vortragen

GrammatikVerb · trägt vor, trug vor, hat vorgetragen
Worttrennungvor-tra-gen (computergeneriert)
Wortzerlegungvor-tragen
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
vor jmdm., einem Publikum ein sprachliches, musikalisches Kunstwerk wiedergeben, darbieten
Beispiele:
ein Gedicht, Lied, Musikstück vortragen
er trug öffentlich, einem Kreis von interessierten Zuhörern aus seinen Gedichten vor
2.
etw. (mündlich) ausführen, darlegen, berichten
Beispiele:
jmdm. eine Angelegenheit, Sache, einen Fall (ausführlich, kurz, in allen Details) vortragen
wir haben ihm unsere Bedenken, Gedanken, Sorgen vorgetragen
er hat das Problem, seinen Standpunkt, den Bericht auf der Sitzung vorgetragen
eine Bitte, Forderung, einen Wunsch vortragen
über etw. vortragen
Beispiel:
ich möchte ... in Bergedorf über meine Afrikareisen vortragen [SchomburgkAfrika234]
3.
etw., jmdn. nach vorn tragen
Beispiele:
umgangssprachlich der Schüler trug die Hefte (zum Lehrer) vor
umgangssprachlich kannst du den Tisch mit vortragen?
umgangssprachlich der Kranke wurde ins andere Zimmer vorgetragen
übertragen
Beispiele:
einen Angriff weit vortragen
das Endergebnis einer langen Kette von Versuchen [zur Erforschung der Atmosphäre], die in immer größere Höhen vorgetragen wurden [Einheit1957]
4.
Kaufmannssprache einen Betrag in ein neues Konto übernehmen
Beispiel:
die Salden vortragen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

tragen · Trage · Träger · tragbar · untragbar · abtragen · Abtrag · abträglich · antragen · Antrag · beantragen · auftragen · Auftrag · beauftragen · Beauftragter · betragen · Betrag · eintragen · Eintrag · ertragen · Ertrag · erträglich · unerträglich · vertragen · verträglich · Vertrag · vertraglich · vortragen · Vortrag · zutragen · Zuträger · zuträglich
tragen Vb. ‘eine Last halten und fortbewegen, mit etw. bekleidet sein, Früchte, Ertrag hervorbringen’, ahd. tragan (8. Jh.), mhd. tragen, asächs. dragan, mnd. drāgen, mnl. drāghen, nl. dragen, got. dragan ‘tragen’, semantisch abweichend aengl. dragan ‘ziehen, schleppen, in die Länge ziehen, gehen’, engl. to draw ‘ziehen’, anord. draga ‘ziehen, locken, fahren, Atem holen’, schwed. dra(ga) ‘ziehen’ (germ. *dragan). Außergerm. Anknüpfungen sind nicht gesichert. Aus dem Germ. zu erschließendem ie. *dherāgh-, *dhrā̌gh- ‘ziehen, am Boden schleifen’ stehen nahe ie. *trāgh- ‘ziehen, sich am Boden schleppen, sich bewegen, laufen’, wozu lat. trahere (tractum) ‘ziehen, schleppen’, sowie ie. *dereg-, wozu ↗trecken (s. d.), und ie. *dhreg̑- ‘ziehen, dahinziehen, gleiten, streifen’, wozu aind. dhrájati ‘gleitet dahin, bewegt sich, fliegt’ und (zweifelhaft) ↗trinken (s. d.); Anschluß dieser Varianten an Wurzeln wie ie. *der(ə)- ‘schinden, (ab)spalten’ (s. ↗trennen, ↗zerren) oder ie. *dher(ə)- ‘halten, festhalten, stützen’ ist möglich. Ausgangsbedeutung für tragen scheint ‘am Boden dahingleiten, schleppen, ziehen’ (von Lasten) zu sein, aus der sich ‘tragen’ (durch Lasttiere, Menschen) entwickelt. Trage f. ‘Gestell zum Tragen von Kranken, Lasten, Tragkorb’ (um 1400). Träger m. ‘wer Lasten trägt’, ahd. tragāri (8. Jh.), mhd. trager, treger, seit dem 14. Jh. mit Umlaut. tragbar Adj. ‘erträglich’, mhd. tragebære, ‘zu tragen, transportierbar, (von Kleidern) gut, bequem zu tragen, kleidsam, finanziell erschwinglich’ (18. Jh.), älter ‘trächtig, fruchtbar, gut tragend’ (17. bis 19. Jh.); untragbar Adj. ‘wirtschaftlich, finanziell nicht zumutbar, unerträglich’ (18. Jh.), älter ‘nicht tragend, unfruchtbar’ (16. bis 19. Jh.). abtragen Vb. ‘etw. wegschaffen, beseitigen, einebnen, niederreißen, (Kleidungsstücke) durch