verstreichen

GrammatikVerb · verstrich, hat/ist verstrichen
Aussprache
Worttrennungver-strei-chen (computergeneriert)
Grundformstreichen
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›hat‹
etw. verstreichen
a)
etw. ausfüllen, verschmieren, verputzen
Beispiel:
Fugen mit Mörtel, Risse an den Bäumen mit Wachs verstreichen
b)
etw. verreiben, einreiben
Beispiel:
man soll den Puder, diese Creme auf der Haut gut verstreichen
c)
etw. gut verteilt auf etw. streichen
Beispiele:
Ölfarbe muss gut verstrichen werden
du hast zu viel Butter verstrichen (= verbraucht)
2.
mit Hilfsverb ›ist‹
die Zeit verstreichtdie Zeit vergeht
Beispiele:
das Jahr, der Urlaub, die Frist ist schnell verstrichen
ich wollte keinen Augenblick ungenutzt verstreichen lassen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

streichen · Streicher · Streichholz · abstreichen · Abstrich · anstreichen · Anstreicher · Anstrich · verstreichen
streichen Vb. ‘sich fortbewegen, gehen, (mit der Hand) etw. streifend berühren, über etw. hinstreifen, (be)schmieren, durch streichende Bewegung entfernen, einen Strich ziehen’, ahd. strīhhan (8. Jh.), mhd. strīchen ‘Striche machen, streichend bewegen, glätten, bestreichen, schärfen, streichend berühren, schlagen, sich rasch bewegen, herumstreifen’, mnd. mnl. strīken, nl. strijken, afries. strīka, aengl. strīcan, engl. to strike (germ. *strīkan), daneben anord. strӯkja, strӯkva (germ. *streukan) sowie (ablautend) schwach flektierendes ahd. streihhōn ‘streicheln’ (um 1000), mhd. streichen (s. ↗streicheln) führen mit dem zugehörigen, unter ↗Strich (s. d.) behandelten Abstraktum und lat. (mit n-Infix) stringere ‘schnüren, zusammenbinden, (ab)streifen’, striga ‘Strich, Schwaden, Zeltreihe, Längsfurche’, strigilis ‘Schabeisen’, aslaw. strišti, russ. strič’ (стричь) ‘scheren’ auf ie. *streig-, eine durch Guttural erweiterte Form der Wurzel ie. *ster- ‘Streifen, Strich, Strähne, Strahl’, in Erweiterungen auch ‘über etw. hinwegstreifen, -streichen’, wohl eine semantische Variante der unter ↗streuen (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *ster(ə)- ‘ausbreiten, (aus)streuen’. Streicher m. ‘Landstreicher, Vagabund’ (16. Jh.; s. ↗Landstreicher), ‘Maler’ (17. Jh.; s. unten Anstreicher), ‘Spieler eines Streichinstruments’ (1. Hälfte 20. Jh.), mhd. strīcher als Bezeichnung für unterschiedliche Handwerker. Streichholz n. ‘Zündholz’ (19. Jh.), älter Bezeichnung für unterschiedliche Geräte, z. B. zum Abstreichen gefüllter Gefäße (15. Jh.). abstreichen Vb. ‘durch streichende Bewegung entfernen, sich entfernen, herumstreifen, beschmieren, streichend berühren, durch einen Strich tilgen’, mhd. abestrīchen ‘beseitigen, abwischen, forteilen’; Abstrich m. ‘Abzug’ (17. Jh.), ‘abwärtsgehender Schriftstrich’ (19. Jh.), in der Medizin ‘Entnahme von Haut, Schleimhaut’ zu Untersuchungen (19. Jh.), mhd. abestrich ‘Tilgung’. anstreichen Vb. ‘mit Farbe bedecken, mit einem Strich versehen, bezeichnen’, mhd. anestrīchen ‘bedecken, beschmieren (mit Salbe), sich putzen’; Anstreicher m. ‘Maler, Tüncher’ (18. Jh.), bei Kepler für Tangente im Sinne von ‘Berührer, berührende Linie’ (17. Jh.); Anstrich m. ‘aufgemalte Farbe, Tünche, Salbe’ (16. Jh.), mhd. anstrich ‘auf den Geigenbogen gestrichenes Harz, Kolophonium’. verstreichen Vb. ‘verschmieren, breitstreichen, durch Streichen aufbrauchen, vergehen (von der Zeit)’, ahd. firstrīhhan ‘tilgen’ (8. Jh.), mhd. verstrīchen ‘ver-, überstreichen, verschmieren, ausstreichen, sich bewegen, sich schnell oder heimlich davonmachen, vergehen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
abdichten · ↗ausfugen · ↗fugen · verstreichen
Synonymgruppe
(Zeit) ins Land gehen · (Zeit) ins Land ziehen · ↗(Zeit) verfließen · ↗ablaufen · ↗vergehen · ↗verlaufen · verstreichen · ↗vorbeigehen  ●  ↗verrinnen (lit.)  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anmeldefrist Einspruchsfrist Frist Gelegenheit Gewährleistungsfrist Kündigungsfrist Meldeschluß Schamfrist Sekunda Sekunde Spekulationsfrist Starttermin Stichtag Termin Ultimatum Verjährungsfrist Wechselfrist Zahlungsfrist Zeit Zeitspanne ereignislos ergebnislos folgenlos fruchtlos nutzlos tatenlos unbemerkt ungenutzt ungenützt verstreichen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verstreichen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber für Frauen verstreicht die Zeit anders, nicht einfach nur so.
Die Welt, 24.04.2004
Ja, so sprach er, und die Tage verstrichen in einem sanften Rhythmus.
Der Tagesspiegel, 11.09.1998
Und nun sind die 13 Jahre daher bei ihnen ungenützt verstrichen.
o. A.: Kundgebung der NSDAP im Berliner Sportpalast, 01.09.1932
Auf alle Fälle werde etliche Zeit verstreichen, bis das Material herbeigeschafft sei, um den Antrag juristisch genügend zu fundieren.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 249
Wer nicht auf die Minute antreten will, lasse die obligaten fünf oder zehn Minuten verstreichen, mehr nicht.
Baudissin, Wolf von u. Baudissin, Eva von: Spemanns goldenes Buch der Sitte. In: Zillig, Werner (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1901], S. 24467
Zitationshilfe
„verstreichen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/verstreichen>, abgerufen am 22.07.2019.

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