fließen, floß, ist geflossen
1. sich gleichmäßig und ohne Stocken fortbewegen /von Flüssigkeiten, bes. von Wasser/ das Wasser fließt schwach, spärlich, stark, ständig, gleichmäßig; der Bach fließt langsam, träge, rasch, eilig, lustig, munter; das Wasser floß schnell, rauschend, plätschernd, reißend zu Tal; die Donau fließt ins Schwarze Meer, zum Schwarzen Meer; die Elbe fließt in die, zur Nordsee; die giftigen Abwässer der Fabrik f. in den Fluß; die Elbe fließt durch Dresden; Wasser fließt in, aus der Leitung; die Quelle fließt selten, ununterbrochen, immer; ein fließendes Gewässer (Ggs. stehendes Gewässer) dieser Fisch lebt nur in fließenden Gewässern; Da, wo fließendes Wasser das ganze Jahr hindurch die Flußbetten erfüllt Passarge Südafrika 77 ein Zimmer mit fließendem Wasser (mit einer Wasserleitung, aus der ständig Wasser entnommen werden kann) ein Zimmer mit fließendem warmem und kaltem Wasser; die Tränen f. (werden vergossen) der Schweiß floß (rann) ihm von der Stirn; das Blut fließt aus der Wunde, durch die Adern; d. Erwarten, Aufregung, Glück ließ das Blut rascher f.; im Krieg, bei dem Aufruhr ist viel Blut geflossen; die Tinte fließt blau, schwarz (aus der Feder); im neuerbauten Eisenwerk floß das erste Roheisen; die Lava fließt; bibl. ein Land, darin Milch und Honig fließt; umg. scherzh. das Bier in die Kehle f. lassen (trinken) umg. die Nase (der Schleim in der Nase) fließt beim Schnupfen /bildl./ umg. übertrieben d. Alkohol, Sekt floß in Strömen (es wurde viel Alkohol, Sekt getrunken) der Verkehr fließt ungehindert auf der breiten Straße; der fließende Verkehr; da der Fahrer … auch den fließenden Verkehr in seiner bisherigen Fahrtrichtung beachten muß Tageszeitung 1956; der Verkehr wickelt sich fließend ab; der elektrische Strom fließt durch die Leitung; Meteor. An der Südflanke einer ausgedehnten … Tiefdruckzone fließt weiterhin relativ milde Meeresluft nach Deutschland Tageszeitung 1963 Staub, Körner f. (rieseln) durch die Hand die Zeit fließt (vergeht) unaufhaltsam Bei Ihnen fließt nicht so ein Tag in den anderen G. Hermann Gebert 127; alles fließt! /philosophische Ansicht Heraklits, nach der sich die Materie ständig verändert/
2. /übertr./
a) (ein)kommen: die Staatsgelder flossen spärlich; Auch als er berühmt war, das Geld nur so floß, kaufte er immer in Beckers billigem Laden Böll Waage 118; d. Erlös, Reinertrag der Veranstaltung floß in die Kasse der Volkssolidarität; die Gelder f. in die Staatskasse, in seine Tasche; die Gaben f. reichlich; die Nachrichten f. spärlich; die geschichtlichen Quellen f. für diese Zeit nur spärlich (es ist wenig überliefert)
b) ohne Stocken, rasch hervorkommen, mühelos gehen: d. Erzählungen, Verse f. dem Autor leicht, schnell aus der Feder, Hand; die Rede fließt; die Worte flossen ihr nur so von den Lippen, flossen ihr leicht vom Munde; Ungewöhnlich gut flossen ihm dabei die Worte in die Feder Renn Krieg ohne Schlacht 253; ein fließender Vortrag, eine fließende Rede; die Töne f.; die Arbeit fließt ihm leicht von der Hand; ein fließender (kontinuierlicher) Arbeitsablauf eine fließende Produktion; Der kontinuierliche Transport dieser Blöcke … zum Bauplatz und die unmittelbare Montage vom Fahrzeug weg auf der Baustelle sichern ein fließendes Arbeiten Wissensch. u. Fortschr. 1956; Techn. die fließende Fertigung (Fließfertigung) für bestimmte Schiffsteile hat begonnen fließend sprechen, lesen geläufig, ohne Stockung sprechen, lesen: er spricht fließend Englisch und Russisch; ein fließendes Französisch sprechen; ich versteh' schon, was er will, wenn er auch nicht so fließend spricht wie Sie Fallada Blechnapf 314; der Schulanfänger konnte bald fließend lesen;
c) etw. fließt aus etw. etw. folgt unmittelbar aus etw., etw. ergibt sich aus etw.: aus dieser Erkenntnis f. weitere Folgerungen; eine Tat fließt aus der anderen; der furchtbare, tiefe, unbestechliche Blick, aus dem der Schüdderump geflossen ist Langgässer Vergänglichkeit 42
3. geh. d. Gewand, Haar fließt das Gewand, Haar fällt gefällig: das Gewand fließt um ihren Leib; fließender Crêpe Georgette; eine weich fließende Seidenbluse; dunkelfarbige Zigeunerdirnen in fließenden Frühlingsroben C. Hauptm. Einhart 1,9; Ihr damals langes, offenes Haar war nun kurz geschnitten und floß in einer schönen Welle knapp bis zu den Schultern Hartung Wunderkinder 62
4. die Grenzen zwischen zwei Gebieten sind fließend, f. die Grenzen zwischen zwei Gebieten sind unscharf, die Gebiete sind nicht scharf gegeneinander abzugrenzen: die Grenzen zwischen Naturalismus und Realismus, zwischen Gut und Böse sind oft fließend; die fließenden Grenzen zwischen Substantiv und Adjektiv besonders im Griechischen und Lateinischen sind bekannt Kronasser Semasiologie 86

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