verschreien

GrammatikVerb · verschrie, hat verschrien
Aussprache
Worttrennungver-schrei-en
Grundformschreien
eWDG, 1977

Bedeutung

jmdm., einer Sache, meist zu Unrecht, etw. Schlechtes nachsagen
Beispiele:
jmdn. als Ausbeuter, Wucherer, als unreif, verlogen verschreien
ein als hochmütig, überheblich verschrieener Mensch
Man wird versuchen, mich zu verschreien, mir schlimme Dinge beimessen, weil ich schlimme Dinge offenbart habe [W. RudolphRügen120]
die als langweilig und träge verschrieenen Schildkröten [Urania1966]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schreien · Schrei · Schreier · Marktschreier · marktschreierisch · Geschrei · Schreihals · verschreien
schreien Vb. ‘gellende Laute von sich geben, laut rufen, weinen’. Das stark flektierende Verb ahd. scrīan (9. Jh.), mhd. schrīen, schrīn ‘rufen, schreien, jammern’, asächs. skrīan, mnd. schrī(g)en, mnl. scrīen, afries. skrīa (germ. *skreian) sowie schwach flektierendes ahd. giscreiōn (um 1000), mhd. schrīen, schrīn, mnd. schreyen, mnl. screyen, nl. schreien sind verwandt mit mnl. scrēuwen, nl. schreeuwen, nd. schrēwen ‘schreien’, südnl. schremen, aengl. *scrǣman, mengl. shreame, engl. to scream ‘schreien, kreischen’. Vergleicht man ferner (ohne anlautendes s-) anord. hreimr ‘Lärm, Getöse’, hrīna, norw. rine ‘schreien, jammern’ (von Schweinen) und zieht bret. screo ‘kreischender Meervogel’, air. scret ‘Schrei’, lett. (älter) krina ‘Sau’ heran, so läßt sich ie. *(s)krei- ansetzen als eine Erweiterung der Wurzel ie. *ker-, *kor-, *kr-, Schallnachahmung für heisere, rauhe Töne (s. ↗Harke, ↗Rabe, ↗Rachen, ↗Reiher). Schrei m. ‘einmaliger gellender, durchdringender (menschlicher) Laut’, ahd. screi (9. Jh.), mhd. schrei, schrē ‘Ruf, Schrei, Geschrei, Gerücht’. Schreier m. ‘wer schreit’, mhd. schrīære, schrīer ‘Schreier, Ausrufer, Herold’. Marktschreier m. ‘wer auf Märkten laut seine Waren anpreist, fahrender Händler’ (17. Jh.); marktschreierisch Adj. (18. Jh.). Geschrei n. ‘lautes Schreien’, ahd. giscrei (11. Jh.), mhd. geschrei(e), geschrē ‘Geschrei, Ruf’. Schreihals m. ‘Schreier, Kind, das viel weint’ (16. Jh.). verschreien Vb. ‘in schlimmen Ruf bringen, verleumden’, eigentlich (bei der Mordklage) ‘öffentlich ausrufen, bekanntmachen’, dann auch ‘Übles, Böses über jmdn. öffentlich verbreiten’, mhd. verschrīen; stark und schwach flektierende Formen stehen bis ins 18. Jh. nebeneinander.

Thesaurus

Synonymgruppe
für ehrlos erklären · ↗schlechtmachen · ↗verleumden · ↗verlästern · verschreien  ●  ↗heruntermachen  ugs. · ↗infamieren  geh. · madigmachen  ugs. · ↗miesmachen  ugs. · ↗schlechtreden  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Antisemit Feind Kaderschmied Kommunist Kritiker Linke Spinner Unrecht Verräter Weichei als

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verschreien‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Allgemein sind ja die Deutschen nicht gerade als besonders reformfreudig verschrien.
Süddeutsche Zeitung, 28.10.1999
Bei ihren Kritikern ist sie als Diva verschrien, ihre Fans aber lieben sie.
Die Welt, 27.04.1999
Daß er daher bald als »dienstgeil« verschrien war, nahm er in Kauf.
Nadolny, Sten: Selim oder Die Gabe der Rede, München: Piper 1997 [1990], S. 84
Auf die schiefe Darstellung, mit der Hume und die französische Aufklärung die Metaphysik verschrien hatten, konnten wir bereits verweisen.
Hirschberger, Johannes: Geschichte der Philosophie, Bd. 2: Neuzeit und Gegenwart. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1952], S. 1700
Als Wüterich und Unmensch will der Vater auch nicht gerade verschrien werden.
Strittmatter, Erwin: Der Laden, Berlin: Aufbau-Verl. 1983, S. 450
Zitationshilfe
„verschreien“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/verschreien>, abgerufen am 24.03.2019.

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