tun, tat, hat getan
1. umg. eine bestimmte Arbeit leisten: ich will heute noch etw. t.; störe mich nicht, ich habe (viel) zu t.; dort gibt es noch manches zu t.; ich habe bei dem Umzug getan, was in meinen Kräften stand, was ich konnte; ich habe heute wenig, alle Hände voll (sehr viel) zu t. diese Arbeit war schnell getan; so, das, diese Arbeit wäre getan!; seinen Dienst t.; er wollte einmal nichts t. (müßig sein, faulenzen)
2. eine bestimmte Tätigkeit ausüben, etw. unternehmen, anstellen: er will von sich aus etw. t.; ich weiß nicht, was ich in einem solchen Falle t. soll; da kann man nichts dagegen t.; ich werde das nie wieder t.; umg. er tut nichts als schlafen, schimpfen; man tut, was man kann; tu, was du nicht lassen kannst; ich will sehen, was sich t. läßt; so etw. ist leichter gesagt als getan; (wie) gesagt, (so) getan (kaum war die Absicht ausgesprochen, wurde sie auch schon ausgeführt) /ersetzt in Verbindung mit das, es das gesamte vorausgehende verbale Geschehen / er sagte, er wolle im nächsten Sommer an die See fahren, dort schwimmen, sich sonnen, spazierengehen, und fragte mich, ob ich das auch t. wolle; wenn die Kinder unbedingt laufen, springen und auf die Bäume klettern wollen, dann sollen sie es doch t.; all sein Tun und Lassen, Tun und Treiben, Tun und Trachten war auf das eine Ziel gerichtet; etw. für jmdn., etw. t. sich für jmdn., etw. verwenden, einsetzen: was kann ich für Sie t.?; sie hat alles für ihren Sohn, für die Vollendung des Werkes getan; würden Sie das für mich t.?;
3. umg. etw. irgendwohin t. etw. an einen bestimmten Ort bringen: alles an seinen Platz t.; wohin hast du die Schere getan?; tu das in den Schrank!; wir müssen die Möbel inzwischen auf den Boden t.; das Holz in den Sack, den Abfall in den Eimer t.; ich will noch etw. Salz an das Essen t. (es salzen) jmdn. irgendwohin t. jmdn. irgendwo unterbringen: wir werden unsere Kleine jetzt in den Kindergarten, zur Großmutter t.; daß er die beiden im zarten Alter … aus dem Haus tat Musil Mann 687; /übertr./ Ich war froh, als ich wußte, wohin ich den Kellner tun mußte (als ich wußte, wer er war) Böll Wort 119
4. jmdm., sich /Dat./ etw. t.
a) jmdm. etw. Böses zufügen: ich tue dir nichts; was hat man dir denn getan?; jmdm. Böses, ein Leid, großes Unrecht t.; jmdm. etw. zuleide t.; ich habe dir unrecht getan; umg. er sieht aus, als könnte er keiner Fliege etw. t. (als könnte er niemandem ein Leid zufügen) sich /Dat./ bei etw. Schaden t.; sich /Dat./ ein Leid t. (Selbstmord begehen)
b) jmdm. Gutes t. eine gute Tat vollbringen, jmdm. etw. Gutes zuteil werden lassen: sie wollte mir nur Gutes t.; umg. tu mir die Liebe und rauche nicht mehr!; jmdm. etw. zuliebe t.; sie hatte in ihrem Leben viel Gutes getan
5. umg. etw. tut sich etw. geschieht, passiert, ereignet sich: ich will doch sehen, ob sich dort etw. tut, was sich dort t. wird; es tut sich nichts, hat sich in letzter Zeit allerhand getan;
6. abwertend jmd. tut freundlich jmd. stellt sich, zeigt sich freundlich: wenn ich sie sehe, tut sie immer sehr freundlich, verständnisvoll, geheimnisvoll, wichtig; tu nicht so stolz, beleidigt, spröde, empfindlich!; umg. nicht dergleichen t. (nicht reagieren) salopp jmd. tut dumm (fühlt sich beleidigt) jmd. tut (so), als ob, veraltend als wenn …: er tut (so), als ob er schläft, als ob er nach Hause geht; salopp du tust (so), als ob du nicht bis drei zählen könntest; tu bitte ganz (so), als ob du hier zu Hause wärest!; er tat (so), als wäre er einverstanden; veraltend sie tat (so), als wenn sie krank wäre, als wenn das nie gewesen wäre; wir t. (so), als seien, wären wir nicht zu Hause; er tut, als wäre er im Recht, als kenne er uns nicht; umg. jmd. tut nur so jmd. verstellt sich nur: er ist nicht böse mit dir, er tut nur so; tu (doch) nicht so!;
