vorstellen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungvor-stel-len (computergeneriert)
Wortzerlegungvor-stellen
Wortbildung mit ›vorstellen‹ als Erstglied: ↗vorstellbar · ↗vorstellig
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
jmdn., sich (jmdm.) vorstellenjmdn., sich (mit jmdm.) bekannt machen, (bei jmdm.) einführen
Beispiele:
er stellte mir seinen Bekannten vor
erlauben Sie, dass ich mich (Ihnen) vorstelle? Mein Name ist ..., ich heiße ...
darf ich Ihnen Herrn M vorstellen?
sie hat uns einander, gegenseitig vorgestellt
er stellte sich mit seinem vollen Namen vor
er stellte sich uns als Fachkollege vor
die Kandidaten stellen sich auf Einwohnerversammlungen vor
der Bewerber soll sich morgen in diesem Betrieb, bei der Kaderabteilung vorstellen
das Orchester, die Fußballmannschaft stellt sich dem hiesigen Publikum vor
(jmdm.) etw. vorstellenetw. vorführen, zum ersten Male zeigen
Beispiele:
auf der Modenschau wurden die Modelle für die Sommersaison vorgestellt
die Innovation wird auf der Messe den Fachleuten vorgestellt
2.
sich [Dativ] etw. vorstellensich in Gedanken ein Bild von etw. machen, sich etw. denken
Beispiele:
er konnte sich (gut, genau, lebhaft) vorstellen, wie das zugegangen war
es ist schwer, sich diese Vorgänge vorzustellen
unter diesem Begriff konnte er sich nichts vorstellen
wir haben uns die Arbeit interessanter, seine Wohnung moderner vorgestellt
sie hatte sich ihn als großen stattlichen Mann vorgestellt
umgangssprachlich stell dir vor (= denke dir), er will morgen kommen!
umgangssprachlich hohe Politik wird nicht so gemacht, wie sich's der kleine Moritz vorstellt [KischMarktplatz173]
3.
jmdn., etw. darstellen
a)
jmdn. verkörpern, spielen
Beispiele:
er will auf dem Kostümfest einen Torero vorstellen
was stellst du beim Festzug, in diesem Spiel vor?
seit dem Augenblick, wo er den Hamlet und sie die Ophelia vorgestellt [G. Hauptm.2,461]
umgangssprachlich jmd. stellt etwas vorjmd. wirkt gut, gilt als eine Persönlichkeit
Beispiele:
ihr Mann stellt etwas vor
warum will sie etwas Besonderes vorstellen?
b)
etw., jmdn. im Bilde, in einer Nachbildung wiedergeben
Beispiele:
ich weiß nicht, was diese Plastik vorstellen soll
die Szenerie stellte eine Waldlandschaft vor
das Gemälde stellt ihren Vater vor
4.
etw. nach vorn stellen, vorrücken
Beispiele:
sie stellt den Koffer ein Stück vor, hat den Stuhl zu weit vorgestellt
er hatte das rechte Bein vorgestellt
den Hebel (an der Maschine), die Zeiger (der Uhr) vorstellen
die Uhr um eine volle Stunde vorstellen
5.
etw. vor etw. stellen
Beispiele:
wo die Tapete schadhaft ist, kannst du doch das Regal vorstellen
als Schutz gegen das Licht, die Hitze, Zugluft einen Schirm vorstellen
6.
einen Patienten dem Arzt vorstelleneinen Patienten zum Arzt bringen, vom Arzt untersuchen lassen
Beispiele:
ein Kind (regelmäßig, rechtzeitig) dem Arzt vorstellen
ich soll mich nach Beendigung der Kur noch einmal (bei der Ärztin) vorstellen
7.
