vertun

GrammatikVerb · vertat, hat vertan
Aussprache
Worttrennungver-tun
Grundformtun
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
etw., besonders Geld, mit nichtigen Dingen, Zeit mit nutzlosen Beschäftigungen, verschwenden, vergeuden, ohne rechten Sinn verbrauchen
Beispiele:
er hat im Wirtshaus mit Trinken und Kartenspiel viel Zeit und Geld vertan
viel Aufwand, Mühe ist umsonst vertan
er hatte den Augenblick, die einmalige Chance nutzlos vertan (= ungenutzt gelassen)
das ist nur sinnlos vertane Zeit, vertanes Geld
2.
umgangssprachlich sich vertunsich irren
Beispiel:
er hat sich bei seinen Abrechnungen nie vertan
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

tun · tunlich · betulich · Tunichtgut · abtun · antun · umtun · vertun · zutun · Zutat
tun Vb. ‘eine Tätigkeit verrichten’, reflexiv (unpersönlich) ‘sich ereignen’. Das Verb (mit ehemals reduplizierenden Präteritalformen) ahd. (8. Jh.), mhd. tuon, asächs. mnd. dōn, mnl. nl. doen, aengl. dōn, engl. to do ‘tun’ setzt westgerm. *dō- voraus, eine wohl ablautende Form der Wurzel ie. *dhē- ‘setzen, stellen, legen’. Als Verwandte sind vergleichbar aind. dádhāti ‘setzt, stellt hin, legt’, griech. tithénai (τιθέναι) ‘stellen, setzen, legen’, lat. abdere ‘weggeben, -tun, entfernen, verbergen, verstecken’, addere ‘hinzutun, -fügen, vermehren’, condere ‘gründen, einlegen, bergen, bedecken’, facere (Perf. fēcī) ‘tun, machen’, air. dorat ‘hat gegeben’, lit. dė́ti ‘setzen, stellen, legen, hineintun, säen, pflanzen’, aslaw. děti ‘legen, setzen, stellen’, dějati ‘tun, verrichten’, russ. det’ (деть) ‘hinlegen, verbrauchen’. S. auch ↗Tat (mit anord. dāð und got. -dēþs, die Reflexe des im Nordgerm. und Ostgerm. nicht belegten Verbs zeigen) und ↗-tum. tunlich Adj. ‘zum Tun geeignet, ratsam, sinnvoll, zweckmäßig, möglich’ (16. Jh.). betulich Adj. ‘rührig, besorgt, zutraulich, beschaulich’ (18. Jh.), zu heute veraltetem betun ‘sich geschäftig zeigen, sich abgeben’, ahd. bituon ‘verschließen, zumachen, behandeln’ (8. Jh.), mhd. betuon ‘be-, einschließen’. Tunichtgut m. ‘wer öfters Unfug treibt, Taugenichts’ (17. Jh.), imperativischer Satzname; vgl. Thukeingut (1586), Thunichts (Stieler 1691). abtun Vb. ‘ablegen, mit Geringschätzung erledigen, ins reine bringen’, mhd. abetuon ‘entfernen, abschaffen, abstellen’, ahd. (zweifelhaft) abatuon ‘entfernen’ (9. Jh.). antun Vb. ‘anziehen, jmdm., sich etw. zufügen, bereiten, erweisen’, ahd. anatuon ‘anziehen, auflegen, aufsetzen, (Böses) zufügen’ (8. Jh.), mhd. anetuon ‘anlegen’, reflexiv ‘sich ankleiden’. umtun Vb. ‘umhängen, umlegen’, reflexiv ‘sich umsehen, sich erkundigen, sich bemühen’ (16. Jh.), mhd. umbetuon ‘herumbringen, von seiner Ansicht abbringen, überwinden’. vertun Vb. ‘verschwenden, vergeuden, ohne rechten Sinn verbrauchen, nutzlos zubringen’, reflexiv ‘sich