vertreiben

GrammatikVerb · vertrieb, hat vertrieben
Aussprache
Worttrennungver-trei-ben (computergeneriert)
Grundformtreiben
Wortbildung mit ›vertreiben‹ als Erstglied: ↗Vertreibung  ·  mit ›vertreiben‹ als Grundform: ↗Vertrieb  ·  formal verwandt mit: ↗Zeitvertreib
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
jmdn., etw. verjagen, verscheuchen, verdrängen
a)
jmdn., etw. von seinem Platz vertreibenjmdn., etw. zum Verlassen seines Platzes zwingen
Beispiele:
jmdn. aus der Wohnung, von Haus und Hof vertreiben
die Soldaten haben den Feind, die Besatzer aus dem Land vertrieben
die wegen ihrer politischen Einstellung, ihrer Religion aus der Heimat vertriebenen Menschen
die Fliegen, Mücken vertreiben
der Wind hat die Wolken, der Regen hat den Sonnenschein vertrieben
ich wollte dich nicht von deinem Platz vertreiben (= du hättest meinetwegen deinen Platz nicht zu verlassen brauchen)
ich habe Sie hoffentlich nicht von Ihrem Platz vertrieben? (= ich habe hoffentlich nicht Ihren Platz eingenommen?)
b)
übertragen
Beispiele:
Kaffee vertreibt die Müdigkeit
womit kann ich dir deine Sorgen, deinen Kummer, Ärger, deine schlechte Laune vertreiben?
jmdm. die Grillen vertreiben
ich muss mir den Schlaf vertreiben
jmdm., sich [Dativ] mit etw. die Zeit vertreibenjmdm., sich mit etw. die Zeit verkürzen, jmdn., sich mit etw. eine bestimmte Zeitspanne unterhalten
Beispiele:
ich werden dir schon die Zeit mit Vorlesen vertreiben
sich mit Musik die Zeit vertreiben
2.
etw. feilbieten, (im großen) verkaufen
Beispiele:
dieses Präparat wird nur in Apotheken vertrieben
die Waren zu einem sehr billigen Preis vertreiben
von dieser Broschüre wurden 10 000 Exemplare vertrieben
er hat Zeitungen, Zeitschriften vertrieben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

