaft
gehoben sie weidete sich an seiner Verblüffung, Überraschung, seinem erstaunten Blick
abwertend sich an etw., jmdm. weiden (= Vergnügen am Leid, Unglück eines anderen empfinden)
Beispiel:
sich an jmds. Verzweiflung, Schmerz, Qual, Unglück, Elend, Furcht, Angst, Schrecken, Ohnmacht, Verlegenheit, Verwirrung weiden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Weide2 · Weidmann · Weidwerk · Augenweide · weiden
Weide2 f. ‘grasbewachsene Fläche als Futterplatz für Herdenvieh’, ahd. weida ‘Nahrungsgewinn’ (auch vom Menschen und nicht nur in bezug auf Pflanzenkost), ‘Futter’ (9. Jh.), mhd. weid(e) ‘Futter, Speise, Nahrungserwerb, Weideplatz, Tagreise, Weg, Jagd, Fischerei’, mnd. weide ‘Weideplatz, Nahrung’, mnl. nl. weide ‘Weideplatz, Grasland’, aengl. wāþ ‘Jagd, das Umherstreifen’, anord. veiðr ‘Jagd’ lassen sich mit aind. vḗti ‘richtet sein Augenmerk auf etw., wendet sich an jmdn., trachtet nach, verfolgt’, griech. hī́esthai (ἵεσθαι, aus *ϝῑ́εσθαι) ‘sich vorwärts bewegen, sich beeilen, streben, begehren’, lat. vīs ‘du willst’, lit. výti ‘treiben, verfolgen, nachjagen’, aslaw. vojinъ, russ. vóin (воин) ‘Krieger, Soldat’ vergleichen und auf eine Wurzel ie. *u̯ei-, *u̯ei̯ə- ‘gehen, auf etw. losgehen, etw. erstreben, erjagen, verfolgen, ersehnen’ sowie ‘Weg, Reihe’ zurückführen. Als Ausgangsbedeutung kann ‘Ausgang auf Nahrungssuche’ (von Menschen und Tieren) erschlossen werden. Bereits im 11. Jh. ist die heutige Bedeutung ‘Futterplatz für Herdenvieh’ entwickelt. Weidmann m. ‘Jäger’, in älterer Sprache auch ‘Fischer’, mhd. weidemann ‘Jäger, Fischer’. Weidwerk n. ‘Jagd’, frühnhd. auch ‘Fischfang, Jagdgerät’, mhd. weidewerc ‘Jägerei, zur Jagd gebrauchte Tiere’. Augenweide f. ‘Freude für die Augen’, mhd. ougenweide ‘das Umherschweifen der Augen, Erquickung für die Augen, Anblick (jeder, auch unangenehmer Art)’, vgl. mhd. weide im Sinne von ‘Speise, Labsal’. weiden Vb. ‘auf der Weide fressen, auf die Weide führen, sich an etw. erfreuen, genießen’, ahd. weidōn ‘Futter suchen, jagen’ (9. Jh.), mhd. weiden ‘auf der Weide fressen, auf die Weide führen, ausschlachten, genießen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
abgrasen · ↗abweiden · ↗grasen · weiden
Synonymgruppe
(sich) ergötzen · (sich) weiden · ↗delektieren · ↗divertieren · ↗erfreuen
Synonymgruppe
grasen · weiden · ↗äsen
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Alm Aue Bison Büffel Fohlen Herde Hirte Kamel Koppel Kuh Lamm Milchkuh Pferd Rentier Rind Rinderherde Schaf Schafherde Vieh Wasserbüffel Wiese Yak Zebra Ziege Ziegenherde abweiden ausweiden genüßlich weiden überweiden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›weiden‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bauern ließen ihre Tiere das ganze Jahr an einer Stelle weiden, wohingegen sie früher umhergezogen waren.
Süddeutsche Zeitung, 08.09.1998
Wie üblich gingen die Tiere den halben Tag über in den Wald weiden.
Grzimek, Bernhard: Kein Platz für wilde Tiere, Köln: Lingen [1973] [1954], S. 273
So weidete ich im verstohlenen mein Herz an dem lieben Bilde.
Spitteler, Carl: Imago, Jena: Diederichs 1910 [1910], S. 20
Ich liege hier wie ein zerrissener Lappen, und das Weib kommt, sich zu weiden.
Frapan, Ilse: Arbeit. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1903], S. 5408
Er weidete sich am Anblick des durch die Luft fliegenden Sacks.
Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 231
Zitationshilfe
„weiden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/weiden>, abgerufen am 18.08.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Weidemonat
Weidelgras
Weideland
Weidegrund
Weidegerechtigkeit
Weidenbast
Weidenbaum
Weidenbohrer
Weidenbusch
Weidendickicht