versoffen

Grammatikpartizipiales Adjektiv
Aussprache
Worttrennungver-sof-fen (computergeneriert)
Grundformversaufen
eWDG, 1977

Bedeutung

salopp, abwertend trunksüchtig
entsprechend der Bedeutung von versaufen (Lesart 1)
Beispiele:
ein versoffener Kerl
er hatte eine versoffene Stimme
Einer nach dem andern kam mit blöden, versoffenen (= von übermäßigem Alkoholgenuss zeugenden) Augen an Deck getorkelt [TurekWende181]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

saufen · supfen · süpfeln · Säufer · Sauferei · Saufaus · besaufen · besoffen · versaufen · versoffen · ersaufen · ersäufen · Suff · süffig · süffeln
saufen Vb. ‘trinken’ (vom Vieh), ‘unmäßig trinken, Alkohol zu sich nehmen’ (derb), ahd. sūfan (9. Jh.), mhd. sūfen ‘schlürfen, trinken’, mnd. mnl. sūpen, nl. zuipen, aengl. sūpan, engl. to sup, anord. sūpa, schwed. supa (germ. *sūpan). Herkunft ungesichert. Das Verb kann mit den unter ↗Suppe und ↗seufzen (s. d.) genannten Formen sowie mit aind. sū́paḥ ‘Brühe, Suppe’ und aslaw. sъsati, russ. sosát’ (сосать) ‘saugen’ an eine mit Labial erweiterte (ie. *seub-, *sūb- bzw. *seup-, *sūp-) lautmalende Wurzel ie. *seu-, *seu̯ə-, *sū- ‘tropfen lassen, schlürfen, saugen’ angeschlossen werden (wozu auch mit Guttural erweitertes ↗saugen, s. d.). Die alte Bedeutung ‘schlürfen’ (vgl. noch engl. to sup ‘schlürfen, in kleinen Schlucken trinken, nippen’) entwickelt sich im 16. Jh. zu ‘hastig und viel, maßlos trinken’ (besonders Alkohol). Als Intensivum abgeleitet supfen Vb. ‘schlürfend trinken’ (15. Jh.), süpfeln Vb. (16. Jh.). Säufer m. ‘wer sich (regelmäßig) betrinkt’ (16. Jh.). Sauferei f. ‘Trinkgelage’ (15. Jh.). Saufaus m. ‘Trunkenbold’, imperativischer Satzname (Hans Sauffauß, 1595), nd. Sūpūt. besaufen Vb. (reflexiv) ‘sich betrinken’, dazu besoffen Part.adj. ‘betrunken’ (16. Jh.). versaufen Vb. ‘versinken, ertrinken’, mhd. versūfen; dagegen ahd. firsūfan ‘(gierig) hinunterschlürfen’ (8. Jh.); dann ‘mit Trinken durchbringen’ (15. Jh.), dazu versoffen Part.adj. ‘durch Saufen heruntergekommen, dem Alkohol ergeben’ (16. Jh.). ersaufen Vb. ‘in der Flut umkommen, ertrinken’ (16. Jh.); vgl. mhd. ersoffen ‘betrunken’, ahd. irsūfan ‘(gierig) hinunterschlürfen’ (8. Jh.). Dazu im 16. Jh. das umgelautete Kausativum ersäufen Vb. ‘versenken, ertränken’, mhd. ersoufen; dafür ahd. bisoufen (um 800). Suff m. (mit der Nebenform Soff, s. ↗Gesöff) ‘Trunksucht, Alkoholrausch, Betrunkenheit’ (17. Jh.). süffig Adj. ‘angenehm, leicht zu trinken, wohlschmeckend’ (19. Jh.), älter ‘trunkliebend, dem Trinken ergeben’ (16. Jh.). süffeln Vb. ‘mit Genuß trinken’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
alkoholabhängig · ↗alkoholkrank · ↗alkoholsüchtig · ↗trunksüchtig  ●  dem Trunke hold (sein)  altertümelnd, verhüllend · versoffen  derb
Assoziationen
  • (bei alkoholischen Getränken) nicht nein sagen · ↗(dem Alkohol) zugetan · (sich) gerne (schon mal) einen trinken · gerne dem Alkohol zusprechen · mit dabei sein wenn es was zu trinken gibt  ●  gerne Alkohol trinken  Hauptform · dem Trunke hold (sein)  geh. · nicht ins Glas spucken  ugs.
  • trinken  ●  (nasser) Alkoholiker (sein)  variabel · ↗alkoholabhängig (sein)  variabel · zur Flasche greifen  fig. · ↗saufen  derb

Typische Verbindungen
computergeneriert

Fell Geld Kneipe Lohn Vermögen verfressen verhuren verspielen verzocken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›versoffen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vor zehn Jahren noch, da hat er sein ganzes Geld versoffen.
Süddeutsche Zeitung, 17.06.2002
Der versäuft das Geld seines Vaters, hurt herum und hat seinem Leben an Inhalt ansonsten nicht viel hinzuzufügen.
Die Zeit, 23.12.2013 (online)
Und nachher wird geteilt und beerbt und das Fell versoffen.
Bobrowski, Johannes: Levins Mühle, Frankfurt a. M.: Fischer 1964, S. 146
Mit den paar versoffenen Schillingen hatte sie ihn heute früh noch wachgerüttelt.
Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 270
Der Vermittler stierte ihn aus versoffen vorquellenden Augen blöde, glasig an.
Betzner, Anton: Der Kohlhöfer. In: Kesten, Hermann (Hg.) 24 neue deutsche Erzähler, Leipzig u. a.: Kiepenheuer 1983 [1929], S. 162
Zitationshilfe
„versoffen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/versoffen>, abgerufen am 17.08.2019.

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