irren’, ahd. firtuon ‘freveln’, reflexiv ‘sich vergreifen an’ (9. Jh.; vgl. ahd. firtān Part.adj. ‘schlecht, böse’, 8. Jh.), mhd. vertuon ‘aufbrauchen, verzehren, vergeblich tun’, reflexiv ‘sich versammeln, verschwenderisch leben, sich durch Handeln verfehlen’. zutun Vb. ‘hinzufügen, zusetzen, hinzulegen, schließen’, ahd. (8. Jh.), mhd. zuotuon; Zutat f. ‘zur Herstellung einer bestimmten Sache notwendiger oder wünschenswerter Bestandteil, Beigabe, Ergänzung’ (18. Jh.), zuvor ‘zweckvolles Tun’ (16. Jh.); vgl. mnd. tōdāt ‘Hinzufügung, Hilfe’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sein Geld) mit vollen Händen ausgeben · ↗vergeuden · ↗verprassen · verschwenderisch umgehen (mit)  ●  (Das) Geld (mit beiden Händen) auf die Straße werfen  fig. · Geld aus dem Fenster werfen  fig. · ↗verschwenden  Hauptform · ↗(nur so) raushauen  ugs. · (sein Geld) unter die Leute bringen  ugs. · ↗aasen (mit)  ugs. · auf den Kopf hauen  ugs. · auf neureich machen  ugs. · ↗durchbringen (Vermögen)  ugs. · mit Geld nur so um sich werfen  ugs. · rumaasen mit  ugs., rheinisch · ↗urassen  ugs., österr. · ↗verballern  ugs. · ↗verbraten  ugs. · ↗verbuttern  ugs. · verjankern  ugs., österr. · ↗verjubeln  ugs. · ↗verjuxen  ugs. · ↗verläppern  ugs. · ↗verplempern  ugs. · verprotzen  ugs. · ↗verpulvern  ugs. · ↗verschleudern  ugs. · vertun  ugs. · ↗verzocken  ugs. · ↗wegschmeißen  ugs. · ↗wegwerfen  ugs. · zum Fenster hinauswerfen  ugs. · zum Fenster rauswerfen  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(etwas) falsch einschätzen · ↗(sich) irren · ↗(sich) täuschen · im Irrtum sein  ●  (sich) geschnitten haben  ugs., fig. · (sich) vertun  ugs. · auf dem Holzweg sein  ugs., fig. · auf dem falschen Dampfer sein  ugs., fig. · ↗danebenliegen  ugs. · einem Irrtum erliegen  geh. · einem Irrtum unterliegen  geh. · falschliegen  ugs. · ↗fehlgehen (in der Annahme)  geh.
Assoziationen
  • (etwas) fabeln (von) · ↗fabulieren · wirres Zeug reden  ●  Unsinn erzählen  Hauptform · ↗(herum)fantasieren  ugs. · ↗(herum)phantasieren  ugs. · ↗(herum)spinnen  ugs. · (sich) einen zusammenphantasieren  ugs. · Blech reden  ugs., veraltend · Scheiße erzählen  derb · Scheiße reden  derb · einen vom Pferd erzählen  ugs. · ↗irrereden  geh. · rumspacken  ugs., jugendsprachlich, salopp · saublöd daherreden  ugs., süddt. · saudummes Zeug daherreden  ugs. · ↗spintisieren  ugs.
  • Abweg · ↗Irrweg  ●  ↗Holzweg  fig. · falscher Weg  auch figurativ, Hauptform · ↗(die) Irre  geh. · ↗Verirrung  geh.
  • Verwechselung · ↗Verwechslung
  • (sich) verkalkulieren · ↗(sich) verrechnen · ↗(sich) verspekulieren  ●  (seine) Rechnung ohne den Wirt gemacht haben  fig. · nicht aufgehen (Rechnung, Kalkül)  fig. · zu hoch pokern  fig. · ↗(sich) verzocken  ugs., fig. · aufs falsche Pferd setzen  ugs., fig. · falsch gedacht (haben)  ugs.
