Fahne, die; -, -n
1. /Verkl.Fähnchen, Fähnlein/ ein- oder mehrfarbiges, oft mit Sinnbildern gekennzeichnetes, symbolhaftes Tuch, das an einer Stange befestigt ist: die F. weht, flattert, knattert, bauscht sich im Wind; die F. hängt am Mast, auf halbmast; eine F. entfalten, aufrollen, aufziehen; die F. hissen, aufpflanzen, hinaushängen; die F. schwingen; bei einem festlichen Umzug die F. tragen; sie marschieren mit wehenden, flatternden Fahnen; die Fahnen einholen, einziehen; die Fahnen senken, auf halbmast setzen; eine F. weihen; die F. zusammenrollen; eine zerschlissene F.; die Häuser sind mit bunten Fähnchen geschmückt; die Brigade mit einer F. ehren, auszeichnen; der Brigade eine F. verleihen; Er steckte ein Fähnchen auf einen Punkt der Landkarte Seghers 6,109 (Die Toten) ; Das Fähnlein der sieben Aufrechten G. Keller /Titel/; Kennzeichen, Symbol
a) für eine Nation, einen Staat: die F. der Republik; die englische, sowjetische F.; die schwarzrotgoldene F.; die F. Schwarzrotgold;
b) /ohne Verkl./ für eine Idee: die F. des Roten Kreuzes; die weiße F. /Zeichen der Bereitschaft zu Unterhandlung, Kapitulation/ ; die Bewohner der belagerten Stadt hängten die weiße F. hinaus; die rote F. /Zeichen der Arbeiterklasse, des revolutionären Proletariats/ ; geh. die F. der Wahrheit, Menschlichkeit, Brüderlichkeit entfalten, emporhalten (sich für Wahrheit, Menschlichkeit, Brüderlichkeit einsetzen) die F. der Freiheit erheben; die F. des Freiheitskampfes, der Revolution aufrichten; die F. (einer Idee) hochhalten (etw. beharrlich verteidigen, einer Sache unentwegt dienen) etw. auf seine F. schreiben etw. als Ziel, Programm haben: ein Volk schreibt die nationale Freiheit auf seine F.; daß die Kirche … von jeher den radikalsten, den Umsturz mit Stumpf und Stiel auf ihre Fahne geschrieben habe Th. Mann 2,831 (Zauberb.) sich unter einer F. zusammenfinden, sich unter eine F. stellen (sich für ein gemeinsames Ziel einsetzen) zu, auf jmds. F. schwören (fest auf jmds. Seite stehen)
c) /in bildl. Wendungen als Symbol für das Heer, die politische Macht, für die Waffendienst geleistet wird/ geh. unter der F. stehen (Soldat sein) daß er unter den Fahnen Karls XII. … gefochten habe Löscher Alles Getrennte 9; zu den Fahnen eilen (in den Krieg ziehen) sich freiwillig zur F. melden; als mein oberster Kriegsherr mich zu den Fahnen rief Böll Billard 90; der englischen F. folgen; die F. verlassen (desertieren) zur F. des siegreichen Gegners übergehen; /übertr./ mit fliegenden, wehenden Fahnen zum Gegner, in das andere Lager übergehen (die Anschauung blitzschnell ändern)
2. /Verkl.Fähnchen/ salopp abwertend billiges, geschmackloses, oft abgetragenes Kleid: sie hat eine alte F. an; sie läuft immer in derselben F. herum; ein ausgedientes, billiges, dünnes Fähnchen; Hespera, die ein paar Fähnchen besaß und mit Geschick zurechtrichtete Kolb Schaukel 147
3. /ohne Pl./ salopp unangenehmer, nach Alkohol riechender Mundgeruch: er hat eine (ganz schöne) F.; Er war unrasiert und bleich, übernächtigt, hatte eine Fahne von Alkohol vor dem Mund Frisch Stiller 187
4. Druckerei (langer) Papierstreifen, auf dem zu Korrekturzwecken ein noch nicht umbrochener Schriftsatz abgedruckt ist: die Fahnen lesen, korrigieren;
5. Jägerspr. langbehaarter Schwanz des Eichhörnchens und langhaariger Hunde: der Jagdhund kam mit eingezogener F.;

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