verurteilen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungver-ur-tei-len
Wortbildung mit ›verurteilen‹ als Erstglied: ↗Verurteilung  ·  mit ›verurteilen‹ als Letztglied: ↗vorverurteilen
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
jmdn. verurteilenüber jmdn. eine gerichtliche Strafe verhängen
Beispiele:
jmdn. zu einer Geldstrafe, zu einer Freiheitsstrafe (von zwei Jahren) verurteilen
er wurde für schuldig befunden und (in Abwesenheit) zum Tode verurteilt
jmdn. wegen Diebstahl (in drei Fällen) verurteilen
jmdn. bedingt, rechtskräftig verurteilen
der, die Verurteilte nahm das Urteil an
übertragen
Beispiele:
er war zu einem längeren Krankenlager verurteilt
etw. ist zur Bedeutungslosigkeit verurteilt
dieses Vorhaben war von Anfang an zum Scheitern verurteilt (= musste scheitern, fehlschlagen)
2.
etw., jmdn. negativ beurteilen, ablehnen
Beispiele:
jmds. Benehmen verurteilen
seine Handlungsweise, diese Tat wurde von allen aufs Schärfste verurteilt
ohne seine Motive zu kennen, sollte man ihn, sein Verhalten nicht vorschnell verurteilen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Urteil · urteilen · aburteilen · Aburteilung · beurteilen · Beurteilung · verurteilen · Verurteilung · Urteilskraft · Urteilsvermögen
Urteil n. ‘richterliche Entscheidung, Meinung, Ansicht, Einschätzung’. Die unterschiedlich gebildeten Substantive ahd. urteili n. (8. Jh.), urteilī f. (9. Jh.), urteila f. (9. Jh.), urteil m. n. (9. Jh.), urteilida f. (um 800), mhd. urteil(e), urtel, urteilde n. f. ‘richterliche Entscheidung, Urteil, Meinung, Ausspruch, Entscheidung’, asächs. urdēli n., mnd. ōrdēl n., mnl. o(o)rdeel, nl. oordeel n., aengl. ordāl m. n., engl. ordeal (‘Gottesurteil’) stehen als Abstrakta zu dem unter ↗erteilen (s. ↗Teil) behandelten Verb (zur unterschiedlichen Lautgestalt des Präfixes s. ↗ur- und ↗er-). Urteil wird von Anfang an in dem rechtssprachlichen Sinne ‘Zuteilung (des Rechts)’ gebraucht; die verallgemeinerte Bedeutung ‘Meinung, Ansicht’ entwickelt sich in der mystischen Literatur des Mittelalters. Neutrales Genus setzt sich im 18. Jh. durch. urteilen Vb. ‘ein Urteil fällen, eine feste Meinung, Ansicht haben und aussprechen, einschätzen’, mhd. urteilen ‘ein Urteil sprechen, be-, verurteilen’, älteres gleichbed. erteilen verdrängend. aburteilen Vb. ‘rechtskräftig verurteilen’ (Anfang 17. Jh.), zuvor ‘eine Rechtssache, einen Prozeß durch (gerichtliches) Urteil entscheiden’ (Ende 15. Jh.), ‘beurteilen’ (Anfang 16. Jh.); vgl. mnd. afōrdēlen ‘gerichtlich aberkennen’; Aburteilung f. (2. Hälfte 18. Jh.). beurteilen Vb. ‘ein Urteil abgeben, bewerten, abschätzen, begutachten’ (Anfang 16. Jh.); vgl. mnd. beȫrdēlen, beōrdēlen ‘urteilen, Urteil finden über’; Beurteilung f. ‘Bewertung, Einschätzung, Begutachtung’ (1. Hälfte 17. Jh.). verurteilen Vb. ‘durch Gerichtsbeschluß eine Strafe über jmdn. verhängen, ablehnend beurteilen, ablehnen’, mhd. verurteilen ‘richterlich entscheiden, ein Urteil verkünden’; vgl. mnd. vorȫrdēlen ‘gerichtlich verurteilen, abfällig urteilen über’; Verurteilung f. (2. Hälfte 16. Jh.). Urteilskraft f. ‘Fähigkeit, sachlich zu urteilen’ (17. Jh., neben Urteilungskraft und Urteilenskraft). Urteilsvermögen n. