leben /Vb./
1. sein Leben in einer bestimmten Art führen, verbringen: gut, anständig, menschenwürdig, bequem, ruhig, sorgenfrei, zufrieden, froh und glücklich l.; einfach, sparsam, kümmerlich, schlecht, elend l.; vernünftig, gesund, mäßig, enthaltsam, diät, vegetarisch l.; Intensiv leben kann man nur auf Kosten des Ichs Hesse 4,237 (Steppenw., Tract.); unbeschwert, umg. flott, üppig, ausschweifend, frei und ungebunden l.; nebeneinander, gesellig, sozialistisch, zurückgezogen, illegal l.; die Ehegatten lebten (voneinander) getrennt; zu l. verstehen, wissen; hier lebt es sich prächtig; Es möchte kein Hund so länger leben! Goethe Faust I 376 er hat gelebt (sein Leben genossen) hier läßt es sich l.; l. und l. lassen (ein Leben führen, wie es einem zusagt, und dasselbe auch anderen zugestehen) jmdm. (zum Abschied) Lebe wohl! sagen; l. heißt kämpfen; wie wir heute arbeiten, so werden wir morgen l.; /sprichw./ lustig gelebt und selig gestorben, heißt dem Teufel die Rechnung verdorben; auf Vorschuß l. umg. auf großem Fuß l.; aus dem Gefühl, Verstand heraus (gefühls-, verstandesmäßig) l.; solange ein Land derart reich ist, kann man aus dem Vollen leben (braucht man sich nicht einzuschränken) Molo Ein Deutscher 234; in Freiheit, Ehren l. im Wohlstand, Überfluß l.; herrlich und in Freuden l.; aber das geht nicht so weiter, daß du in diesem Wahne lebst R. Bartsch Geliebt 318; in dem Glauben l., daß …; in guten, geordneten Verhältnissen l.; die Menschen hier … lebten in einer festen Ordnung Hesse 5,283 (Narziß) ; in glücklicher Ehe l.; mit jmdm. in Harmonie, in enger Freundschaft l.; in Streit, Feindschaft miteinander l.; Schafe l. in Herden; mit jmdm. l. mit jmdm. enge Gemeinschaft haben: wir lebten mit unseren Freunden; verhüll. mit einer Frau l. (mit einer Frau ein intimes Verhältnis unterhalten) ; nach jmds. Vorbild l. sie lebten nach der Sitte ihrer Väter; über seine Verhältnisse l. (mehr Geld ausgeben, als man eigentlich dürfte) ; unter falschem Namen l. das kleine Volk lebte lange unter fremder Herrschaft; als Mensch, Künstler l.; wie ein Fürst, Mönch l.; trotz der Kriegswirren lebten die Bewohner der Insel wie im tiefsten Frieden; salopp wie Gott in Frankreich l.; umg. sie lebten wie die Made im Speck (sehr gut) sie l. wie Hund und Katze
2. am Leben, lebendig sein, Ggs. tot sein: er lebt noch; umg. scherzh. l. Sie denn noch? /wird gesagt, wenn sich jmd. nach langer Zeit wieder einmal bei seinen Bekannten sehen läßt/ ; seine Eltern l. nicht mehr (sind tot) kurz, lange, viele Jahre l.; Wir wollen leben um jeden Preis Remarque Im Westen 141; er kann ohne sie nicht mehr l.; wir l. im 20. Jahrhundert; Karl Marx lebte von 1818 bis 1883; er hat nicht mehr lange zu l.; es ist eine Lust zu l.; der Mensch hofft, solange er lebt; jmdn. l. lassen (nicht töten) nicht l. und nicht sterben können (dahinsiechen) umg. das ist mein Vater, wie er leibt und lebt (ganz wie er in Wirklichkeit aussieht, ist) der lebende Organismus, die lebende (organisches Leben zeigende) Materie die noch lebenden Nachkommen; weit und breit war keine lebende Seele (gar niemand) zu sehen Sie sehen wie ein lebender Leichnam aus Hartlaub Großer Wagen 270; er hat die Katastrophe lebend überstanden; die Verfolger wollten den Flüchtling lebend oder tot einfangen /sprichw./ Man lebt nur einmal in der Welt! Lortzing Waffenschmied I 4; /übertr./ im