voll /Adj./
1. ganz gefüllt, Ggs. leer
a) ein v. Glas, Becken, Schrankfach, Bücherregal; ein v. Teller, Topf; eine v. Tüte, Flasche; ein v. (reich gedeckter) Tisch ein v. Bus, Saal; diese Inszenierung brachte dem Theater immer ein v. Haus; er spricht mit v. Munde; einen v. Magen haben; umg. er hat beide Arme, die Hände v. (trägt etw. mit beiden Armen, in den Händen) ich habe gerade den Mund v.; d. Schüssel, Kiste ist (ganz, nur halb) v.; d. Krug, Eimer ist (bis zum Rand, nicht mehr ganz) v.; der Saal war gedrängt, brechend, zum Brechen, Bersten, umg. zum Platzen, gepfropft, salopp knackend, gerappelt, gerammelt v.; umg. es war (in der Versammlung) so v., daß kein Apfel zu Boden fallen konnte; im Konzert war es sehr v.; umg. das Wartezimmer saß ziemlich v.; salopp deine Hände sind ganz v. (schmutzig) ich bin jetzt wirklich v. (satt) er ist v. (stark betrunken) /wird bei Maßangaben unflektiert dem zugehörigen Subst. nachgestellt, wenn das, womit etw. gefüllt ist, vorher bereits erwähnt wurde/ die Suppe schmeckte ihm, und er aß zwei Teller v.; sie sammelten Pilze und brachten einen Korb v. nach hause; Kohlen wurden angefahren, es waren drei Wagenladungen v.; /bildl./ geh. ein v. (reiches) Leben führen daß … meine sechsundfünfzig Jahre gute, volle, reiche Jahre gewesen seien Feuchtw. Teufel 120 das Maß ist v. es ist genug, zuviel: sein Maß, das Maß seiner Unverschämtheiten ist jetzt v.; diese Tat hat das Maß v. gemacht; umg. er hat v. Taschen, einen v. Geldbeutel (viel Geld) /übertr./ ein v. Herz haben; mit v. Händen (großzügig, reichlich) geben, schenken umg. sein Geld mit v. Händen zum Fenster hinauswerfen; jmd. hat den Kopf v. (hat Sorgen) salopp ich habe die Nase, den Kanal v. (habe es satt) umg. den Mund, salopp derb das Maul, die Schnauze v. nehmen (prahlen, übertreiben) salopp den Hals nicht v. genug kriegen (nicht genug bekommen) jmdm. die Jacke, den Buckel, Hintern v. hauen (jmdn. gehörig verprügeln) die Jacke, den Hintern, Hosenboden v. kriegen (gehörig verprügelt werden) jmdm. die Jacke v. lügen (jmdn. sehr belügen) umg. er hat alle, beide Hände v. (sehr viel) zu tun salopp er hat die Hose(n) (gestrichen) v. (hat große Angst)
b) /in Verbindung mit einer Ergänzung, die angibt, womit etw. gefüllt ist; wird bei attr. Verwendung unflektiert dem zugehörigen Subst. nachgestellt/
α) /die Ergänzung ist ein artikelloses unflektiertes Subst.; in diesem Falle wird neben v. auch voller gebraucht / ein Glas v. Wein; ein Teller v. Suppe; ein Korb v., voller Eier; ein Zimmer v., voller Menschen; ein Gesicht v., voller Sommersprossen; er hat den Arm voller Bücher; sie hatte die Augen v. Tränen; sie stopften sich /Dat./ den Mund v. Schokolade; der Saal war v., voller Menschen; du bist ganz v., voller Schmutz; die Arbeit war v., voller Fehler; der Baum hängt voller Früchte; die Straßen lagen v., voller Schnee; /bildl./ umg. er hat einen Sack, Kasten, eine Kiste v. Geld (sehr viel Geld) /übertr./ ein Herz v., voller Liebe; ein Leben voller Arbeit, Erfolge, Kummer; umg. er hat den Kopf v., voller Sorgen, Flausen, Probleme; sie sah ihn v., voller Schmerz, Angst, Freude an; das Kind lernt voller Eifer, berichtete sein Erlebnis voller Stolz; er ist v., voller Güte, Tatkraft, Mut; umg. sein Kopf steckt voller Dummheiten
β) /die Ergänzung steht im Gen., selten im Dat. oder wird durch von, mit angeschlossen; bei einer Ergänzung im Gen. wird neben v. gelegentlich voller gebraucht/ eine Schale v. reifer Äpfel; ein Korb v. frischer Eier, v. von, mit (frischen) Eiern; geh. ein Glas v. des besten Weines; eine Tafel v. der leckersten Speisen; Frau Schurek setzte ihm … einen Teller voll Leberwurstbroten vor Schnurre Rechnung 15; eine Kiste v. von, mit Spielsachen; der Saal war v. aufgeregter Menschen, v. von Menschen; der Text war v. sinnentstellender Fehler, v. von groben Fehlern; Die Straße war voller halbversteckter heimlichtuender Kellerkneipen U. Becher Männer 148; [der Leiterwagen] ist voller Verwundeter Remarque Im Westen 239; /übertr./ sein Herz ist v. aufrichtiger Liebe, tiefsten Hasses, tiefstem Haß; er ist v. von Liebe, Dankbarkeit; sie war des Lobes v., v. des Lobes über deine Leistungen; umg. die ganze Stadt ist v. von dieser Neuigkeit; sie hat den Kopf mit ihren eigenen Sorgen, Angelegenheiten v.
