Strich, der; -(e)s, -e
1. in der Regel gerade verlaufende, kürzere Linie
a) /Verkl.Strichlein/ die mit dem Stift, der Feder gezogen wird: ein gerader, kurzer, dünner, sauberer S.; ein S. mit dem Bleistift, mit der Schreibfeder; Striche mit dem Lineal ziehen; einen S. am Rand der Seite wegradieren; er machte einen S. durch die Zahlen (strich sie aus) etw. mit roten, grünen Strichen unterstreichen; eine Vorlage S. für S. (in allen Einzelheiten) ab-, nachzeichnen sein Mund ist wie ein schmaler S. (ist sehr schmal) /bildl./ die schwarzen Striche der Telefondrähte; umg. er ist bloß noch ein S. (er ist sehr dünn, mager) er umriß seine Vorstellungen in wenigen, knappen Strichen (stellte sie mit knappen Worten dar) sie preßte die Lippen zu einem schmalen S. zusammen; /übertr./ umg. er hat noch keinen S. gemacht (noch nichts gearbeitet) einen S. durch jmds. Absichten, Pläne machen (sie durchkreuzen) jmdm. einen S. durch die Rechnung machen (jmds. Vorhaben vereiteln) einen S. unter die Vergangenheit ziehen (sie vergessen, nicht mehr erwähnen) S. darunter (erledigt)! salopp einen dicken S. unter etw. machen (etw. nachdrücklich als erledigt betrachten)
b) Trennungslinie zwischen den einzelnen Abschnitten eines Buches, einer Zeitung: nach jedem Kapitel der Novelle war ein S.; die Fortsetzungen des Romans bringt die Zeitung unter dem S. (im Unterhaltungsteil) /übertr./ umg. das ist unter dem S. (schlecht) Die Gasleitung vieler kleiner Gaswerke... ist so klein, daß sie hinsichtlich der Arbeitsproduktivität unter dem Strich stehen (daß sie wenig leistungsfähig sind) Urania 1964
c) die eine Streichung bezeichnet, Abstrich: geringfügige, notwendige Striche im Text; Nach ein paar … Änderungen und Strichen [in einem Film] Baum Kristall 217; Striche (Abzüge) im Haushaltsplan
d) /ohne Pl./ gedachte Linie, die Kimme und Korn einer Handfeuerwaffe beim genauen Zielen bilden: S. (genau) schießen
e) salopp jmdn. auf dem S. haben (jmdn. nicht ausstehen können)
2. Zeichen in Form von 2 a
a) das im Morsealphabet verwendet wird: das O besteht aus drei Strichen;
b) das als Gradeinteilung dient: die Striche einer Waage, eines Meßgerätes; Mil. die 6000 Striche der Zieleinrichtung bei der Artillerie; Seemannsspr. die 32 Striche des Kompasses
3. das Streichen
a) mit der Hand, Bürste: ein leichter S. über die Wange; das Kind beruhigte sich unter dem sanften S. ihrer Hand; den Körper mit kräftigen Strichen bürsten; er kämmte sein Haar mit gleichmäßigen Strichen; eine Kuh mit langsamen, festen Strichen melken;
b) mit dem Pinsel, Zeichenstift: der sichere S. des Malers; [des Künstlers] Strich ist sehr hart und markant Bild. Kunst 1958 eine Skizze mit raschen Strichen zeichnen;
c) mit dem Geigenbogen: der weiche, klangvolle S. des Geigers;
4. Streifen einer Landschaft: ein trockener, warmer, sumpfiger, bebauter, dichtbesiedelter S.; ein S. Weideland, fruchtbaren Landes; ein S. (kleiner Bestand) Tannen dieser S. war von dem Unwetter schwer betroffen; Ob einer … in den sandigen Strichen Kartoffeln und Kirschen zog A. Zweig Beil 435
5. /ohne Pl./ Richtung, in der die Haare von Menschen und Tieren, die Oberhaare bestimmter Gewebe liegen: Samt gegen den S., mit dem S. bürsten; jmdn. gegen den S., mit dem S. rasieren; e. Fell, Katze gegen, wider den S. streicheln; /übertr./ salopp das geht mir gegen den S. (paßt mir nicht, ist mir zuwider) nach S. und Faden gründlich: jmdn. nach S. und Faden ausfragen; daß der seine Frau nach Strich und Faden (ganz gehörig) betrogen habe M. Walser Ehen 312
6. Jägerspr. das Umherstreichen der Vögel (in geringer Höhe): der S. der Schnepfen in der Balzzeit; der S. der Stare über den Feldern
7. salopp abwertend auf den S. gehen (als Prostituierte auf der Straße Männerbekanntschaften suchen)
8. Landw. Zitze der Kuh, Sau: eine Kuh mit gleichmäßig verteilten Strichen; Die Braune [eine Kuh] melkt nur auf drei Strichen Strittmatter Ochsenkutscher 31
9. Min. Farbe eines fein zerteilten oder pulverisierten Minerals, die als Unterscheidungsmerkmal vieler Mineralien dient: Eisenglanz hat einen roten S.;

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