Frühling l. Wald und Flur (sind sie von Leben erfüllt) geh. in dem Hain lebt und webt alles (ist alles voller Leben) die Geige lebt (ist beseelt) in seiner Hand umg. scherzh. der Käse lebt (wimmelt von Maden) in ihm lebt (wirkt) ein fester Glaube umg. Du, so was lebt nicht mehr (so etwas ist kaum zu glauben): sie sitzen im Kabuff und sind zärtlich H. Mann 1,524 (Unrat) ; umg. scherzh. so was lebt, und Schiller mußte sterben (daß es so etwas überhaupt gibt) so wahr ich lebe (wirklich)! /Ausdruck der Beteuerung/ lebende (keine künstlichen) Blumen lebende (noch gesprochene) Sprachen studieren das lebende Inventar (Viehbestand) jmd., etw. soll l., es lebe jmd., etw. jmd., etw. soll hochleben, lebe hoch: das Brautpaar soll l.!; es lebe die Freiheit!;
3. seinen Lebensunterhalt bestreiten, existieren: man muß zu l. haben (sein gutes Auskommen haben) sie hatten kaum zu l.; ohne Beruf, Geld kann man nicht l.; von etw. l. sich von etw. ernähren: von Fleisch, gemischter Kost l.; vom Gehalt, von der Rente l.; Wir Assistenten an der Charité konnten ja von der Substanz nicht leben Brugsch Arzt 225 er lebt von seinem Sohn (wird von seinem Sohn mit ernährt) das ist zum Leben zuwenig und zum Sterben zuviel (das reicht nur notdürftig) ; von der Liebe, Schönheit allein kann man nicht l.; umg. von der Hand in den Mund l.; du kannst doch nicht von der Luft l. (du mußt doch essen)
4. an einem Ort l. an einem Ort wohnen: an der See, auf dem Lande l.; bei, mit jmdm. in einer Wohnung l.; sie l. in Berlin, im Gebirge; er lebt in unserer Nachbarschaft, in der Fremde; wie auf einem fremden Stern (fern der Welt) l. sie leben wie in einer Glaskugel (völlig abgeschlossen) Tucholsky Deutschland 148; /bildl./ auf dem Mond, in den Wolken l. (der Wirklichkeit völlig entfremdet sein) im Licht l. (im Glück sein) sie mußten immer im Schatten l. (in Sorge und Not sein) /übertr./ heimisch sein: in der Wirklichkeit, Vergangenheit l.; sie l. in einer Traumwelt; Beethoven lebte in der Musik;
5. unvergessen bleiben, weiterleben: Sein Werk wird leben Weiskopf 8,271 Homers Ruhm wird ewig l.; der Forscher, Held lebt in unseren Herzen, in seinem Volk; sein Andenken, Gedächtnis lebt in seinen Kindern; diese Tat lebt in aller Munde; sein Geist wird immer unter uns l.;
6. für jmdn., etw. l., geh. jmdm., einer Sache l. für jmdn., etw. dasein, jmdm., einer Sache sein Leben widmen: für seine Kinder, die Gesellschaft, Wissenschaft l.; er lebte für sein Vaterland; seinem Beruf, seiner Gesundheit l.; ein … Häuschen irgendwo im Grünen, wo man ungestört von den Menschen ganz seiner inneren Aufgabe leben kann St. Zweig Balzac 365; der Musiker lebte nur seiner Kunst; dem Augenblick l.;
7. etw. l.
a) eine Zeitspanne hinter sich bringen, verleben: ein schönes, glückliches, trauriges Leben l.; der Wunsch: ein eigenes Leben zu leben Flaischlen Seyfried 212; einen guten Tag (gut) l. er hat noch ein Jahr zu l.; [junge Leute] die noch ohne Angst auf dem Berg ihrer nicht gelebten Jahre stehen Andres Portiuncula 107
b) eine Anschauung, Idee als Richtschnur seines Lebens nehmen, vorleben: seine Gedanken, die Toleranz l.; daß in ihm [im Kloster] allein das Christentum ohne Einschränkung gelebt werden kann R. Schneider Philipp 120

Leben, das; -s, -
1. das Existieren, Dasein
