wüten

GrammatikVerb · wütete, hat gewütet
Aussprache
Worttrennungwü-ten (computergeneriert)
Wortbildung mit ›wüten‹ als Erstglied: ↗Wüterei  ·  mit ›wüten‹ als Letztglied: ↗auswüten · ↗herumwüten  ·  mit ›wüten‹ als Grundform: ↗wütend
eWDG, 1977

Bedeutung

von Wut toben, gewalttätig werden
Beispiele:
er sprang zornig auf und wütete
erbittert, sinnlos, blind wüten
der Feind wütete im Lande
gegen etw., jmdn. wütengegen etw., jmdn. schonungslos, grausam vorgehen
Beispiele:
gegen seine Gesundheit wüten
wie die Berserker wüten
Ich kann es nicht länger mit ansehen, wie Sie gegen sich selber wüten [St. ZweigAmok327]
bildlich etw. wütetetw. bringt mit vernichtender Gewalt Zerstörung und Tod
Beispiele:
der Sturm hat schrecklich gewütet
der Schmerz wütet in ihm
Seuchen wüten in der Stadt
der faschistische Terror wütete gegen die Kommunisten
das unheilvolle Wüten (= vernichtende Toben) der Sturmflut
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Wut · Wüterich · wüten · wütend · wütig
Wut f. ‘rasender Zorn’, ahd. (um 800), mhd. wuot f. ‘heftige Bewegung, heftige Gemütserregung, Raserei’, mnl. woet f. m., nl. woede f. ‘Wut, Raserei’ und aengl. wōþ f. ‘Ton, Stimme, Dichtung’, anord. ōðr m. ‘Erregtheit, Dichtkunst, Dichtung’ stehen neben dem (im Dt. untergegangenen) Adjektiv ahd. -wuot in firwuot ‘unsinnig, ohne Vernunft’ (11. Jh.), aengl. wōd, engl. (älter bzw. mundartlich) wood ‘wahnsinnig, wütend, rasend’, anord. ōðr ‘wütend, rasend’, got. *wōþs (bezeugt wōds) ‘wütend, besessen’ (germ. *wōda-). Außergerm. sind vergleichbar aind. ápivátati (aus *u̯at-) ‘bläst an, facht an, inspiriert’, lat. vātēs ‘Weissager, Seher’, air. fāith ‘Seher, Prophet’, mir. fāth (aus *u̯ātu-) ‘Prophezeiung, Ursache’, so daß ie. *u̯ā̌t-, *u̯ōt- ‘geistig angeregt sein’ angesetzt werden kann, möglicherweise eine Erweiterung der Wurzel ie. *u̯ē- ‘wehen, blasen, hauchen’ (s. ↗wehen). Als Ausgangsbedeutung ist vielleicht ein ‘durch übermenschliche Kräfte (Dämonen, Götter?) verursachter Zustand des Außersichseins, übermächtige Erregung’ anzunehmen. In älterer Sprache bezeichnet das Substantiv unterschiedliche Gemütserregungen wie Raserei, Wahnsinn, Verzückung, zügellose Erregung, rasenden Zorn. Vor allem in der letztgenannten Verwendung ist es bis heute geläufig. Wüterich m. ‘gewalttätiger Mensch’, ahd. wuotarīh (9. Jh.), mhd. wüeterī̌ch, wuoterī̌ch ‘Tyrann, Teufel’. Vgl. ahd. wuoto m. (10. Jh.). wüten Vb. ‘vor Zorn rasen, gewalttätig vorgehen’, ahd. wuoten ‘besessen sein, im Wahnsinn rasen, in heftiger Erregung sein und Gewalt anwenden’ (8. Jh.), mhd. wüeten; dazu wütend Part.adj. besonders seit der 2. Hälfte des 18. Jhs. im Sinne von ‘heftig’ auf seelische und körperliche (wütender Hunger, Schiller) Vorgänge bezogen. wütig Adj. ‘zornig, tobend’, ahd. wuotīg (9. Jh.), mhd. wuotic, wüetec ‘tollwutkrank, tobsüchtig, wahnsinnig, aggressiv erregt’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Randale machen · ↗herumtoben · ↗herumwüten · ↗randalieren · ↗toben · wüten  ●  Amok laufen  ugs. · ↗ausrasten  ugs. · ↗austicken  ugs. · ↗berserkern  geh., selten · ↗rumtoben  ugs. · rumwüten  ugs. · verrückt spielen  ugs.
Assoziationen
  • außer sich (vor Wut) · ↗bitterböse · ↗blindwütig · ↗fuchsteufelswild · in blinder Wut · in maßloser Wut · ↗rasend · ↗tobsüchtig · vor Wut schäumen(d) · wie eine Furie · ↗wutentbrannt · ↗wutschnaubend  ●  auf 180  ugs. · auf hundertachtzig  ugs. · kurz vorm Explodieren (sein)  ugs. · mordssauer  ugs. · ↗stinksauer  ugs. · ↗stinkwütend  ugs. · ↗stocksauer  ugs.
  • herumspringen wie Rumpelstilzchen  ●  herumspringen wie ein HB-Männchen  veraltend, fig. · im Dreieck springen  Hauptform, fig. · im Sechseck springen  fig.
  • (das ist) zum Auswachsen!  ugs. · (das ist) zum Verrücktwerden!  ugs. · (das ist) zum Verzweifeln!  ugs. · das hältst du (doch) im Kopf nicht aus!  ugs. · das ist (ja) nicht auszuhalten!  ugs. · das ist (ja) nicht zum Aushalten!  ugs. · gleich platzt mir die Hutschnur!  ugs., veraltend · ich dreh (hier noch) durch!  ugs. · ich dreh am Rad!  ugs., fig. · ich krieg die Krise!  ugs. · ich krieg zu viel!  ugs. · ich spring gleich aus dem Fenster!  ugs. · mir platzt gleich der Arsch!  derb · mir platzt gleich der Kragen!  ugs., veraltend
  • (seiner) Verärgerung Ausdruck geben  ●  (seinem) Unmut Luft machen  variabel · Dampf ablassen  fig. · ↗(sich) auskotzen  derb, fig.
  • Flegelei · ↗Flegelhaftigkeit · ↗Grobheit · Krawallmacherei · ↗Pöbelei · ↗Rowdytum · ↗Rüpelei · ↗Rüpelhaftigkeit · provokantes Auftreten
  • Wutanfall · ↗Wutausbruch  ●  ↗Ausraster  ugs. · aggressive Aufwallung  geh.
Synonymgruppe
hinwegfegen über · hinwegrasen über · wüten

