verschleiern

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungver-schlei-ern
GrundformSchleier
Wortbildung mit ›verschleiern‹ als Erstglied: ↗Verschleierung  ·  mit ›verschleiern‹ als Grundform: ↗verschleiert
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
sich, etw. verschleiernsich das Gesicht, etw. mit einem Schleier bedecken
Gegenwort zu entschleiern
Beispiele:
sie hatte sich, ihr Gesicht verschleiert
sich [Dativ] das Gesicht verschleiern
sie kam tief verschleiert an
bildlich
Beispiele:
die Tränen verschleierten ihr den Blick
der Himmel hatte sich mit leichten Wolken verschleiert
der Dunst verschleierte uns die Sicht
übertragen
Beispiele:
sein Blick verschleierte sich (= trübte sich, wurde verschwommen)
sie sprach mit verschleierter (= gedämpfter, unklarer) Stimme
er deutete verschleiert (= verhüllt, verbrämt) an, dass er schon von der Sache wüsste
2.
übertragen etw. vorsätzlich unklar, nicht durchschaubar machen, nicht erkennen lassen
Gegenwort zu entschleiern
Beispiele:
einen Sachverhalt, Tatbestände, Tatsachen, Missstände, wichtige Einzelheiten verschleiern
einen Fehlbetrag verschleiern
bewusst, vorsätzlich etw. verschleiern
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schleier · schleierhaft · verschleiern · Schleiereule
Schleier m. ‘dünnes, vielfach durchsichtiges, besonders Kopf oder Gesicht verhüllendes Gewebe, herabhängendes Kopftuch’. Das seit der Mitte des 13. Jhs. in vielen Varianten belegte mhd. slogier, sloiger, sloier, sleiger, slei(e)r ist wie mnd. sloier, sloiger, mengl. sleir, nl. sluier etymologisch ungeklärt. Eine zeitlich mögliche Entlehnung von Sache und Wort aus einer oriental. Sprache läßt sich nicht nachweisen. Es wird daher versucht, das Substantiv mit mnl. slōien ‘schleppen, schleifen’, mnl. slōi, slōie ‘Kleiderschleppe’ zu verbinden. Der Schleier als Teil der Nonnenkleidung wird zum Symbol des klösterlichen Lebens für Frauen, vgl. den Schleier nehmen ‘Nonne werden’ (18. Jh.). schleierhaft Adj. ‘aus dünnem Gewebe’ (17. Jh.), ‘unklar, rätselhaft’ (19. Jh.). verschleiern Vb. ‘mit einem Schleier bedecken’ (17. Jh.), häufig ‘wissentlich oder mangels Einsicht Sachverhalte und Gründe unklar oder beschönigend darstellen’ (18. Jh.). Schleiereule f. Eulenart, deren Federn um die Augen kranzförmig wie Schleier angeordnet sind (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
kaschieren · ↗tarnen · ↗umhüllen · ↗ummänteln · ↗umnebeln · ↗verbergen · ↗verdecken · ↗verfälschen · ↗verhüllen · ↗verkleiden · ↗vernebeln · verschleiern · ↗verstecken · ↗vertuschen · ↗verwischen · ↗zudecken  ●  unter den Teppich kehren  fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
in die Irre führen · ↗manipulieren · ↗verdecken · ↗verheimlichen · verschleiern · ↗verschweigen · ↗vertuschen · ↗zudecken  ●  (etwas) unter den Teppich kehren  ugs., fig. · (jemandem) Sand in die Augen streuen  ugs., fig. · Nebelkerzen werfen  ugs., fig.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
bedecken · ↗verdecken · ↗verhüllen · verschleiern · ↗überdecken  ●  ↗verkleistern  auch figurativ · ↗zukleistern  auch figurativ · ↗überkleistern  auch figurativ · ↗übertünchen  auch figurativ
Linguistik/Sprache
Synonymgruppe
(sehr) günstig darstellen · ↗beschönigen · ↗frisieren · ↗herunterspielen · ↗maskieren · positiv darstellen · ↗schönen · ↗schönfärben · ↗schönreden · ↗verbrämen · ↗verharmlosen · ↗verhüllen · verschleiern · ↗übertünchen  ●  in ein gutes Licht rücken  fig. · ins rechte Licht rücken  fig. · ins rechte Licht setzen  fig. · ↗weichspülen  fig. · ↗aufputzen  ugs. · ↗bemänteln  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Absender Absicht Anabolikum Aufenthaltsort Ausmaß Besitzverhältnis Dopingmittel Dunst Ertragslage Finanzlage Geldfluss Großspende Herkunft IP-Adresse Identität Lohnzahlung Machenschaft Machtverhältnis Rechenschaftsbericht Sachverhalt Tatbestand Tatsache Verantwortlichkeit Vermögensverhältnis beschönigen notdürftig schönen stückeln systematisch vertuschen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verschleiern‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Da hilft es auch nichts, daß die Hersteller versuchen, die Funktion des Geräts zu verschleiern.
Süddeutsche Zeitung, 28.03.1998
Zugleich warf er der Politik vor, die dramatische Situation am Bau zu verschleiern.
Der Tagesspiegel, 16.09.1997
Ich lese nur mit meist verschleierten Augen ziemlich viel vor.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1931. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1931], S. 210
Sie suchte mit fliegenden Fingern und verschleierten Augen nach einer Stelle.
Duncker, Dora: Jugend. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1905], S. 9503
Er war furchtbar ernst und hielt seine verschleierten Augen seitwärts gerichtet.
Mann, Thomas: Buddenbrooks, Frankfurt a. M.: Fischer 1989 [1901], S. 670
Zitationshilfe
„verschleiern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/verschleiern>, abgerufen am 16.10.2019.

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