verunglücken

GrammatikVerb · verunglückte, ist verunglückt
Aussprache
Worttrennungver-un-glü-cken
GrundformUnglück
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
einen Unfall erleiden
Beispiele:
mit dem Auto, Flugzeug, Fahrrad verunglücken
er ist auf dem Weg zu seiner Arbeitsstelle, beim Überqueren der Fahrbahn, in angetrunkenem Zustand verunglückt
schwer, tödlich verunglücken
das Auto verunglückte auf der Fahrt nach M
der verunglückte Fahrer, Fußgänger wurde sofort in ein Krankenhaus gebracht
der, die Verunglückte
2.
umgangssprachlich etw. verunglücktetw. misslingt, missglückt
Beispiele:
der Versuch, sie umzustimmen, war verunglückt
eine verunglückte Rede, Aufführung, Geburtstagsfeier
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Glück · glücken · beglücken · glücklich · Unglück · unglücklich · verunglücken · glückselig · Glückseligkeit · Glückskind · Glückspilz · Glücksrad · Glücksritter
Glück n. ‘zufälliges, überraschendes Zusammentreffen günstiger Umstände, Schicksal, Gemütszustand innerer Befriedigung’, mhd. g(e)lücke, mnd. (ge)lükke, mnl. (ghe)lucke, (ge)luc, nl. geluk; entlehnt aus dem Mnd. sind afries. lukk, mengl. luk(e), engl. luck, anord. lukka, lykka, schwed. lycka. Mhd. g(e)lücke ist erstmals in der frühhöfischen Dichtung (1160) bezeugt und verbreitet sich mit der höfisch-ritterlichen Kultur vom Rhein aus über das dt. Sprachgebiet. Es bedeutet anfangs ‘Schicksal, Geschick, Ausgang eines Geschehens oder einer Angelegenheit (sowohl zum Guten als auch zum Bösen)’ und tritt als Schicksalsbegriff in Konkurrenz mit mhd. sælde und heil (s. ↗selig und ↗Heil), den älteren Ausdrücken für ‘Segen, Heil, Glück’. Aus dem engeren Gebrauch im Sinne von ‘günstiger Verlauf oder Ausgang eines Geschehens, günstiges Geschick’ entwickelt sich Glück zur Bezeichnung des wünschenswerten ‘Zustandes starker innerer Befriedigung und Freude’. Im 14. Jh. nimmt Glück auch die Bedeutung von ‘Beruf, Lebensunterhalt’ an. Die Herkunft des erst relativ spät auftretenden Wortes ist nicht geklärt. Verschiedene, jedoch sämtlich nicht befriedigende Herleitungsversuche sind zusammengestellt in ¹DWB 4, 1, 5, 226 f. glücken Vb. ‘gelingen, nach Wunsch ablaufen’, mhd. g(e)lücken, zum Substantiv gebildet; im Mhd. nur selten, erst in nhd. Zeit sich ausbreitend. beglücken Vb. ‘glücklich machen, erfreuen’ (Anfang 17. Jh.). glücklich Adj. ‘vom Glück begünstigt, erfolgreich, zufrieden, vorteilhaft, günstig’, mhd. gelückelich ‘vom Zufall, vom Schicksal abhängig, günstig’. Unglück n. ‘verhängnisvolles Ereignis, schweres Mißgeschick, Schicksalsschlag, Pech’, mhd. ung(e)lücke. unglücklich Adj. ‘traurig, niedergeschlagen, bedrückt, verhängnisvoll’ (15. Jh.). verunglücken Vb. ‘einen Unfall erleiden, mißlingen, mißraten’ (17. Jh.). glückselig Adj. ‘sehr glücklich, überglücklich’, mhd. gelücksælec. Glückseligkeit f. spätmhd. gelücksælecheit. Glückskind n. ‘vom Glück Begünstigter, wem alles gelingt’ (16. Jh.), vielleicht nach lat. fortunae filius. Glückspilz m. zunächst im Sinne von ‘Emporkömmling, Parvenü’ (2. Hälfte 18. Jh.), eigentlich ‘wer wie ein Pilz plötzlich aus dem Nichts aufschießt’ (vielleicht unter Einfluß von engl. mushroom, das sowohl ‘Pilz’ wie auch ‘Emporkömmling’ bedeutet); von der 2. Hälfte des 19. Jhs. an gleichbed. mit Glückskind. Glücksrad n. Sinnbild für die Veränderlichkeit des Glücks, auch ‘das sich drehende Rad bei Verlosungen und bestimmten Glücksspielen’, mhd. des gelückes rat, auch gelückrat, später glükrad (14. Jh.), seit dem 17. Jh. Glücksrad, seltener Glückrad. Glücksritter m. ‘wer sich in seinem Handeln sorglos auf sein Glück verläßt’, auch abschätzig ‘Abenteurer’ (2. Hälfte 18. Jh.), zunächst auf mittelalterliche Verhältnisse bezogen ‘Ritter, der auf Glück auszieht’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(einen) Unfall haben · (einen) Unfall verursachen · verunglücken  ●  (einen) Unfall bauen  ugs. · ↗verunfallen  fachspr., Amtsdeutsch, Jargon
Assoziationen
  • Unfallbeteiligter (sein) · an einem Unfall beteiligt (sein) · in einen Unfall verwickelt (sein)

Typische Verbindungen
computergeneriert

Alpe Autobahn Autofahrer Autofahrerin Autounfall Beifahrer Bergsteiger Einsatzfahrt Flugzeugabsturz Formel-1-Pilot Fußgänger Landeanflug Landstraße Lausitzring Motorrad Motorradfahrer Motorradunfall Nürburgring Radfahrer Radfahrerin Rally Reisebus Schulbus Schulweg Skifahren Skifahrer Straßenverkehr Testfahrt Verkehrsunfall tödlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verunglücken‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Im März 2000 sei es kurz nach dem Start verunglückt.
Die Zeit, 20.10.2013 (online)
Verunglückt das Verfahren, dann werden die weltpolitischen Folgen überall zu spüren sein.
Die Welt, 14.12.2000
Auf der Baustelle des Hauses seien seine Frau und seine kleine Tochter verunglückt.
Rothmann, Ralf: Stier, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1991 [1991], S. 2
Man hatte in Deutschland gehofft, daß er vielleicht unterwegs verunglücken würde.
o. A.: Dreiundfünfzigster Tag. Donnerstag, 7. Februar 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 7176
Von Fischers hörte ich nur, daß die arme Rosa verunglückt, krank darniederläge; sie war in ein Kohlenloch gefallen und hatte sich innerlich schwer verletzt.
Lehmann, Lilli: Mein Weg. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 23054
Zitationshilfe
„verunglücken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/verunglücken>, abgerufen am 24.10.2019.

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