treiben · Treiben · Treiber · Treibeis · Treibjagd · abtreiben · abgetrieben · Abtreibung · antreiben · Antreiber · Antrieb · auftreiben · Auftrieb · vertreiben · Vertrieb
treiben Vb. ‘vorwärtsbewegen, fortjagen, sich mit etw. beschäftigen’, ahd. trīban (8. Jh.), mhd. trīben, asächs. drīƀan, mnd. mnl. drīven, nl. drijven, aengl. drīfan, engl. to drive, anord. drīfa, schwed. driva, got. dreiban (germ. *dreiban) sowie die unter ↗Trieb und ↗Trift (s. d.) behandelten Substantive lassen sich lediglich vergleichen mit lit. drìbti ‘in Flocken niederfallen, schlaff, schlapp werden’ (vgl. anord. drif, drīfa, drīft, dript ‘Schneegestöber’). Ob ein daraufhin angenommenes ie. *dhreibh- ‘treiben, stoßen’ an die unter ↗Treber, ↗Trester, ↗trübe (s. d.) genannte Wurzel ie. *dher(ə)- ‘trüber Bodensatz einer Flüssigkeit, Schmutz’, auch ‘matschiges Wetter’, angeschlossen werden kann, ist ungewiß. Treiben n. ‘geschäftiges Tun, Treibjagd’ (18. Jh.). Treiber m. ‘wer bei der Treibjagd den Schützen das Wild zutreibt, wer ein (Arbeits-, Last)tier führt, Vieh (auf die Weide) treibt, Antreiber’, ahd. trībāri (11. Jh.), mhd. trīber, mnd. drīver; als Jagdausdruck seit dem 17. Jh. Treibeis n. ‘auf Gewässern treibende Eisschollen’ (Anfang 18. Jh.). Treibjagd f. (18. Jh.). abtreiben Vb. ‘in eine andere (nicht gewünschte) Richtung bringen, vom Kurs abkommen, eine Schwangerschaft abbrechen, Vieh mit sich forttreiben’, ahd. abatrīban (Hs. 12. Jh.), mhd. abetrīben ‘ver-, forttreiben’; veraltet ist heute die Bedeutung ‘abhetzen, durch Treiben erschöpfen’ (seit Anfang 16. Jh.), erhalten in abgetrieben Part.adj. ‘abgehetzt, erschöpft, kraftlos’, häufig von Zug-, Reittieren (16. Jh.); Abtreibung f. ‘Schwangerschaftsabbruch’ (Anfang 16. Jh.). antreiben Vb. ‘(ein Tier) vorwärtstreiben, jmdn. zu größeren Leistungen, zur Eile drängen, anschwemmen, künstlich zum Treiben bringen’, mhd. anetrīben ‘tun, anstiften, ausüben, fortsetzen’; Antreiber m. ‘wer andere (zur Arbeit) antreibt’ (15. Jh.); Antrieb m. ‘Anstoß, Anreiz, Beweggrund’, in der Technik ‘die einer technischen Vorrichtung zugeführte Bewegungsenergie, Teil einer Maschine, die diese Energie liefert oder überträgt’ (16. Jh.). auftreiben Vb. ‘in die Höhe treiben, aus der Ruhe aufscheuchen, aufblähen, Vieh zum Verkauf auf den Markt bringen, ausfindig machen’, ahd. ūftrīban ‘erhöhen, (eine Fähre) stromaufwärts treiben’ (11. Jh.), mhd. ūftrīben ‘emportreiben, errichten, erbauen, beunruhigen, auferlegen, sich erheben’; Auftrieb m. in der Physik ‘der Schwerkraft entgegengesetzte Kraft, Aufwärtsdruck’, übertragen ‘(Auf)schwung, Elan, Schaffenskraft’ (19. Jh.). vertreiben Vb. ‘verjagen, (Zeit) verkürzen, kurzweilig gestalten, Waren (im großen) verkaufen’, ahd. firtrīban ‘vertreiben, verstoßen, entfernen’ (8. Jh.), mhd. vertrīben; Vertrieb m. ‘Verkauf von Waren’ (16. Jh.), ‘Abteilung eines Betriebes, die die Bestellung und Auslieferung der Waren besorgt’ (20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
ins Exil schicken · ↗verbannen · vertreiben
Synonymgruppe
(jemanden aus etwas) jagen · (jemanden) in die Flucht schlagen · ↗(jemanden) verjagen · (jemanden) vertreiben · ↗(jemanden) wegjagen · ↗davonjagen · ↗fortjagen · ↗verjagen · ↗verscheuchen · vertreiben · ↗wegjagen  ●  ↗wegbeißen  fig. · ↗schassen  ugs. · zum Teufel jagen  ugs.
Assoziationen
  • (etwas) schlechtreden · ↗(jemandem etwas) verekeln · ↗(jemandem etwas) vergällen · ↗(jemandem etwas) verleiden · ↗(jemandem etwas) vermiesen · (jemandem) die Lust verderben · ↗(jemanden) vergraulen  ●  (jemandem) den Appetit verderben  variabel · ↗(etwas) miesmachen  ugs. · in die Suppe spucken  ugs.
  • Abflug! · Geh!  ●  Fort mit dir!  veraltet · Geh mit Gott, aber geh!  Redensart · Wegtreten!  militärisch · Abmarsch!  ugs. · Da ist die Tür!  ugs. · Fahr zur Hölle! (aggressiv)  derb · Geh mir aus den Augen!  ugs. · Geh mir vom Acker!  ugs. · Geh sterben!  vulg. · Geh weg!  ugs. · Hau ab!  ugs. · Mach 'n Abgang!  ugs. · Mach 'ne Fliege!  ugs. · Mach Meter!  ugs., österr. · Mach die Fliege!  ugs. · Mach, dass du wegkommst!  ugs. · Pack dich!  ugs. · Raus (mit dir)!  ugs. · Scher dich fort!  ugs., veraltend · Scher dich weg!  ugs., veraltend · Scher dich zum Teufel!  ugs., veraltend · Schieb ab!  ugs. · Schieß in'n Wind!  ugs. · Schleich di!  ugs., süddt. · Schleich dich!  ugs. · Schwirr ab!  ugs. · Sieh zu, dass du Land gewinnst!  ugs. · Verpiss dich!  derb · Verschwinde!  ugs. · Verzieh dich!  ugs. · Zieh Leine!  ugs. · Zisch ab!  ugs.
  • hinausekeln · ↗vergraulen · wegekeln · ↗wegmobben  ●  ↗wegbeißen  fig. · ↗rausekeln  ugs. · rausmobben  ugs.
  • (jemandem) zeigen, wo die Tür ist · ↗ausquartieren · ↗entfernen · ↗hinausschicken · ↗hinauswerfen · nach Hause schicken · ↗wegschicken  ●  ↗expedieren  abwertend · (jemandem) die Tür weisen  geh. · ↗(jemanden) hinauskomplimentieren  geh. · des Saales verweisen  geh. · ↗hinausbefördern  ugs. · rausschicken  ugs. · ↗rausschmeißen  derb · ↗rauswerfen  ugs. · vor die Tür setzen  ugs.
  • auseinander jagen · auseinander treiben · ↗zerstreuen
Synonymgruppe
absetzen · ↗abstoßen · ↗abverkaufen · in bare Münze umwandeln · in klingende Münze verwandeln · ↗losschlagen · ↗vermarkten · vertreiben · ↗veräußern · zu Geld machen  ●  ↗verkaufen  Hauptform · ↗(jemandem) unterjubeln  ugs., salopp · ↗abgeben  ugs. · an den Mann bringen  ugs., männl. · an die Frau bringen  ugs., weibl. · ↗liquidieren  fachspr. · ↗loswerden (an)  ugs., salopp · ↗raushauen  ugs., salopp · ↗verhökern  ugs., salopp · verklopfen  ugs. · ↗verkloppen  ugs., salopp · ↗verramschen  ugs., negativ · ↗verschachern  ugs., negativ · ↗verscheppern  ugs., salopp · ↗verscherbeln  ugs., salopp · ↗verscheuern  ugs., salopp · ↗versilbern  ugs. · ↗verticken  ugs., salopp · ↗vertickern  ugs.
Unterbegriffe
  • abverkaufen · ↗ausverkaufen
  • (etwas) sehr billig verkaufen · ↗verschleudern · zum Schleuderpreis verkaufen  ●  für ein Butterbrot verkaufen  ugs. · für einen Apfel und ein Ei verkaufen  ugs.
  • mit Verlust verkaufen · unter Einstandspreis verkaufen · unter Wert verkaufen · unter dem üblichen Preis verkaufen · ↗verramschen · ↗verschleudern  ●  nichts daran verdienen  ugs., variabel
Assoziationen
  • Verkauf · ↗Veräußerung
  • fort mit Schaden · verlorenem Geld nicht noch weiteres hinterherwerfen  ●  Hau weg, den Scheiß!  derb, fig. · Hauptsache weg  ugs. · Hauptsache, das (Zeug) sind wir los  ugs. · Hauptsache, den sind wir los  ugs. · Hauptsache, die sind wir los  ugs.
  • (das angesparte) Kapital aufzehren · (sein) Vermögen aufzehren · die (letzten) Reserven angreifen  ●  (das) Tafelsilber verkaufen  variabel, fig. · (sein) letztes Hemd verkaufen (müssen)  fig. · ans Eingemachte gehen (müssen)  fig. · von der Substanz leben  Hauptform
  • nicht verkaufen können  ●  sitzenbleiben auf  fig. · (etwas) nicht loswerden  ugs.
  • Geschäfte machen · Handel betreiben · Handel treiben · ↗handeln  ●  ↗negoziieren  geh.
  • andrehen · aufquatschen · ↗aufschwatzen · aufschwätzen · ↗loswerden (an) · ↗unterjubeln
Synonymgruppe
(bei jemandem jemanden) vertreiben · ↗(jemandem jemanden) austreiben · ↗(jemanden) exorzieren