7. umg. mit jmdm., etw. nichts zu t. haben in keiner Beziehung zu jmdm., etw. stehen: mit dieser Frau, Sache habe ich nichts mehr zu t., will ich nichts mehr zu t. haben; das hat damit nichts zu t.; Mit Messungen hat dieser Satz gar nichts zu tun Planck Weltbild 41; dieses Kapitel hatte nichts mit dem Thema zu t.; was habe ich damit zu t.?;
8. /dient in abgeblaßter Bedeutung mit einem Nomen häufig zur Umschreibung eines Verbalbegriffes/ einen Luftsprung t. (in die Höhe springen) einen Satz t. (vorwärtsspringen) einen Fuß-, Kniefall t. (auf die Knie fallen) geh. einen schweren Fall t. (schwer hinfallen) einen Sturz t. (hinstürzen) geh. verhüll. die letzten Atemzüge, seinen letzten Seufzer t. (sterben) Ich denke einen langen Schlaf zu tun Schiller Wallenst. Tod V 5 keinen Handschlag t. (nicht die geringste Arbeit leisten) einen Schluck t. (trinken) umg. einen Schnarcher t. (schnarchen) keinen Mucks t. (nichts sagen) e. Äußerung, Ausspruch t. (etw. äußern) einen Schrei t. (schreien) geh. ein Gelübde t. (etw. geloben) Abbitte t. (um Vergebung bitten) einen Blick hinter die Kulissen t. (Dinge sehen, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind) jmdm. einen Gefallen t. (jmdm. uneigennützig helfen) jmdm. Bescheid t. (jmds. Zutrunk erwidern) jmdm. seinen Willen t. (jmdm. nachgeben) einen Fehl-, Mißgriff t. (eine falsche Maßnahme ergreifen) umg. mit jmdm., etw. einen guten, glücklichen Griff t. (eine gute Wahl treffen, gut wählen) den ersten Schritt zu, bei etw. t. (mit etw. anfangen) einen Fang t. (etw. fangen) etw. tut einer Sache wenig, geringen Abbruch (schadet ihr kaum) scherzh. das tut der Liebe keinen Abbruch (schadet nichts) papierdt. einer Sache Einhalt t. (etw. Schädliches, Störendes abstellen, beseitigen) geh. jmdm., einer Sache Genüge t. (jmds. Wünsche befriedigen, etw. einhalten) österr. /im übrigen Sprachgebiet veralt./ einer Sache, jmds. Erwähnung t. (etw., jmdn. erwähnen) etw. tut jmdm. gute Dienste (nützt jmdm. sehr) etw. tut seine Wirkung etw. wirkt: das Mittel tat bald seine Wirkung; diese Kritik hat ihre Wirkung getan; diese Tabletten t. Wunder (wirken wunderbar) umg. etw. tut not (ist vonnöten) etw. tut jmdm. leid (jmd. bedauert etw.) etw. tut jmdm. weh (etw. schmerzt jmdn.) altertümelnd spött. jmdm. etw. kund und zu wissen t. (jmdm. etw. bekanntgeben, mitteilen) umg. sich /Dat./ etwas auf etw. zugute t. stolz auf etw. sein: Frau Färber tat sich auf ihre Menschenkenntnis etwas zugute M. Walser Ehen 20
9. /in besonderen Redewendungen/
a) umg. /in Wendungen mit es als Obj. oder Subj. / es mit jmdm. zu t. kriegen (mit jmdm. Schwierigkeiten bekommen) es mit der Angst zu t. kriegen (Angst bekommen) es mit dem Herzen, der Galle zu t. haben (Beschwerden am Herzen, an der Galle haben) etw. tut's auch etw. genügt auch, etw. kann man auch verwenden: Margarine tut's auch; Falls kein Fischbesteck im Hause ist, tun es zwei Gabeln auch Schweikkert Knigge 44 was tut es, das schon (welche Folgen soll das schon haben)? das allein tut's nicht (hat noch keine Folgen) was tut's (was schadet das)? damit ist es nicht getan (das genügt noch nicht) jmdm. ist es nur um etw. zu t. jmd. möchte etw. erlangen, erreichen: ihm ist es nur um seinen Vorteil, um das Geld zu t.; mir ist es nur um die Sache zu t. (mich interessiert nur die Sache)
b) gut daran t. sich richtig verhalten: er würde gut daran t., sich nicht einzumischen, nicht zu antworten, bald zu schreiben; umg. sich an etw. gütlich t. sich reichlich von etw. nehmen: er hat sich daran, am Obst gütlich getan; umg. scherzh. vier Bier und sechs Schnäpse, darunter tut er's nicht (so viel trinkt er mindestens)
10. umg. /betonter Inf. am Satzanfang + t. im Präs. oder Prät. + Subj. hebt die im Inf. ausgedrückte Tätigkeit hervor / rechnen tut er gut (er rechnet gut) kochen tat sie nie; mit zupacken tat er nicht; kaufen tue ich das nicht; schimpfen tat er, tat der Vater; gesehen habe ich sie schon, aber kennen tue ich sie nicht; Wissen tun wir alle nichts Tralow Kepler 246

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