jmdm. etw. eindringlich vor Augen führen, zu bedenken geben
Beispiele:
jmdm. seine Lage, die möglichen Folgen, alle Gefahren, Schwierigkeiten vorstellen
wenn du ... ihr die Dinge vorstellst, wie sie liegen [G. Hauptm.Einsame MenschenIII]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stellen · Stelle · Stellmacher · Stellvertreter · Stellung · Stellage · abstellen · anstellen · Angestellter · Anstellung · ausstellen · Ausstellung · bestellen · entstellen · herstellen · wiederherstellen · Hersteller · Herstellung · nachstellen · verstellen · Verstellung · vorstellen · Vorstellung
stellen Vb. ‘an einem Ort zum Stehen bringen, aufstellen’, ahd. stellen (8. Jh.), mhd. stellen, stallen (Prät. mit Rückumlaut ahd. stalta, mhd. stalte, s. auch ↗Anstalt, ↗Gestalt), asächs. stellian ‘hinstellen’, mnd. mnl. nl. stellen, aengl. stellan sind im Sinne von ‘an einem Standort aufstellen’ gebildet zu germ. *stalla- ‘Standort, Platz’ (s. ↗Stall). Stelle f. ‘Ort, Platz, Amt, Behörde’, Rückbildung des 16. Jhs. aus dem Verb, eigentlich ‘Platz, Ort, wo etw. steht’; vgl. mhd. himelstelle ‘Stelle, Sitz im Himmel, Himmelsthron’. Stellmacher m. ‘wer Gestelle für Wagen herstellt’, spätmhd. (omd.) stellemacher, im Nordd. und Omd. verbreitet, zum ja-Stamm Stell n. ‘Gestell’ (frühnhd. bis ins 17. Jh., noch mundartlich im Nordd.), vgl. ahd. -stelli in forastelli ‘Stuhlverstopfung’ (um 1100); s. auch ↗Bettgestell. Stellvertreter m. ‘wer im Auftrag und Namen eines anderen handelt’ (17. Jh.). Stellung f. ‘das Stellen, Körperhaltung, Stand, Anordnung, Lage, Amt, Posten, militärisch befestigter Punkt bzw. Abschnitt’, mhd. stallunge, stellung; vgl. stellungslos (Ende 19. Jh.). Stellage f. ‘Gerüst, Gestell’, Übernahme (16. Jh.) von nl. stellage ‘Bau- oder Schaugerüst’, einer Bildung mit frz. Endung zu mnl. stellen (s. oben). abstellen Vb. ‘etw. abschaffen, beseitigen’ (15. Jh.), ‘niedersetzen’ (16. Jh.), ‘außer Betrieb setzen, abschalten, auf etw. abzielen’ (18. Jh.). anstellen Vb. ‘nahe woran stellen, lehnen, in eine Stelle, ein Amt einsetzen, bewerkstelligen, unternehmen, anstiften, zum Fließen, Strömen bringen’, reflexiv ‘sich anreihen’, mhd. anestellen ‘einstellen, aufschieben’; Angestellter m. ‘in einem abhängigen Arbeitsverhältnis Stehender’ (Anfang 19. Jh.); Anstellung f. ‘Arbeitsverhältnis, Arbeitsplatz’ (19. Jh.), ‘Einrichtung, Anordnung, Bewirkung’, auch ‘Aufschub’ (15. Jh.), Anstellung machen (17. Jh.) für älteres Anstalt(en) machen (s. ↗Anstalt). ausstellen Vb. ‘anfertigen, öffentlich zur Schau stellen, bemängeln, kritisieren’, auch ‘hinausstellen’ (15. Jh.); Ausstellung f. ‘öffentliches Zurschaustellen einer Sammlung o. ä., Ausfertigung, Bemängelung’ (17. Jh.). bestellen Vb. ‘in Auftrag geben, anfordern, bearbeiten, (eine Botschaft) ausrichten’, ahd. bistellen ‘besetzen, bekränzen’ (9. Jh.), mhd. bestellen ‘von allen Seiten umstellen, besetzen, einsäumen, einstellen, anordnen, besorgen, instand setzen’. entstellen Vb. ‘verunstalten’, mhd. entstellen, auch reflexiv ‘sich verstellen’, eigentlich ‘aus der rechten Stellung oder Form bringen’. herstellen Vb. ‘an einen bestimmten Platz stellen, restaurieren, anfertigen, produzieren’ (16. Jh.); wiederherstellen Vb. ‘in den alten Zustand versetzen, ausbessern, reparieren’ (18. Jh.); Hersteller m. ‘Produzent’ (19. Jh.), anfangs auch ‘Restaurator’; Herstellung f. ‘das Anfertigen, Produktion, Verlagsabteilung für typographische Gestaltung und Kalkulation der Bücher’ (19. Jh.). nachstellen Vb. ‘auflauern, verfolgen’ (16. Jh.; eigentlich Schlingen, Fallen stellen). verstellen Vb. ‘verbarrikadieren, an einen anderen Platz stellen, falsch stellen’, übertragen (reflexiv) ‘sich anders geben, als man ist, etw. vortäuschen’, mhd. verstellen ‘zum Stehen bringen, im Fließen aufhalten, (sich) verwandeln, verunstalten, unkenntlich machen’; Verstellung f. ‘Umstellung, Verunstaltung, (Vor)täuschung’ (15. Jh.). vorstellen Vb. ‘nach vorn stellen, bekannt machen’, reflexiv ‘sich ein geistiges Bild machen’ (16. Jh.); Vorstellung f. ‘das Bekanntmachen, geistiges Bild, Idee, Aufführung, Einwand, Vorhaltung’ (um 1600).

