Sitz, der; -es, -e
1. Möbelstück oder Vorrichtung zum Sitzen, Sitzgelegenheit, Sitzplatz: ein bequemer, enger S.; ein drehbarer, verstellbarer S.; ein S. zum Hoch-, Herunterklappen; er hatte einen umgestürzten Baum, Baumstumpf, eine Mauer zu seinem S. erwählt; an den Wänden waren steinerne Vorsprünge, die als Sitze dienten; ein Auto mit fünf, ein Theater mit tausend Sitzen; am S. befestigte Sicherheitsgurte; ein S. im ersten Rang, Parkett; die hinteren, vorderen Sitze; sich auf einem S. niederlassen; einen S. einnehmen; er lehnte sich in den S. zurück; sich vom S. erheben; vom S. aufstehen, (auf)springen; erschrocken aus dem, vom S. auf-, hochfahren; übertrieben vor Begeisterung wurden die Zuschauer von den Sitzen gerissen (sprangen sie auf) seinen S. mit einem anderen wechseln; er rückte seinen S. ans Fenster; jmdn. zu seinem S. bringen, führen; jmdm. einen S. zuweisen; jmdm. seinen S. anbieten; die Sitze herausnehmen; Teil der Sitzgelegenheit, auf dem man sitzt, Sitzfläche: ein lederner, harter, weicher, durchgesessener, neu bezogener S.; ein Stuhl mit gepolstertem S. und hoher Lehne; sie legte mehrere Kissen auf die Sitze der Bank; auf dem S. lag eine leere Bierflasche;
2. Art, wie jmd. sitzt, jmds. Haltung im Sitzen: der Reiter bemühte sich um einen guten S.; sich aus der Rückenlage zum S. aufrichten; der Turner schwang sich aus dem Kniehang in den S.; den S. mit gegrätschten Ober- und angewinkelten Unterschenkeln nennt man Schneidersitz;
3. Art, wie etw. paßt
a) bes. von der Kleidung, die nach Größe und Schnitt den Maßen des Trägers entspricht, Paßform: d. Mantel, Kostüm hat einen guten, schlechten S.; die Schuhe haben einen schlechten S.;
b) von Sachen, die eine bestimmte Lage, Stellung haben sollen: er prüfte den S. seiner Krawatte, seines Hutes im Spiegel; wenn mein Haar keinen ordentlichen S. hat, fühle ich mich nicht wohl;
4. Amt, Dienststellung, Wirkungskreis in einer (öffentlichen, politischen) Institution, einem Parlament, Kollegium, Rat, einer Abgeordnetenkammer: ein Parlament mit dreihundert Sitzen; die Liberalen verloren fünf Sitze; einen S. erringen, haben; daß er sein Augenmerk auf einen Sitz im Rathause … gerichtet halte Th. Mann 1,322 (Buddenbr.) ; In den Genossenschaftsräten haben in stärkerem Maße Arbeitervertreter der Großbetriebe … Sitz und Stimme Tageszeitung DDR 1971; jmdm. einen S. (Amt, Posten) in der Regierung, Leitung anbieten
5. Ort, Gebäude
a) in dem Staats-, Verwaltungsorgane, Betriebe, Gesellschaften ihre Ämter, Verwaltung haben: der S. der Regierung, Handelsgesellschaft, des volkseigenen Betriebes, einer Behörde, Dienststelle; das Kombinat besteht aus mehreren Werken, deren S. in verschiedenen Orten liegt; das internationale Komitee hat seinen S. in Paris /bildl./ der S. der Künste; Sitz der Opposition waren dabei neben Thüringen namentlich die rheinischen Länder und die Staaten des Südens Lamprecht Dt. Geschichte 10,389; das Gehirn ist der S. der geistigen Tätigkeit; der S. der Krankheit war dem Arzt unerkannt geblieben;
b) Aufenthaltsort, Wohnsitz: nomadisierenden Völkern einen festen S. anweisen; seinen S. auf dem Lande aufschlagen, am Rande der Großstadt nehmen; Residenz: Seit 850 hatte Rom einen Kaiser mit ständigem Sitz in Italien Haller Papsttum 2,60; geh., DDR veralt. Anwesen, Besitzung: ein herrschaftlicher S.;
c) Techn. Halterung: nachdem man die Schrauben gelockert hat, kann man die Walze leicht aus ihrem S. herausheben;
6. Teil der Hose, der das Gesäß bedeckt, Hosenboden: seine Hose war am S. durchgescheuert;
7. umg. auf einen S. ohne Unterbrechung, hintereinander: ein spannendes Buch auf einen S. durchlesen; ich habe einen solchen Hunger, daß ich drei Teller Bratkartoffeln auf einen S. essen könnte; nie zuvor hatte er auf einen S. so viel sprechen müssen;

Weitere Informationen zum Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG) …