  • hoffentlich behältst du recht · hoffentlich hast du recht  ●  wir wollen das Beste hoffen  variabel · (na dann) dreimal (schnell) auf Holz geklopft!  ugs. · dein Wort in Gottes Ohr  ugs. · toi toi toi  ugs. · wenn du dich da mal nicht irrst  ugs.
  • Flüchtigkeitsfehler · ↗Inkorrektheit · ↗Irrtum · ↗Missgriff · ↗Versehen  ●  ↗Fehler  Hauptform · ↗Ausrutscher  ugs., fig. · ↗Fauxpas  geh., franz. · ↗Lapsus  geh., lat. · ↗Patzer  ugs. · ↗Schnitzer  ugs.
  • da bist du schief gewickelt · da liegst du völlig falsch · da täuscht du dich aber (gewaltig)  ●  da hast du dich geschnitten  ugs., fig.
  • (die) falsche(n) Schlüsse ziehen aus · falsch auffassen · falsch verstehen · ↗missdeuten · ↗missinterpretieren · ↗missverstehen  ●  in den falschen Hals kriegen  ugs.
Synonymgruppe
durch Stolpern verpassen · ↗verstolpern · vertun
Synonymgruppe
(sich) die Zeit vertreiben · Zeit verschwenden · ↗vertrödeln (Zeit) · vertun (seine Zeit) · ↗vertändeln (Zeit)  ●  Zeit totschlagen  ugs.
Assoziationen
  • (sein Geld) mit vollen Händen ausgeben · ↗vergeuden · ↗verprassen · verschwenderisch umgehen (mit)  ●  (Das) Geld (mit beiden Händen) auf die Straße werfen  fig. · Geld aus dem Fenster werfen  fig. · ↗verschwenden  Hauptform · ↗(nur so) raushauen  ugs. · (sein Geld) unter die Leute bringen  ugs. · ↗aasen (mit)  ugs. · auf den Kopf hauen  ugs. · auf neureich machen  ugs. · ↗durchbringen (Vermögen)  ugs. · mit Geld nur so um sich werfen  ugs. · rumaasen mit  ugs., rheinisch · ↗urassen  ugs., österr. · ↗verballern  ugs. · ↗verbraten  ugs. · ↗verbuttern  ugs. · verjankern  ugs., österr. · ↗verjubeln  ugs. · ↗verjuxen  ugs. · ↗verläppern  ugs. · ↗verplempern  ugs. · verprotzen  ugs. · ↗verpulvern  ugs. · ↗verschleudern  ugs. · vertun  ugs. · ↗verzocken  ugs. · ↗wegschmeißen  ugs. · ↗wegwerfen  ugs. · zum Fenster hinauswerfen  ugs. · zum Fenster rauswerfen  ugs.
  • (es sich) bequem machen · (sich) einen (faulen) Lenz machen · ↗(sich) entspannen · ↗(sich) erholen · ↗ausruhen · ↗faulenzen · ↗herumlungern · nichts tun · untätig sein  ●  (die) Füße hochlegen  fig. · (ein) Lotterleben (führen)  scherzhaft · (sich) auf die faule Haut legen  ugs. · (sich) festhalten an  ugs., scherzhaft-ironisch · Däumchen drehen  ugs., fig. · abchillen  ugs., jugendsprachlich · abflacken  ugs. · ↗abhängen  ugs. · ablockern  ugs. · ↗abschalten  ugs. · abschimmeln  derb · absicken (jugendsprachlich)  ugs. · ↗chillen  ugs. · flohnen  ugs., schweiz. · ↗gammeln  ugs. · ↗herumgammeln  ugs. · ↗herumhängen  ugs. · ↗lungern  ugs. · nichts zu tun haben  ugs. · ↗rumfaulenzen  ugs. · ↗rumgammeln  ugs. · rumlungern  ugs.