Tragen abnutzen, nach und nach bezahlen’, mhd. abetragen; davon rückgebildet Abtrag m. ‘Beeinträchtigung, Minderung, Abzahlung, Wiedergutmachung’, mhd. abetrac ‘Wegnahme, Betrug, Buße, Entschädigung’; abträglich Adj. ‘schädlich, nachteilig’ (Anfang 16. Jh.), mhd. (vereinzelt) abetragelich ‘entschädigend’. antragen Vb. ‘anbieten, vorschlagen’, ahd. anatragan (9. Jh.), mhd. anetragen ‘herantragen, an sich tragen, führen, anstellen, anstiften’; Antrag m. ‘Gesuch, schriftlich vorgebrachte Bitte, förmlicher Vorschlag, Heiratsantrag’, mhd. antrac ‘Anschlag’, rückgebildet aus dem Verb antragen im Sinne von ‘anstiften’; beantragen Vb. ‘einen Antrag stellen, um etw. ersuchen, vorschlagen’ (19. Jh.). auftragen Vb. ‘Speisen auf den Tisch tragen, servieren, aufstreichen, übertreiben, jmdn. verpflichten, etw. zu tun, Kleidungsstücke bis zur Abnutzung tragen, aufbauschen’, mhd. ūftragen ‘in die Höhe streben, reichen’, reflexiv ‘sich erheben, darlegen, opfern’; Auftrag m. ‘(An)weisung, Aufgabe, Verpflichtung’ (17. Jh.), Rückbildung aus dem Verb; davon abgeleitet beauftragen Vb. ‘jmdm. einen Auftrag erteilen’ und Beauftragter m. ‘wer einen Auftrag auszuführen hat’ (beide Ende 18. Jh.). betragen Vb. ‘eine bestimmte Summe, Höhe, ein bestimmtes Maß erreichen, ausmachen’ (17. Jh.), reflexiv ‘sich benehmen, sich aufführen, sich verhalten’ (18. Jh.), mhd. betragen ‘tragen, bringen, ertragen, aussöhnen, beilegen’, reflexiv ‘sich nähren, sich behelfen, sich begnügen, sich befassen, sich abgeben mit’; Betrag m. ‘bestimmte Menge, Geldsumme’ (18. Jh.); vgl. mhd. betrac ‘Vertrag, Vergleich, Erwägung, Sorge’. eintragen Vb. ‘an einen Ort tragen, an einer bestimmten Stelle zusammentragen’, sodann ‘Ertrag, Gewinn bringen, abwerfen’ (16. Jh.), ‘ein-, hineinschreiben, vermerken’ (17. Jh.), ahd. intragan ‘hineintragen’ (9. Jh.), mhd. īntragen, auch ‘einbringen, nutzen’; zu eintragen im Sinne von ‘hineinschreiben’ ist rückgebildet Eintrag m. ‘schriftlicher Vermerk, an bestimmter Stelle eingetragene Bemerkung, (Akten)notiz’ (17. Jh.); vgl. mhd. īntrac ‘Schaden, Nachteil, Einwand, Einrede’, dazu die Wendung einer Sache Eintrag tun ‘sie beeinträchtigen, ihr abträglich sein, sie schädigen’, mhd. īntrac tuon. ertragen Vb. ‘Unangenehmes hinnehmen, ohne sich aufzulehnen, erdulden’, mhd. ertragen ‘vertragen, ertragen’, im 16. Jh. in der heute veralteten Bedeutung ‘einbringen, Nutzen abwerfen’; dazu rückgebildet Ertrag m. ‘bestimmte Menge erzeugter Güter (besonders in der Landwirtschaft), Ausbeute, finanzieller Gewinn’ (16. Jh.); erträglich Adj. ‘so beschaffen, daß es sich ertragen läßt’, unerträglich Adj. (beide 16. Jh.). vertragen Vb. ‘(körperlich, psychisch) ohne Schaden aushalten’, reflexiv ‘gut zusammenpassen, miteinander auskommen’, ahd. firtragan (8. Jh.), mhd. vertragen ‘wegtragen, verleiten, ertragen, erdulden, sich gefallen lassen, verschonen, aussöhnen, einen Vertrag schließen’; verträglich Adj. ‘umgänglich, friedlich, bekömmlich’, mhd. vertregelich, vertragelich, eigentlich ‘erträglich’, vgl. ahd. unfirtragantlīh ‘unerträglich’ (11. Jh.), mhd. und frühnhd. vereinzelt noch vertragenlich. Vertrag m. ‘rechtsgültige Vereinbarung, Abmachung zwischen zwei oder mehreren Partnern, Kontrakt’, mhd. vertrac ‘Vereinbarung, Verträglichkeit, Dauer, Gewinn’; vertraglich Adj. ‘durch Vertrag festgelegt, gemäß dem Vertrag’ (Ende 19. Jh.), zuerst Adverb. vortragen Vb. ‘nach vorn tragen, (zum Essen) vorsetzen’, ahd. furitragan, mhd. vür-, vortragen, mnd. vordragen, -dregen, ‘in Worten vorbringen, darlegen’ (14. Jh.). Vortrag m. ‘mündliche Darlegung, Rede’ (um 1500). zutragen Vb. ‘etw. zu jmdm. hinbringen, (heimlich) hinterbringen, mitteilen’, reflexiv ‘sich ereignen, geschehen’ (15. Jh.), ahd. zuotragan ‘herbeibringen’ (um 1000); Zuträger m. ‘wer anderen (heimlich) Nachrichten zuträgt’ (15. Jh.); zuträglich Adj. ‘die Gesundheit fördernd, bekömmlich, förderlich, nützlich’ (16. Jh.), zum Verb zutragen in der veralteten Bedeutung ‘nützen’ bzw. zum heute unüblichen Substantiv Zutrag ‘Nutzen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
