vorbeugen

GrammatikVerb
Worttrennungvor-beu-gen (computergeneriert)
Wortzerlegungvor-beugen
Wortbildung mit ›vorbeugen‹ als Erstglied: ↗Vorbeugung
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
einen Körperteil, sich nach vorn beugen
Beispiele:
den Oberkörper vorbeugen
mit vorgebeugtem Kopf dasitzen
er beugte sich weit, plötzlich vor
um etw. sehen zu können, mussten wir uns vorbeugen
sie arbeitete vorgebeugt
2.
(einer Sache) vorbeugen(einer Sache) vorausschauend entgegenwirken, durch rechtzeitige Vorsorge etw. zu verhüten suchen
Beispiele:
einem Konflikt, möglichen Angriffen vorbeugen
durch Verhandlungen sollte der Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung vorgebeugt werden
einer Krankheit, Seuche vorbeugen
durch eine vernünftige Lebensweise kann man Erkältungen vorbeugen
sprichwörtlich vorbeugen ist besser als heilen
vorbeugendvorsorglich, präventiv, prophylaktisch
Grammatik: oft im Part. Präs.
Beispiele:
vorbeugende Maßnahmen
die Aufgaben des vorbeugenden Gesundheitsschutzes, Brandschutzes
eine vorbeugende Untersuchung, Impfung, Erholungskur
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

beugen · Beugung · Beuge · verbeugen · Verbeugung · vorbeugen
beugen Vb. ‘nach unten biegen, krumm machen, neigen’, ahd. bougen ‘beugen, biegen, krümmen, neigen’ (10./11. Jh.), mhd. böugen, asächs. bōgian, aengl. bīegan, anord. beygja, schwed. böja. Das Kausativum germ. *baugjan (eigentlich ‘biegen machen’) ist gebildet zu dem unter ↗biegen (s. d.) behandelten starken Verb, das in den germ. Sprachen weitgehend intransitive Bedeutung hat. Da im Hd. biegen aber überwiegend transitiv gebraucht wird, haben sich beugen und biegen einander so weit genähert, daß sie semantisch nicht immer klar zu scheiden sind. beugen ist vor allem ‘niederbeugen’, übertragener Gebrauch ist häufiger als bei biegen: seinen Stolz beugen (‘brechen’); sich beugen ‘nachgeben, sich fügen’; fachsprachlich das Recht beugen ‘willkürlich verdrehen’; Lichtstrahlen, Ultrakurzwellen beugen (‘brechen, ablenken’). Bei den Grammatikern steht beugen seit etwa 1400 (in dt. Donat-Ausgaben) für ‘deklinieren’ (lat. dēclīnāre), seit etwa 1700 für ‘flektieren’, vgl. noch heute Substantive beugen, schwach, stark gebeugte Verben. Beugung f. entsprechend den Bedeutungen von beugen seit Anfang des 15. Jhs. belegt; als Fachwort der Grammatik vereinzelt (um 1400, Donat) für lat. dēclīnātio, doch im Sinne von ‘Konjugation’; danach erst wieder im 17. Jh. für ‘Flexion’. Beuge f. ‘gebeugte Stellung, innere Seite des gebeugten Armes, Beines’, mhd. biuge ‘Krümmung, Biegung’. In allgemeiner Verwendung meist durch Beugung ersetzt, geläufig dagegen in Rumpf- und Kniebeuge. verbeugen Vb. in frühnhd. Zeit gleichbed. mit verbiegen ‘durch Herunterdrücken krümmen’; heute reflexiv (beim Grüßen oder als Zeichen der Ehrerbietung) ‘Kopf und Oberkörper nach vorn neigen’ (seit 18. Jh.); dazu Verbeugung f. (18. Jh.). vorbeugen Vb. ‘durch rechtzeitige Vorsorge etw. zu verhüten suchen’ (16. Jh.), ‘nach vorn, vorwärts beugen’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) bücken · (sich) vorbeugen · den Rücken beugen · den Rücken krümmen
Synonymgruppe
(einer Sache) zuvorkommen · (sich) absichern gegen · Vorkehrungen treffen (gegen) · Vorsichtsmaßnahmen ergreifen (gegen) · Vorsorge treffen (gegen)  ●  (einer Sache) vorbeugen  Hauptform · ↗vorbauen  fig.
Assoziationen
  • (etwas) bekämpfen, bevor es entsteht · (etwas) noch vor seiner Entstehung verhindern · (etwas) schon im Ansatz unterdrücken · (etwas) schon im Vorfeld abblocken · ↗(etwas) vereiteln · (gar) nicht (erst) aufkommen lassen · (gar) nicht (erst) einreißen lassen · von vornherein unterbinden  ●  im Keim ersticken  fig., Hauptform · den Anfängen wehren (lit.)  geh.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Allergie Ansteckung Erkrankung Erkältung Ermüdung Eventualität Gefahr Herz-Kreislauf-Erkrankung Herzinfarkt Herzkrankheit Infarkt Infektion Inflationsgefahr Interessenkonflikt Krankheit Krebs Krisis Legendenbildung Mißbrauch Mißverständnis Oberkörper Osteoporose Schlaganfall Thrombose Vandalismus Verwechslung Vitamin Wiederholung beugen Überhitzung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vorbeugen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Erzählt sie ihm von der Diagnose, könnte er dem Leiden vorbeugen.
Süddeutsche Zeitung, 26.11.2004
Nun ist es an der Zeit, einer falschen Interpretation vorzubeugen.
Die Zeit, 18.02.1985, Nr. 07
Er hüpfte wie ein Rabe, den glänzenden schwarzen Kopf vorgebeugt.
Reimann, Brigitte: Franziska Linkerhand, Berlin: Neues Leben 1974, S. 70
Da beugt er sich vor und greift nach ihren Händen.
Horster, Hans-Ulrich [d.i. Rhein, Eduard]: Ein Herz spielt falsch, Köln: Lingen 1991 [1950], S. 187
Vor allem muß der Herr stehend eine straffe Haltung, leicht vorgebeugt, einnehmen, wenn er vorgestellt wird.
Volkland, Alfred: Überall gern gesehen. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1941], S. 22897
Zitationshilfe
„vorbeugen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/vorbeugen>, abgerufen am 14.11.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Vorbeugehaft
Vorbeter
vorbeten
Vorbestrafte
vorbestraft
Vorbeugung
Vorbeugungsmaßnahme
Vorbeugungsmittel
vorbewusst
Vorbewusste