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(einer Sache) ablehnend gegenüber stehen · (einer Sache) ablehnend gegenüberstehen · (sich) ablehnend äußern · (sich) stören an · Position beziehen gegen · Stellung beziehen gegen · abrücken von · dagegen sein · gegen etwas sein · ↗kritisieren · ↗missbilligen · mit Verachtung strafen · nein sagen zu · nicht für richtig halten · verurteilen  ●  (sich) wenig aufgeschlossen zeigen (für)  verhüllend · ↗ablehnen  Hauptform · böse Zungen (sagen)  variabel · die Zustimmung versagen  variabel · wenig Verständnis haben (für)  variabel · Anstoß nehmen (an)  ugs. · wenig schmeichelhafte Worte finden (zu / über)  geh., verhüllend
Assoziationen
  • (die) Nase rümpfen (über) · ↗missbilligen  ●  (sich) wenig begeistert zeigen  verhüllend · (sein) Missfallen bekunden  geh. · (sein) Missfallen äußern  geh.
  • abgewertet zu · geschmäht als · heruntergemacht zu · verschrien als · verächtlich gemacht als
  • (politischer o.ä.) Gegner · Andersdenkender · ↗Kritiker · ↗Opponent
Synonymgruppe
(hart) kritisieren · ↗(öffentlich) anprangern · ↗brandmarken · ↗geißeln · ins Gericht gehen (mit) · ↗richten (archaisierend) · ↗stigmatisieren · ↗verdammen · verurteilen · ↗ächten · öffentlich beschuldigen  ●  (das) Urteil sprechen (über)  fig. · an den Pranger stellen  fig. · unter Beschuss nehmen  fig. · (jemandem) ans Bein pinkeln  ugs., fig. · beredte Klage führen (über)  geh. · den Stab brechen über  ugs., fig.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Strafe verhängen · ↗aburteilen · ↗bestrafen · für schuldig erklären · mit Strafe belegen · ↗schuldig sprechen · verurteilen (zu)  ●  ↗verknurren (zu)  schweiz. · ↗bekommen  ugs. · ↗verdonnern (zu)  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abwesenheit Amtsgericht Angeklagte Anschlag Betrug Bewährung Bewährungsstrafe Freiheitsstrafe Gefängnis Gefängnisstrafe Geldstrafe Gericht Haft Haftstrafe Instanz Jahr Jugendstrafe Körperverletzung Landgericht Monat Mord Richter Scheitern Steuerhinterziehung Strafe Totschlag Vergewaltigung Zahlung scharf verhaften

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verurteilen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er fühlt sich mit Sicherheit nicht zur Wahrnehmung seines Amtes verurteilt.
Die Welt, 15.11.2003
Darf man in diesen Tagen öffentlich angekündigte gute Taten verurteilen?
Der Tagesspiegel, 13.09.2001
Dann würde es mir schwer fallen, einen solchen Mann zu verurteilen.
o. A.: Einundsiebzigster Tag. Freitag, 1. März 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 4821
Also verurteilen Sie mich, ich habe mit dem Schicksal abgeschlossen, aber ich lasse mich nicht quälen.
Friedländer, Hugo: Massenmörder Hugo Schenk und Genossen vor einem Wiener Ausnahmegerichtshof. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1913], S. 3463
Daher hat sie die Zeit von 1770 bis 1820 so stark verurteilt.
Schmoller, Gustav: Grundriß der Allgemeinen Volkswirtschaftslehre Erster Teil, Berlin: Duncker & Humblot 1978 [1900], S. 607
Zitationshilfe
„verurteilen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/verurteilen>, abgerufen am 19.04.2019.

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