a) physische Existenz, Ggs. Tod: d. Entstehung, Entwicklung, Erhaltung, Bedrohung des Lebens; das keimende L. (Embryo) ; d. Vielfalt, Fülle des Lebens; d. Sinn, Gesetz des Lebens; das L., eine Existenzform der Materie; er rettete den Ertrinkenden unter Einsatz seines Lebens; das L. regt sich, pulst, wirbelt, fließt dahin, geht weiter, versiegt; sein L. hing an einem seidenen Faden; sich seines Lebens nicht mehr sicher fühlen; dem L. einen Sinn geben; seinem L. ein Ende machen; ein zähes L. haben; sein L. erhalten, schützen; sein L. teuer verkaufen; er konnte nur sein nacktes L. (nichts weiter als sich selbst) retten; sein L. verlieren, wegwerfen; dieser Leichtsinn kostete ihn das L.; sich /Dat./ das L. nehmen; Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, / Der täglich sie erobern muß! Goethe Faust II 11575; sein L. für jmdn. einsetzen, geh. hingeben; jmds. L. in Gefahr bringen; jmdm. das L. retten; jmdm. sein L. verdanken; geh. einem Kinde das L. schenken (ein Kind zur Welt bringen) ; am L. sein, bleiben, hängen; jmdn. am L. lassen; jmdm. ans L. wollen (jmdn. töten wollen) es geht ans L.; ein Kampf auf L. und Tod (bis zur Vernichtung) ; geh. verhüll. freiwillig aus dem L. scheiden (sterben) ; es besteht keine Gefahr für sein L. sie fürchten für ihr L.; einen Bewußtlosen wieder ins L. zurückrufen; mit dem L. davonkommen mit seinem L. für etw. eintreten; er hat seine kühne Tat mit dem L. bezahlt; jmdm. nach dem L. trachten; der Tyrann war Herr über L. und Tod seiner Untertanen; um sein L. laufen, kämpfen er ist bei dem Zugunglück ums L. gekommen; jmdn. vom L. zum Tode bringen; die Natur ist zu neuem L. erwacht d. Wille, Liebe zum L.; der Schwerverletzte schwebte lange zwischen L. und Tod /übertr./ Lebendigkeit, Vitalität: es war kein Funke von L. mehr in ihm; Sie … steht mit funkelnden Augen vor ihm, herrlich und voller Leben Weisenb. Mädchen 142; in sein Gesicht kam wieder L.; das Bild hat, atmet L.; seine Züge zeigen L. und Ausdruck; Herr von Schröder gewann wieder Leben Th. Mann 7,17 (Königl. Hoheit) ; der Künstler erfüllte sein Werk mit L.; von L. strotzen; vor L. sprühen; sie sieht aus wie das blühende L. etw. tritt ins L., wird ins L. gerufen etw. wird neu eingerichtet, gegründet: der Verein trat ins L.; eine Kommission wurde ins L. gerufen; für sein L. gern (sehr gern) etw. tun
b) Zeitdauer der physischen Existenz, Lebenszeit: ein kurzes, langes L.; d. Beginn, Verlauf, Mitte, Ende seines Lebens; die Stationen, Merksteine des Lebens; schöne, dunkle Stunden des Lebens; d. Arbeit, Ziel seines Lebens; L. und Werk eines Dichters; Jahre seines Lebens für eine große Aufgabe hingeben; die Tage seines Lebens sind gezählt; die Geschichte seines Lebens niederschreiben; zeit seines Lebens (solange er lebt) sein L. lang (immer) ich hab ja noch nie im Leben soviel komponiert wie gerade jetzt! Kästner Lottchen 90; das L. beginnt, zieht schnell dahin, geht zu Ende; sein L. währte siebzig Jahre; sein L. zählt nur noch nach Tagen; Leben und Liebe, – wie flog es vorbei! Storm 8,273; sein L. anfangen, fortführen, beschließen; sein L. hinter sich haben; das L. künstlich verlängern; nur ein Gedanke beherrschte sein späteres L.; einem großen Werk sein ganzes L. widmen; umg. der Wunsch seines Lebens (sein größter Wunsch) auf ein langes L. zurückblicken; er erzählte Erlebnisse aus seinem L.; diese Freundschaft hielt fürs ganze L.; den Bund fürs L. (Ehe) schließen wir begegneten uns zum erstenmal im L.