deklamieren · ↗referieren · ↗vorsprechen · ↗wiedergeben  ●  vortragen  Hauptform
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (eine) Ansprache halten · (eine) Rede halten · (einen) Vortrag halten · ↗dozieren · vortragen
  • erzählen · ↗schildern · ↗wiedergeben · zum Besten geben  ●  ↗(einen) raushauen  derb, salopp · vom Stapel lassen  ugs., salopp, fig. · zu berichten wissen  geh.
Synonymgruppe
aufführen · ↗geben · ↗spielen · vortragen (Theaterstück) · zum Besten geben
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Synonymgruppe
(eine) Ansprache halten · (eine) Rede halten · (einen) Vortrag halten · ↗dozieren · vortragen
Oberbegriffe
Assoziationen
  • auf offener Straße · vor allen Leuten · vor aller Augen · vor aller Welt · vor aller Öffentlichkeit · vor versammelter Mannschaft · ↗öffentlich  ●  auf offener Bühne  fig. · ↗coram publico  lat. · in aller Öffentlichkeit  Hauptform · vor den Augen der Menge (ältere Sprache)  geh.
  • (eine) Vorlesung halten · ↗dozieren · ↗lehren · ↗lesen
  • deklamieren · ↗referieren · ↗vorsprechen · ↗wiedergeben  ●  vortragen  Hauptform
Synonymgruppe
(auswendig) aufsagen · ↗hersagen · ↗rezitieren · vortragen · ↗wiedergeben
Assoziationen
Synonymgruppe
(die) Behauptung aufstellen · ↗angeben · ↗aussagen · ↗behaupten · ↗erklären · geltend machen · vortragen (vor Gericht)
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(alle) nennen · ↗(einzeln) angeben · Punkt für Punkt nennen · ↗anführen (Beispiele, Gründe ...) · ↗aufführen (= nennen) · ↗auflisten · ↗aufsagen · ↗aufzählen · einzeln nennen · ↗herunterbeten · ↗vorbringen · vortragen (z.B. vor Gericht)
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angriff Anklage Anliegen Argument Ballade Bedenken Beschwerde Bitte Einwand Forderung Gedanke Gedicht Idee Lied Meinung Passage Rechnung Rede Regierungserklärung Schauspieler Song Sorge Standpunkt Text These Thesis Vers Wunsch tragen Überlegung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vortragen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Am liebsten lässt er sich alles, was er wissen muss, vortragen.
Der Tagesspiegel, 29.12.2000
Offensichtlich war man bemüht die Story würdevoll vorzutragen - und würdevoll wurde sie dann leider auch.
Süddeutsche Zeitung, 30.09.1996
Ihrem wehmütig-melancholischen Charakter entsprechend wurden die Bl. urspr. im langsamen Tempo vorgetragen.
o. A.: B. In: Brockhaus-Riemann-Musiklexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1989], S. 6356
Dann wollen Sie sie zur Übersetzung vorlegen, und dann können Sie sie vortragen.
o. A.: Einhundertzweiundsiebzigster Tag. Freitag, 5. Juli 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 12723
Wenn uns die Zeit nicht so drängte, wäre es mir ein besonderer Genuß, dieses Schreiben in extenso hier vorzutragen.
o. A.: Einhundertundneunzehnter Tag. Donnerstag, 2. Mai 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 10031
Zitationshilfe
„vortragen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/vortragen>, abgerufen am 25.06.2019.

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