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abrißbirne Brand Buschbrand Buschfeuer Cholera Epidemie Feuer Feuersbrunst Flamme Großfeuer Hurrikan Inquisition Karibik Mob Orkan Orkantief Pest Rotstift Schneesturm Seuche Soldateska Sturm Taifun Tornado Tropensturm Tsunami Unwetter Waldbrand Wirbelsturm schlimm

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›wüten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie ist noch so klein, so zart - aber in ihrem Blut wütet der Tod!
Bild, 20.09.2003
Ein "Kampf der Kulturen" wütet verdeckt auch innerhalb des afrikanischen Dorfs.
Süddeutsche Zeitung, 20.06.1998
Der Wirt, der sich zunächst zurückgehalten hatte, wütete geradezu, wenn jemand vorschlug, Schluß zu machen.
Degenhardt, Franz Josef: Die Abholzung, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1985], S. 24
Gegen seine Anhänger wütete blutigste Verfolgung, und kaum weniger hatten die Christen zu leiden.
Altheim, Franz: Das alte Iran. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 24419
Der Weg führte an den Orten vorüber, wo der furchtbarste Kampf gewütet hatte.
Liliencron, Adda Freifrau von: Krieg und Frieden, Erinnerungen aus dem Leben einer Offiziersfrau. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 45222
Zitationshilfe
„wüten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/wüten>, abgerufen am 16.07.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Wutbürger
wutbebend
Wutausbruch
Wutanfall
Wut
wütend
wutentbrannt
Wüterei
Wüterich
Wutgebell