Thesaurus

Synonymgruppe
abbilden · ↗darstellen · ↗demonstrieren · ↗präsentieren · ↗vorführen · vorstellen · ↗vorzeigen · ↗zeigen
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) ein Bild machen (von) · ↗(sich) vergegenwärtigen · (sich) vorstellen
Synonymgruppe
(einen/den) Kontakt herstellen · (jemanden) vorstellen · ↗bekanntmachen · ↗einführen (in bestimmte Kreise) · in Kontakt bringen (mit) · ↗zusammenbringen (mit)
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem) vorschweben · (sich) vorstellen · denken an · im Sinn haben
Synonymgruppe
(etwas) bildlich vor sich sehen · (sich) (plastisch) vorstellen · ↗imaginieren  ●  (in allen Details) vor seinem geistigen Auge (sehen)  variabel · (sich) lebhaft vorstellen können  ugs., floskelhaft · ich sehe es schon deutlich vor mir  ugs., Spruch, variabel
Assoziationen
  • (einen) (unvergesslich) komischen Anblick bieten · (sehr) lustig aussehen  ●  (ein) komischer Anblick (sein)  selten · (ein) Bild für die Götter (sein)  ugs.
  • (etwas) im Kopf haben · ↗(etwas) mitdenken · (etwas) präsent haben · (jemandem) (klar) vor Augen stehen · (jemandem) bewusst sein · (jemandem) gegenwärtig (sein) · (jemandem) präsent sein · (sich) über etwas im Klaren sein  ●  (etwas) nicht vergessen haben  ugs. · (jemanden/etwas) auf dem Schirm haben  ugs. · an etwas denken  ugs.
Synonymgruppe
(seinen) Namen nennen · (sich) vorstellen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Buch Dienstag Donnerstag Ergebnis Freitag Kabinett Konzept Mittwoch Modell Montag Plan Programm Projekt Zukunft auch du durchaus einmal er gestern gut heute ich kaum man nicht sie so stellen wir

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vorstellen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie ein Schriftsteller mit einem Computer arbeiten kann.
konkret, 1989
Vielleicht stelle ich mir alle Männer wie mich selber vor.
Bachmann, Ingeborg: Malina, Gütersloh: Bertelsmann 1992 [1971], S. 217
Er hat sich das, erzählt er mir seufzend, entschieden zu simpel vorgestellt.
Becker, Jurek: Jakob der Lügner, Berlin: Aufbau-Verl. 1969, S. 101
Nur darf man sich dieses Ermitteln nicht wie ein geschwindes intuitives Erschauen vorstellen.
Hartmann, Nicolai: Der Aufbau der realen Welt, Berlin: de Gruyter 1940, S. 162
Nach ihren Einrichtungen zu urteilen, kann man sich das nur schwer vorstellen.
Tucholsky, Kurt: »Guten Morgen - dies ist Ihre Zeitung!«. In: Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1928]
Zitationshilfe
„vorstellen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/vorstellen>, abgerufen am 19.07.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
vorstellbar
Vorstehhund
Vorsteherdrüse
Vorsteher
vorstehend
vorstellig
Vorstellung
Vorstellungsart
Vorstellungsbild
Vorstellungsform