2. füllig, rundlich: ein v. Gesicht; v. Lippen, Arme, Schultern, Formen; Am meisten lieb ich mir die vollen, frischen Wangen Goethe Faust, Prolog320; sie hat einen v. Mund, Busen; er war ziemlich v. (im Gesicht); sie ist voller geworden; das alte dunkelblaue Strickkleid … das sie voller machte A. Neumann Es waren ihrer sechs 18 v. (dichtes) Haar Nelken, Rosen, Flieder mit v. (gefüllten, an Blumenblättern reichen) Blüten /übertr./ der v. (abgerundete) Geschmack des Kaffees, Tabaks v. (kräftige, schwellende) Töne, Akkorde mit v. (kräftiger, sonorer) Stimme singen, sprechen Sein [des Wasserfalls] Brausen klang voll und schwelgerisch G. Hauptm. 4,124 (Ketzer)
3. vollständig, ganz, unvermindert: die v. Menge, Zahl, Summe; ein v. Dutzend, Tausend; ein v. Tag, Monat; sie war zwei v. Wochen abwesend; die Arbeit nahm ein v. Jahr in Anspruch; umg. der Angestellte hat seine Jahre v. (hat das Rentenalter erreicht) er mußte eine v. Stunde warten; die Uhr schlägt nur die v. Stunden, zur v. Stunde; landsch. umg. die Uhr, es schlägt v.; der Zeiger steht auf (fünf Minuten vor, Viertel nach) v.; ein v. Kilo; die Zahl der Mitarbeiter ist nun wieder v.; den v. Lohn ausgezahlt bekommen; für einen Schaden v. Ersatz leisten; den v. Preis zahlen; in v. Verpflegung sein; er erhob sich zu seiner v. Größe; durch die Brille wurde die v. Sehschärfe wiederhergestellt; er erschien in v. Uniform, in v. Ornat; er unterschrieb mit v. Namenszug, setzte seinen v. Namen unter das Schriftstück; die Rede wurde im v. Wortlaut veröffentlicht; er atmete die Frühlingsluft in, mit v. Zügen ein; das Dorf lag in v. Sonnenlicht; es war schon v. Tag; die Bäume stehen in v. Blüte; morgen ist der Mond v.; in v. Lauf herbeikommen; er bremste in v. Fahrt; d. Maschine, Motor arbeitet, läuft auf v. Touren, mit v. Kraft; Seemannsspr. v. Kraft voraus, zurück! /Kommandos/ ; wir arbeiten mit v. Kraft; die Arbeit, Ernte ist in v. Gange; einen v. Sieg davontragen; für etw. die v. Verantwortung tragen; er handelte in v. Kenntnis der Sachlage; er hat jetzt v. Gewißheit, Sicherheit; jmdm. (nicht) die v. Wahrheit sagen; ich sage das in vollstem Ernst; sie hatte für ihn vollstes Verständnis; dieser Plan findet unsere v. Billigung, Zustimmung; das war ein v. Erfolg; sie verstand nicht die v. Bedeutung seiner Worte; Klugheit, Mut im v., vollsten Sinne des Wortes beweisen; Kegeln ein Wurf in die vollen (Wurf auf den vollständigen Satz von neun Kegeln, nach dem die umgefallenen Kegel gezählt und vor dem nächsten Wurf wieder aufgestellt werden) /in übertr. Wendungen/ umg. das Leben, diesen Abend in v. Zügen (ganz) genießen, auskosten mit v. Segeln (mit aller Kraft) auf ein Ziel zusteuern salopp aus v. Hals, aus v. Kehle, Lunge (ganz laut) lachen, singen, schreien umg. jmdn., etw. nicht für v. nehmen, ansehen (jmdn., etw. nicht ernst nehmen, gelten lassen) in die vollen gehen (verschwenderisch mit Geld, Kraft, Energie umgehen) sie kann aus dem vollen schöpfen, wirtschaften, leben (hat alles so reichlich zur Verfügung, daß sie großzügig wirtschaften, leben kann) /Adv./ ganz, völlig, vollkommen: er bekam das Geld v. ausgezahlt; das Kind muß jetzt in der Eisenbahn v. bezahlen; sie arbeitet nicht mehr v. (arbeitet nur noch verkürzt) eine Maschine, Anlage v. auslasten; ich vertraue ihm, billige seine Handlungsweise v. und ganz; sie steht für ihre Behauptung v. (und ganz) ein, ist für ihre Tat v. verantwortlich; Voll drang die milde … Abendluft in seine Lungen Fallada Wolf 2,67; geh. sie ist v. aufgeblüht

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