wehen

GrammatikVerb · wehte, hat/ist geweht
Aussprache
Worttrennungwe-hen
Wortbildung mit ›wehen‹ als Letztglied: ↗anwehen · ↗aufwehen · ↗durchwehen · ↗fortwehen · ↗hereinwehen · ↗herüberwehen · ↗hineinwehen · ↗hinüberwehen · ↗umwehen · ↗wegwehen · ↗zusammenwehen · ↗überwehen
 ·  mit ›wehen‹ als Grundform: ↗verwehen
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›hat‹
der Wind wehtdie Luft ist in starker Bewegung
Beispiele:
der Wind weht rau, kalt, eisig
ein leichter Ostwind wehte
an der Küste weht immer ein frischer Wind
es weht ein scharfer Wind
das Wehen des Windes
es wehte eine steife Brise, ein laues Lüftchen
kein Lüftchen wehte
draußen weht es heute lebhaft, tüchtig (= ist es heute sehr windig)
der Wind weht landeinwärts, aus Nordosten
es weht kühl von den Bergen, vom Meer her
umgangssprachlich, bildlich
Beispiele:
sich [Dativ] frischen Wind um die Nase wehen lassen (= sich in der Welt, im Leben umsehen, Erfahrungen sammeln)
hier weht ein neuer, frischer Wind (= hier ist neuer Schwung, ein frischer, neuer Geist zu spüren)
er weiß genau, woher der Wind weht (= er weiß genau, wie die Lage zu beurteilen ist)
daher weht also der Wind! (= so ist das also!)
2.
mit Hilfsverb ›hat‹
der Wind weht etw. irgendwohinder Wind befördert etw. irgendwohin, bewegt etw. in eine bestimmte Richtung
Beispiele:
der Wind weht den Schnee von den Dächern, hat alles Laub auf einen Haufen geweht, das letzte Blatt vom Baum geweht
ein Luftzug wehte die losen Blätter vom Schreibtisch, auf den Fußboden
mit Hilfsverb ›ist‹
von der Luft, dem Wind irgendwohin getragen werden
Beispiel:
Einzelne sehr große Schneeflocken wehten auf die Schienen [NossackNovember62]
gehoben, bildlich
Beispiele:
Rosenduft wehte vom Garten ins Zimmer
ein Ruf wehte über das Wasser zu uns
3.
mit Hilfsverb ›hat‹
sich im Winde bewegen, flattern
Beispiele:
Fahnen wehten (im Wind)
ihr Haar wehte im Wind
ein Tuch wehen lassen
mit wehendem Schleier, mit wehenden Rockschößen, Röcken davoneilen
aus den Fenstern wehten weiße Vorhänge [G. KellerGr. Heinrich4,182]
mochten auch ihre Gestalt und ihr wehendes Spitzentüchlein ihn bisher treulich begleitet haben [BrochPasenow123]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

wehen · Wehe2
wehen Vb. ‘(von der Luft) in Bewegung sein, von Luft, vom Wind bewegt werden’, ahd. wāen, wāhen (8. Jh.), mhd. wæjen, wægen, wæn, weien ‘windig sein, wehen machen’, mnd. weien, weigen, mnl. waeyen, nl. waaien, afries. wāia. Neben diesen zur schwachen Flexion übergegangenen Verben zeigen noch starke (reduplizierende) Formen aengl. wāwan und got. waiwan (germ. *wējan). Verwandt ist aind. vā́ti ‘weht, bläst’, griech. aḗnai (ἀῆναι) ‘blasen, wehen’ (vom Wind), aslaw. vějati, russ. véjat’ (веять) ‘wehen, fächeln, Getreide worfeln’. Zugrunde liegt (wie auch für ↗wallen, ↗Wedel, ↗Wetter und ↗Wind, s. d.) die Wurzel ie. *u̯ē- ‘wehen, blasen, hauchen’. Formen mit zwischen Wurzelsilbe und Endung eingeschobenem h sind seit dem 8. Jh. belegt; Umlaut tritt in mhd. Zeit (zuerst im Md. und Bair.-Öst.) auf, doch im Nhd. geht ǟ nach nordd. und (teilweise) md. Aussprache in ē über (wehen durch Luther verbreitet). Wehe2 f. ‘vom Wind zusammengewehter Schnee’ (18. Jh.), meist im Kompositum Schneewehe (19. Jh.), Schneewehung (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
flattern · wehen
Assoziationen
Synonymgruppe
blasen (kräftiger Wind) · ↗fahren · ↗jagen · ↗pfeifen · ↗treiben  ●  (irgendwohin/irgendwoher) wehen (starker Wind)  Hauptform · ↗fegen  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Banner Bergland Brise Böe Duft Fahne Flagge Geist Gesicht Halbmast Hauch Luft Nase Richtung Trikolore Westwind Wind Zeitgeist anwehen böig durchwehen entgegenwehen frisch heranwehen hereinwehen herwehen herüberwehen mäßig schwach wegwehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wehen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der weht aber so frisch daher, wie man es sich nur wünschen kann.
Süddeutsche Zeitung, 30.10.2003
Die Haare wehen im Wind, die Bäume verbiegen sich, bis in den Nachmittag hinein bläst ein heftiger Sturm über der Stadt.
Der Tagesspiegel, 04.05.2003
Wir wurden gründlicher naß, als je zuvor; dazu wehte ein schneidend kalter Wind.
Ostwald, Wilhelm: Lebenslinien. Eine Selbstbiographie, 3 Teile. In: Simons, Oliver (Hg.), Deutsche Autobiographien 1690 - 1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1927], S. 39464
Ein schlafloser Toter weht durch die Welt - Gott gebe ihm ewige Ruhe!
Tucholsky, Kurt: Der schlaflose Tote. In: Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1925]
Die goldroten Haare meiner geliebten Schwester wehten im Sturme, mein Vater schritt schweigend dahin.
Altenberg, Peter: Märchen des Lebens. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1908], S. 6314
Zitationshilfe
„wehen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/wehen>, abgerufen am 14.10.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Wehelaut
wehe
weh
Wegzugsbesteuerung
Wegzug
wehenartig
wehenfördernd
wehenhemmend
Wehenmittel
Wehentropf