  • faul sein · ↗faulenzen · nichts tun  ●  (die) Arbeit nicht erfunden haben  ugs., Redensart · (einfach) dasitzen und Kaffee trinken  ugs., fig. · (sich) an den Füßen spielen  ugs., fig., Redensart · (sich) die Eier schaukeln  derb, fig., Redensart · Däumchen drehen  ugs., Redensart · abhartzen  ugs., salopp · abharzen  ugs., salopp · auf der faulen Haut liegen  ugs., Redensart · keinen Finger krumm machen  ugs., fig., Redensart · keinen Finger rühren  ugs., Redensart, fig. · keinen Handschlag tun  ugs., variabel, Redensart · keinen Schlag tun  ugs.
  • (etwas) geschehen lassen · den Dingen ihren Lauf lassen · nicht aktiv werden (in einer Sache) · nichts machen · nichts tun · nichts unternehmen  ●  (die) Dinge treiben lassen  negativ · (die) Hände in den Schoß legen  fig. · keinen Finger rühren  fig. · tatenlos zusehen  negativ · untätig bleiben  Hauptform
  • (sich) hängenlassen · (sich) zu nichts aufraffen (können) · darauf warten dass ein Wunder geschieht · darauf warten, dass die Zeit vergeht · nichts tun  ●  (irgendwie) die Zeit rumkriegen  ugs.
  • (Zeit) vertrödeln · (es) langsam angehen lassen · (sich) Zeit lassen · ↗bummeln · die Mühlen der (Justiz/Bürokratie/...) mahlen langsam · langsam sein · ↗trödeln · ↗vertändeln · ↗zögern  ●  vor sich hin trödeln  variabel · ↗(he)rumtrödeln  ugs. · (sich) lange aufhalten mit  ugs. · ↗klüngeln  ugs., veraltend, rheinisch
  • (es) nicht eilig haben (mit) · (zeitlich) nach hinten schieben · Zeit verstreichen lassen · ↗aufschieben · ↗hinausschieben · ↗retardieren · ↗verdrängen · ↗verschieben · ↗verschleppen · ↗verzögern · ↗zurückhalten  ●  (etwas) auf Eis legen  fig. · ↗(etwas) liegen lassen  fig. · (etwas) (sehr) ruhig angehen lassen  ugs. · auf die lange Bank schieben  ugs., fig. · ↗hintanstellen  geh. · ↗prokrastinieren  fachspr. · vor sich herschieben  ugs., fig., Hauptform
  • in den Tag hinein leben · keiner geregelten Arbeit nachgehen  ●  von Luft und Liebe leben  ugs.
  • Ablenkung · ↗Abwechslung · ↗Beschäftigung · ↗Zerstreuung  ●  ↗Zeitvertreib  Hauptform · ↗Divertissement  geh., franz.
Synonymgruppe
aus der Hand geben · nicht nutzen · ↗verschenken · ↗verspielen · vertun (Chance)

Typische Verbindungen
computergeneriert

Absage Arbeitgeber Aufwand Berechnung Chance Einschätzung Erbe Friedenschance Gelegenheit Großchance Kanzler Möglichkeit Nein Neuanfang Not Riesen-Chance Riesenchance Scheitern Streiterei Verweigerungshaltung Wiedervereinigung Zeit damit leichtfertig sinnlos vergeuden versingen verspielen versäumen vertun

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vertun‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch die große Chance ist schon jetzt so gut wie vertan.
Die Zeit, 11.01.2010, Nr. 02
Er schlug uns vor, die Zeit nicht so müßig zu vertun.
Langhoff, Wolfgang: Die Moorsoldaten, Stuttgart: Verl. Neuer Weg 1978 [1935], S. 33
Sicher ist er betrunken und hat sein Geld vertan bei den Weibern, Vater.
Fallada, Hans: Wer einmal aus dem Blechnapf frißt - Bd. 1, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1990 [1934], S. 96
Insofern war die Chance, den chinesischen Weg zu gehen, vertan.
Die Welt, 28.06.2005
Wir haben eine große Chance vertan, den Abstand nach unten zu vergrößern ", haderte Ingo Hertzsch.
Bild, 06.03.2000
Zitationshilfe
„vertun“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/vertun>, abgerufen am 25.05.2019.

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