wehleidig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungweh-lei-dig (computergeneriert)
Wortbildung mit ›wehleidig‹ als Erstglied: ↗Wehleidigkeit
eWDG, 1977

Bedeutung

abwertend empfindlich gegen Schmerz und ihm in übertriebener Weise Ausdruck gebend
Beispiele:
er ist sehr wehleidig
sei doch nicht so wehleidig!
ein wehleidiger Mensch
Davon war er etwas wehleidig geworden, sah immer das Schlimmste ... voraus [BrodZauberreich44]
klagend, weinerlich
Beispiel:
etw. mit wehleidiger Stimme sagen
schmerzlich, traurig
Beispiele:
einen wehleidigen Zug um den Mund haben
ein wehleidiges Gesicht machen
wehleidig lächeln
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

weh · Weh · Wehe1 · Wehklage · wehklagen · wehleidig · Wehtag
weh Interjektion Ausruf des Schmerzes, des Schreckens, ahd. (um 800; aus germ. *wai, wobei -ai im Auslaut zu -ē; dagegen lautgerecht wei- in ahd. weinōn, s. ↗weinen), mhd. mnd. , mnl. nl. wee, aengl. , engl. woe, anord. vei, schwed. ve, got. wai. Vergleichbar sind awest. vayōi, griech. , ūá, ūá͞i (ὀά, οὐά, οὐαί) Interjektion des Schmerzes, der Bewunderung, lat. vae, lit. (mundartlich) vaĩ, vái, mir. fāe ‘weh’, (mit d(h)-Suffix) fāed, fōid ‘Schrei, Ton’ und erweitert aind. uvḗ, awest. avōi, āvōya, so daß ie. *u̯ai ‘wehe’ angesetzt werden kann. Substantiviert Weh n. ‘(seelischer) Schmerz, Leid’, ahd. (9. Jh.), mhd. . In festen Verbindungen weh sein ‘(Seelen)schmerz empfinden’, ahd. (um 1000), mhd. wē sīn; weh werden ‘(seelisches) Leid zu empfinden beginnen, zugefügt bekommen’, ahd. wē werdan (9. Jh.), mhd. wē werden; weh tun ‘Schmerz zufügen, empfinden’ (zunächst von körperlichem Schmerz), ahd. (9. Jh.), mhd. wē tuon. Attributiver Gebrauch begegnet erst in jüngerer Zeit, wohl aus mundartlichen Verwendungen wie wehe Füße, literatursprachlich eine wehe Empfindung (18. Jh.). Wehe1 f. ‘Schmerz der Gebärenden bei der Geburt’, mhd. , wēhe, überwiegend im Plural Wehen, mhd. wēhen. Dazu Wehmutter ‘Hebamme’ (Luther), Wehfrau (18. Jh.). Wehklage f. ‘laute (in Worten ausgedrückte) Klage, Jammer’ (16. Jh.), wohl aus wehklagen Vb. ‘jammern’ (15. Jh.). wehleidig Adj. ‘übertrieben schmerzempfindlich, zum Klagen neigend’ (17. Jh.), obd. Mundarten entstammend. Wehtag m. ‘Schmerz, Krankheit’, eigentlich ‘Leidenszeit’, mhd. wētac, mnd. wedage.

Thesaurus

Synonymgruppe
selbstmitleidig · tränenvoll · voller Selbstmitleid · ↗weinerlich · ↗überempfindlich · ↗übersensibel  ●  wehleidig  abwertend · ↗larmoyant  geh. · nah am Wasser gebaut (haben)  ugs., fig. · ↗tränenselig  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Jammern Klage Muttersöhnchen Ton Verlierer beklagen gar jammern keineswegs klingen nie

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wehleidig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wehleidig darf man bei diesem Sport wohl wirklich nicht sein.
Süddeutsche Zeitung, 02.05.2000
In Ihrem Schreiben beweinen Sie wehleidig den Tod eines jungen Deutschen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1962]
Ich bin nicht wehleidig, aber wenn wirklich niemand für einen da ist, so ist man schon glücklich, schließlich von jemandem angehört zu werden.
Kafka, Franz: Amerika. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1914], S. 8641
Er preßte die Hände auf die Ohren bei sehr wehleidigem Gesichte.
Grimm, Hans: Volk ohne Raum, München: Langen 1932 [1926], S. 405
Er hat ein zugekniffenes böses Auge und eine wehleidige krächzende Stimme.
Alexander Granach, Da geht ein Mensch: Leck: btb Verlag 2007, S. 234
Zitationshilfe
„wehleidig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/wehleidig>, abgerufen am 25.05.2019.

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