2. Art und Weise des Existierens, Daseins
a) /individuell/ ein gutes, anständiges, ruhiges, sorgloses, frohes, lustiges, komfortables, üppiges, herrliches, glückliches L.; ein erlebtes, erfülltes, bewußtes, sinnvolles, arbeitsreiches, tatenreiches L.; ein einfaches, bescheidenes, sorgenvolles, schlechtes, schweres, ärmliches, hartes, trostloses, elendes, verfehltes, verpfuschtes L.; ein gesundes, vernünftiges, geordnetes, gesichertes, kultiviertes, harmonisches L.; ein leichtes, unbeschwertes, unruhiges, aufregendes, hektisches, gefährliches, ungebundenes, liederliches, gottloses, ausschweifendes, wildes L.; das äußere, innere, persönliche L.; welch ein vorbildliches L.!; ein L. in Armut, Wohlstand; ein L. in kleinen Verhältnissen; ein L. voll Freude; ein L. wie im Paradies; das L. des Arbeiters; das mannigfaltige L. der Tiere und Pflanzen; die Erfahrungen eines tätigen Lebens Brecht Dreigroschenroman 272; ihr L. war Arbeit; sein L. ist geregelt; sein L. gehört seiner Familie, der Kunst; ein ausgefülltes L. haben; sein eigenes L. leben; ein solides L. führen; Ein freies Leben führen wir, / Ein Leben voller Wonne Schiller Räuber IV 5; sein L. meistern, menschenwürdig gestalten; das süße L. (Nichtstun und Luxus) lieben ein neues L. anfangen; sein gewohntes L. fortsetzen; sein L. ändern, verbessern; er konnte sein gehetztes L. kaum noch ertragen; sich /Dat./ ein bequemes L. einrichten; sich /Dat./ das L. erleichtern; jmdm. das L. angenehm, erträglich, schwer, sauer machen; jmdm. das L. erschweren, vergällen, zerstören; aus seinem L. das Beste machen; sich durch ein zügelloses L. zugrunde richten; für ein besseres L. kämpfen; wieder in sein leichtsinniges L. verfallen; nach einem sorgenfreien L. streben; über sein eintöniges L. klagen; von seinem abenteuerlichen L. erzählen; er fand den Weg zu einem zufriedenen L.
b) /gesellschaftlich/ ein gemeinsames, geselliges, kollektives, bürgerliches, soziales, sozialistisches, christliches L.; ein privates, häusliches, zurückgezogenes L.; das L. auf dem Lande, in der Stadt; die Technik verändert das L.; im beruflichen L. vorbildlich sein;
3. Gesamtheit der gesellschaftlichen Lebensformen: die Zufälle, Wechselfälle des Lebens; d. Lust, Härte, Strenge des Lebens; die Freuden, Güter des Lebens; die Sonnen-, Nachtseite des Lebens; im Strom, in den Stürmen des Lebens; den Ernst des Lebens kennenlernen; das L. hat ihn ins Ausland verschlagen; das L. stellt uns Aufgaben, fordert seine Rechte, verlangt Opfer; das L. hat ihm viel, nichts geboten; dem L. die guten Seiten abgewinnen; dem L. entsagen; das L. leben, lieben, genießen; das L. einfach, ernst nehmen, geringschätzen; am L. verzweifeln; ihm liegt nichts am L.; gut durchs L. kommen sich durchs L. schlagen; im L. zu kurz kommen es im L. zu etwas bringen; sich im L. bewähren; sich in das L. schicken; mit dem L. fertig werden er hatte mit dem L. abgeschlossen; vom L. enttäuscht, gebrochen sein viel vom L. erwarten, haben wollen; nichts vom L. wissen; eine gesunde Einstellung zum L. haben /sprichw./ man muß das L. eben nehmen, wie das L. eben ist (man muß mit den Gegebenheiten des Daseins rechnen) Ordnung ist das halbe L.; Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst Schiller Wallenst., Prolog; die gesellschaftliche Realität: das L. nimmt uns in die Schule; das L. hat ihn hart angefaßt; das L. schreibt die besten Romane; diese Geschichten sind dem L. nacherzählt; sie werde dem Leben mit Gewalt entfremdet Musil Mann 566; am L. vorbeileben; dieses Thema ist aus dem L. gegriffen; nicht für die Schule, für das L. lernen wir; im L. ist es ganz anders als im Film umg. mit beiden Beinen fest im L. stehen; sich im L. (nicht) zurechtfinden; hinaus ins L. treten; die Verbindung mit dem L. verlieren; ein Kunstwerk nach dem L. gestalten geh. für die Abiturienten öffnete sich das Tor zum L. das gesellschaftliche Geschehen: das tägliche, moderne, großstädtische L.; das literarische, künstlerische, wirtschaftliche, wissenschaftliche, internationale, politische L.; Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens; aktiv im gesellschaftlichen L. stehen; Von dem geistigen Leben Berlins wurde ich stärker berührt als von dem von Paris Schweitzer Aus meinem Leben 26
4. Betrieb, lebhafte Tätigkeit: das geräuschvolle L. auf der Straße; lautes L. herrschte auf dem Markt; am Strand war kein L. mehr; um ihn herum brodelt, quirlt das L. der Großstadt; das vielstimmige L. des nächtlichen Waldes; L. in ein Unternehmen bringen; Nebel, der mit seiner lähmenden Kraft das Leben im Hafen zum Stocken brachte Bredel Väter 337 das bunte L. und Treiben während der Messe;
5. /Anrede einer geliebten Person/ vertraul. du mein geliebtes L.!; Reich mir die Hand, mein Leben Mozart Don Giovanni I 9

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