verschlimmern

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungver-schlim-mern
Grundformschlimm
Wortbildung mit ›verschlimmern‹ als Erstglied: ↗Verschlimmerung
eWDG, 1977

Bedeutung

etw., um das es schlimm steht, noch schlimmer machen, verschlechtern
Beispiele:
die täglichen Aufregungen hatten ihren angegriffenen Gesundheitszustand noch verschlimmert
wenn er jetzt nachgab, würde dies seine Lage nur verschlimmern
das verschlimmert die Sache
sich verschlimmernschlimmer, schlechter werden
Beispiele:
sein Rheumatismus verschlimmerte sich von Jahr zu Jahr
ihr Herzleiden hatte sich durch die plötzliche Aufregung verschlimmert
Preußens politische Lage hatte sich seit Napoleons Verschwägerung mit Oesterreich auf unerhörte Weise verschlimmert [DroysenYork v. Wartenburg1,246]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schlimm · verschlimmern
schlimm Adj. ‘nicht gut, übel, böse’. Herkunft ungeklärt. Ahd. slimb ‘verdreht, verrenkt’ (11. Jh.), mhd. slimp ‘schief, schräg, verkehrt’, slimbes Adv., mnd. slim ‘schief, krumm, schlecht’, mnl. slim, slem ‘schief’, nl. slim und ahd. slimbī ‘Schiefheit’ (um 1000), ablautend mnl. slom ‘schief’, anord. slœma ‘schräg hauen’ möchte de Vries Nl. 650 als eine sachlich dem Hausbau entstammende Bezeichnung zu dem unter ↗Saal (s. d.) behandelten Substantiv stellen und von der Wurzel ie. *sel- ‘Wohnraum’ herleiten. Pokorny 1, 657 hält dagegen an dem (wenngleich mit Bedenken vorgetragenen) Vergleich mit lit. slim̃pti ‘schlendern’, lett. slīps (aus *slimpas) ‘schräg, steil’ fest, so daß Anschluß an ie. *(s)lemb(h)- (s. ↗Schlamm, ↗Schlampe), die nasalierte Form der unter ↗Lappen (s. d.) genannten Wurzel ie. *lē̌b-, *lō̌b-, *lā̌b- ‘schlaff herabhängen(d)’ (hier mit anlautendem s- wie auch in ↗schlafen, ↗schlaff, ↗schlapp, s. d.), möglich wäre. Die alte, noch in obd. Mundarten erhaltene Bedeutung ‘schief, schräg’ geht in Verwendungen wie etw. steht, wird schlimm (16. Jh.), d. h. ‘es geht nicht geradeaus’, in ‘schlecht, übel, böse’ über, so daß schlimm als Attribut einerseits Substantive mit pejorativem Sinn verstärkt (vgl. schlimmes Unglück, schlimmes Unwetter, schlimmes Verbrechen), andererseits in Verbindung mit Personenbezeichnungen (ein schlimmer Knabe, 18. Jh.) sich zum Gegenwort von (moralisch) gut entwickelt. Umgangssprachlich auch im Sinne von ‘krank’ (ein schlimmes ‘entzündetes, krankes’ Auge haben). verschlimmern Vb. ‘etw. noch schlimmer machen, als es ist’, älter auch (heute reflexiv) ‘schlimmer werden’ (17. Jh.). verschlimmbessern Vb. ‘durch eine vermeintliche Verbesserung noch schlimmer machen’ (18. Jh., von Lichtenberg geprägt?).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) verschlechtern · (sich) verschlimmern · ↗(sich) verschärfen · (sich) zum Negativen verändern · schlechter werden · schlimmer werden  ●  ↗ausufern  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
  • (sich) verschärfen · ↗(sich) zuspitzen · aggressiver werden · an Schärfe gewinnen · auf die Spitze getrieben werden · ↗ausarten (in) · ↗eskalieren · schärfer werden
  • (eine) Spirale von etwas in Gang setzen · (sich) immer weiter hochschaukeln · (sich) immer weiter steigern · hemmungslos eskalieren · immer schlimmer werden
Synonymgruppe
(etwas) schlimmer machen · ↗(etwas) verschlechtern · (etwas) verschlimmern · ↗(etwas) verschärfen · ↗(etwas) zuspitzen · eskalieren lassen  ●  ↗(etwas) verschlimmbessern  ironisch

Typische Verbindungen
computergeneriert

Asthma Befinden Beschwerde Elend Entzündung Finanzlage Gesundheitszustand Hochwasserlage Hungersnot Krankheit Krankheitsbild Krise Lage Leiden Luftverschmutzung Malaise Misere Notlage Regenfall Situation Symptom Verkehrssituation Verletzung Wirtschaftskrise Zustand bessern weiter zusehends Übel Überschwemmung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verschlimmern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Diese Haltung "Nun wollen wir mal nett zueinander sein" verschlimmere das Problem.
Die Welt, 22.10.2005
Verschlimmert wird alles durch eine Opposition, die die Regierung radikalisiert statt sie zu bremsen.
Süddeutsche Zeitung, 05.11.2003
Es hätte keinen Sinn, irgend etwas zu leugnen, zu verschweigen, das verschlimmere nur seine Lage.
Fritsch, Gerhard: Fasching, Hamburg: Rowohlt 1967, S. 36
Verschlimmert wird der Stand der Dinge aber entschieden durch ein schroffes, kurzes Vorgehen.
Schramm, Hermine [d.i. Meißner, Hermine]: Das richtige Benehmen in der Familie, in der Gesellschaft und im öffentlichen Leben. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1930], S. 6538
Odysseus erscheint auf der Szene, verschlimmert die Lage aber nur.
Engler, Wolfgang: Die Ostdeutschen, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1999], S. 128
Zitationshilfe
„verschlimmern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/verschlimmern>, abgerufen am 19.10.2019.

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