abgehen, ging ab, ist abgegangen/ hat abgegangen
1. sich entfernen(ist)
a) weg-, davongehen: d. Bote, Kurier geht ab; Der Junker antwortete … indem er abging Kleist 3,144 (Kohlhaas) ; Theater der Schauspieler geht (von der offenen Szene) durch die Mitte, mit einer Verbeugung ab (Ggs. auftreten) salopp geh (endlich) ab (geh fort)!
b) weg-, abfahren: d. Zug, Schiff geht ab;
c) abgeschickt werden: d. Post, Telegramm, Geld, Sendung, Ware geht (umgehend, morgen früh) ab; etw. a. lassen; etw. abschicken: Berengar ließ sie [die Vorladungen] ohne Verzug abgehen Bergengr. Heiraten 41
d) abgeführt werden: Würmer, (Gallen)steine gehen ab; etw. geht mit dem Stuhl(gang), dem Harn ab; abfließen: Blut, Wasser, Eiter geht ab;
e) abgefeuert, ausgelöst werden: ein Schuß geht (verfrüht) ab;
2. /übertr./ (ist)
a) aus einer Gemeinschaft ausscheiden, eine Arbeitsstätte verlassen: von der Schule (mitten im Jahr, nach dem Examen, zur Universität) a.; In solch einer Universitätsstadt ist ein beständiges Kommen und Abgehen Heine 3,19 (Harzreise) von der Bühne (für immer), aus einem Amt (in den Ruhestand) a.;
b) sterben: einer der Hauptbelastungszeugen sei … mit Schädelbruch abgegangen A. Zweig Beil 518; veralt. wenn etwa der Kaiser mit Tode abginge Ric. Huch Dreißigjähr. Krieg 1,157
c) von etw. abweichen, etw. aufgeben: er ist von seinem Plan, Standpunkt, Grundsatz, Entschluß, von seiner Forderung, Behauptung, Gewohnheit abgegangen; von der Wahrheit, vom (richtigen) Wege, von der (üblichen) Methode, von einem Vorurteil a.; er ist hier vom Original, von der Biographie abgegangen; keinen Fußbreit von etw. a.;
d) abzweigen: hier geht der Weg (nach N.) ab; ein schräg abgehender Stollen;
3. umg. sich ablösen(ist:) d. Knopf, Henkel, Absatz, Rad geht ab; die Schale geht (leicht) von der Frucht, das Fleisch geht vom Knochen ab; d. Haut, (Finger)nagel ist abgegangen; d. Farbe, Vergoldung geht ab (blättert ab) d. Schmutz, Fleck wollte nicht a. (ließ sich nicht abbürsten, abwaschen) eine Lawine ist abgegangen
4. Kaufm. verkauft werden(ist:) die Ware geht gut, reißend, salopp wie warme Semmeln ab
5. Kaufm. abgezogen, abgerechnet werden(ist:) 10 Mark gehen (von der Gesamtsumme) ab; 3 Prozent gehen noch ab; 2 Kilo gehen (vom Gewicht durch Schwund) ab;
6. eine Strecke suchend, prüfend entlanggehen(ist/ hat:) der Bauer geht sein Feld, der Wächter seine Runde, der Förster sein Revier, der Polizist die Grenze, der General die Front ab; jmd. geht den ganzen Ort, einen (bestimmten) Weg ab; Vor allem mußte man wohl die beiden Häuserzeilen abgehen und suchen Broch Die Schuldlosen 59
7. umg. ab-, verlaufen(ist)
a) etw. geht (nicht) gut ab etw. geht (nicht) gut aus, endet (nicht) gut: das ging (noch einmal) gnädig, glatt, glücklich ab; Wir hofften noch, es sei alles mit dem Schrecken abgegangen Marchwitza Jugend 77
b) etw. geht nicht ohne etw. ab etw. geht nicht ohne etw. vonstatten: es ist (leider) nicht ohne Ärger, Verdruß, Irrtum, Schaden, Tränen, Streit, Gewalt, Schläge, Blut(vergießen) abgegangen; kann das nicht ohne Lärm a.?;
8. etw. geht jmdm. ab etw. fehlt, mangelt jmdm.(ist:) ihm gehen d. (primitivsten) Voraussetzungen, (notwendigen) Grundbegriffe, (Sprach)kenntnisse ab; ihm geht Lebensklugheit, Tatkraft ab; was ihm an Begabung abgeht, ersetzt er durch Fleiß; ihm geht jedes Verständnis, der Sinn für derartige Dinge (völlig) ab; es geht ihr nichts ab (sie entbehrt nichts) sie läßt sich nichts a. (sie leistet sich alles) es geht ihr dadurch nichts ab (sie hat keinen Schaden dadurch) landsch. jmd. geht (jmdm.) ab jmd. fehlt (jmdm.): der alte Mann, der fortgefahren war, ging mir sehr ab Stifter 2,361; Schimeon fehlt. Richtig, Schimeon geht noch ab Th. Mann 5,363 (Joseph)

abgehen

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