versiegeln

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungver-sie-geln (computergeneriert)
Wortbildung mit ›versiegeln‹ als Erstglied: ↗Versiegelung · ↗Versieglung
eWDG, 1977

Bedeutung

etw. mit einem Siegel versehen, verschließen
Gegenwort zu entsiegeln
Beispiele:
einen Brief, die Tür versiegeln
ein versiegelter Raum
eine versiegelte Flasche, Schachtel
bildlich
Beispiel:
gehoben die Scham versiegelte ihr den Mund, die Lippen
fachsprachlich, übertragen etw. durch Auftragen einer Schutzschicht widerstandsfähiger, haltbarer machen
Beispiele:
das Parkett (mit einem Lack) versiegeln
ein guter Stoff wird versiegelt (= durch eine Veredlung pflegeleicht und unempfindlich gegen Mottenbefall gemacht)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Siegel · Insiegel · siegeln · besiegeln · versiegeln · Siegellack · Siegelring
Siegel n. ‘Stempel zum Eindrücken eines Zeichens in weiche Masse (als Verschluß an Schriftstücken, Behältnissen usw.), Abdruck des Zeichens’, mhd. sigel ‘Siegel, Stempel, mit Siegel versehene Urkunde’, mnd. sēgel, mnl. sēghel, nl. zegel, afries. sigil, schwed. sigill sind entlehnt aus lat. sigillum ‘kleine Figur, kleines Bildnis, kleine Statue, Siegel(abdruck), Zeichen’, Deminutivum zu lat. sīgnum ‘Zeichen, Abzeichen, Kennzeichen, Signal, Bild, Siegel’ (s. ↗Signum); zu lat. secāre ‘schneiden’. Vgl. mit abweichender Endung got. sigljō ‘Siegel’. Redensartlich (mit) Brief und Siegel ‘mit Urkunde und amtlicher Bestätigung’ (14. Jh.), übertragen ‘(mit) Sicherheit’ (etwa seit 16. Jh.); ein Buch mit sieben Siegeln ‘eine geheimnisvolle, unverständliche (weil mit Siegeln verschlossene) Sache’, nach Offenb. Joh. 5, 1 liber septem sigillis signatus, Luther (1522) eyn buch … versiggelt mit sieben siegelln (zuvor um 1466 insigeln); unter dem Siegel der Verschwiegenheit (18. Jh.). Älter ist Insiegel n. ‘Siegel(bild), Zeichen’, ahd. insigili (10. Jh.), mhd. insigel(e) ‘Siegel, Petschaft, Stempel, Zeichen’, jägersprachlich ‘Kennzeichen der Fährte des Hirsches’, mnd. ingesēgel, mnl. in(ge)sēghel, aengl. inseg(e)l, anord. (aus dem Mnd.) innsigli, schwed. insegel, das aus einer Kontamination von lat. sigillum mit lat. īnsīgne ‘Kennzeichen, Abzeichen’ (s. ↗Insignien) hervorgegangen sein könnte. Oder aber zu (allerdings erst später bezeugtem) mlat. insigillare ‘ein Siegel eindrücken’ gebildet? siegeln Vb. ‘mit einem Siegel versehen, verschließen’, ahd. sigilen (8. Jh.), mhd. sigelen ‘mit einem Siegel, Stempel versehen, zusiegeln, schließen, beenden’. Vgl. spätlat. sigillāre ‘kenntlich bzw. künstlich eindrücken’. besiegeln Vb. ‘durch ein Siegel bekräftigen, schließen’, ahd. bisigilen (10. Jh.), mhd. besigelen. versiegeln Vb. ‘durch ein Siegel verschließen’, mhd. versigelen ‘fest verschließen, verwahren, bekräftigen’, reflexiv ‘sich einschließen’; vgl. ahd. firsigilen ‘anzeigen, verkünden’ (10. Jh.). Siegellack m. ‘leicht schmelzbare Masse zum Siegeln’ (17. Jh.), zuvor mhd. sigelwahs. Siegelring m. ‘Ring mit einem gravierten Stein als Petschaft zum Siegeln’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
mit einem Siegel versehen · mit einer Plombe versehen · siegeln · ↗verplomben  ●  versiegeln  Hauptform · ↗besiegeln  geh., veraltet · ↗plombieren  fachspr.
Oberbegriffe
Assoziationen
Antonyme
  • versiegeln  Hauptform

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aktenschrank Arbeitszimmer Asphalt Beton Betonplatte Bohrloch Gully Gullydeckel Kanaldeckel Klebeband Lack Leck Meeresgrund Pore Privatgemach Redaktionsraum Schutzlack Silikon Teer Urne Wachs Wahlurne Zement abschleifen bebauen begradigen luftdicht verbriefen verriegeln Ölquelle

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›versiegeln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Drei Monate dauerte es, bis das Leck geschlossen wurde, nochmals zwei, bis die Quelle endgültig versiegelt war.
Die Zeit, 20.10.2010 (online)
Aber daraus dürfe man nicht den Schluss ziehen, gleich noch mehr Flächen zu versiegeln.
Der Tagesspiegel, 08.05.2004
Diese Schriften sind bis jetzt geheim gehalten und versiegelt gewesen.
Taubes, Jacob: Abendländische Eschatologie, München: Matthes und Seitz, 1991 [1947], S. 25
Ich habe es auch nicht speziell versiegeln wollen, denn ich wollte vermeiden, daß das normale Aussehen dieses Dokuments in irgendeiner Weise geändert werde.
o. A.: Einundfünfzigster Tag. Dienstag, 5. Februar 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 6979
Er stürmte auf meine Stube und holte den versiegelten Brief aus meinem Nachttischchen.
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 14.12.1940, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Zitationshilfe
„versiegeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/versiegeln>, abgerufen am 18.10.2019.

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