Typische Verbindungen
computergeneriert

Albaner Bewohner Dorf Dämon Eindringling Geist Gespenst Heimat Hunderttausend Internet Kroate Langeweile Marke Markennamen Muslim Nazi Paradies Produkt Rebell Serbe Software Taliban Truppe Tränengas Wartezeit Zeit enteignen ermorden herstellen produzieren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vertreiben‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Früher hatte man ab einer bestimmten Stellung vielleicht noch die Sicherheit, nie von der einmal erreichten Position vertrieben zu werden.
Kellner, Hedwig: Das geheime Wissen der Personalchefs, Frankfurt a. M.: Eichborn 1998, S. 105
Und diesmal werden sie sich kaum mit halbherzigen Versicherungen vertreiben lassen.
Der Tagesspiegel, 17.08.1998
So lassen sie sich, trotz derzeitig liebloser Ausstattung des Bades, nicht vertreiben.
Süddeutsche Zeitung, 17.08.1994
Sie vertrieben manche Dame in der Stadt aus meiner Nähe.
Strittmatter, Erwin: Pony Pedro, Berlin: Kinderbuchverl. 1959, S. 51
Die Tochter sei krank gewesen, sie wäre von selbst auch gestorben, bestens rekommandiere er sich, ihn nicht von seinem Posten zu vertreiben.
Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 618
Zitationshilfe
„vertreiben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/vertreiben>, abgerufen am 17.09.2019.

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