verreißen

GrammatikVerb · verriss, hat verrissen
Aussprache
Worttrennungver-rei-ßen (computergeneriert)
Grundformreißen1
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich etw., jmdn. sehr hart, vernichtend kritisieren, ihm jeglichen Wert absprechen
Beispiele:
das Theaterstück, der Schauspieler wurde von der Kritik verrissen
er nahm die Gelegenheit wahr, die Leistungen seiner Mitbewerber gründlich zu verreißen
2.
süddeutsch, österreichisch
Beispiel:
ein Fahrzeug, das Steuer verreißen (= ein Fahrzeug durch plötzliche Drehung des Steuers ruckartig in eine andere Richtung bringen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

reißen · Reißbrett · Reißzeug · Reißen · abreißen · Abriß · anreißen · aufreißen · Aufriß · ausreißen · einreißen · verreißen · zerreißen · Reißer
reißen Vb. ‘entzwei-, auseinandergehen, gewaltsam (in einzelne Teile) auseinandertrennen, an etw. ziehen, zerren, sich teilen, trennen, lösen, (von Raubtieren) ein Beutetier töten’, reflexiv ‘sich ritzen, sich verletzen’, ahd. rīʒan ‘einritzen, schreiben’ (9. Jh.), mhd. rīʒen ‘reißen, zerreißen, einritzen, schreiben, zeichnen’, asächs. wrītan ‘zerreißen, verwunden, einritzen, schreiben’, mnd. wrīten ‘reißen, schreiben, zeichnen’, mnl. rīten, nl. rijten, aengl. wrītan ‘einritzen, reißen, schreiben, zeichnen’, engl. to write ‘schreiben’, anord. rīta ‘einritzen, schreiben’. Sichere außergerm. Beziehungen finden sich nicht. Man versucht, im Hinblick auf griech. rhīnós (ῥινός) ‘Haut von Mensch und Tier, besonders Rindshaut, der aus Rindshaut hergestellte Schild’, rhī́nē (ῥίνη, aus *u̯rīnā) ‘Feile, Raspel’ die germ. Formen an eine Dentalableitung zu ie. *u̯rei-, *u̯rī-, Erweiterung der Wurzel ie. *u̯er- ‘aufreißen, ritzen’, anzuschließen; s. auch ↗reizen, ↗Riß, ↗ritzen. reißen bedeutet ursprünglich ‘ritzen’, speziell ‘(Runen)zeichen auf Buchenstäbchen einritzen’, dann ‘schreiben, zeichnen’ und (an ‘ritzen, einschneiden’ anschließend) ‘gewaltsam trennen’. Reißbrett n. ‘Brett als Unterlage zum Anfertigen technischer und geometrischer Zeichnungen’, Reißzeug n. ‘Geräte zum technischen Zeichnen’ (Reißfeder, -schiene, -zirkel u. a.) schließen als Bildungen des 17. Jhs. an reißen ‘zeichnen’ an. Reißen n. ‘Gliederschmerzen, Rheumatismus’ (18. Jh.). abreißen Vb. ‘losreißen, gewaltsam abtrennen, abgehen, sich lösen, niederreißen, abbrechen, abnutzen’, früher auch ‘ein Bild im Umriß entwerfen’, mhd. aberīʒen ‘herabreißen, entreißen, rauben’; Abriß m. ‘das Niederreißen, Abbruch, Zeichnung, Entwurf, gedrängte Darstellung, Überblick’ (16. Jh.). anreißen Vb. ‘ein kleines Stück einreißen, einen kleinen Riß anbringen, zu verbrauchen beginnen’, in der Technik ‘Linien, Formen von Werkstücken vorzeichnen’, umgangssprachlich ‘durch marktschreierische Methoden Käufer anlocken’ (15. Jh.). aufreißen Vb. ‘gewaltsam öffnen, auseinanderreißen, sich öffnen, aufplatzen’, mhd. ufrīʒen; in der Technik ‘einen Aufriß zeichnen’; Aufriß m. ‘Zeichnung eines senkrechten Schnittes oder der Außenseite eines Gegenstandes, gedrängter Überblick, kurze Darstellung’ (17. Jh.). ausreißen Vb. ‘herausreißen, herausziehen, durch Reißen entfernen, durch Reißen kaputtgehen, sich lösen, die Flucht ergreifen, davonlaufen’, ahd. ūʒrīʒan (Hs. 12. Jh.), mhd. ūʒrīʒen; vgl. Reißaus nehmen ‘davonlaufen, fliehen’ (Ende 16. Jh.), aus dem Imperativ reiß aus! einreißen Vb. ‘einen Riß bekommen, einen Riß verursachen, abbrechen, zerstören, zur Gewohnheit werden’, frühnhd. ‘überhandnehmen’ (15. Jh.). verreißen Vb. ‘vernichtend kritisieren’, zuvor ‘durch vieles Tragen zerreißen (von Kleidern), in Stücke reißen, vernichten’, mhd. verrīʒen ‘zerreißen’. zerreißen Vb. ‘(gewaltsam) trennen, in Stücke reißen, auseinanderreißen, (durch Abnutzung) entzweigehen, ein Loch in ein Kleidungsstück reißen’, mhd. zerrīʒen ‘zerreißen, zerfetzen, zerfleischen’. Reißer m. ‘wer reißt, zerreißt, Gerät zum Zerreißen von Textilien’ (17. Jh.), ‘wer Käufer in den Laden lockt’ (gleichsam an sich reißt, s. oben anreißen), dann auch ‘Artikel, der sich gut verkauft’ sowie ‘spannungsvolles, auf Publikumswirksamkeit berechnetes Bühnenstück, Buch, Filmwerk’ (2. Hälfte 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
in Grund und Boden reden · ↗niedermachen · verreißen  ●  ↗herunterputzen  ugs. · kein gutes Haar an etwas lassen  ugs. · ↗miesmachen  ugs. · ↗zerpflücken  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(ein) Verriss (sein) · in Grund und Boden verdammen · scharf kritisieren · vernichtend kritisieren · verreißen  ●  hart ins Gericht gehen (mit)  fig. · in der Luft zerreißen  fig. · kein gutes Haar lassen (an)  fig. · ↗(Punkt für Punkt) auseinandernehmen  ugs., fig. · in die Tonne treten  derb
Oberbegriffe
Assoziationen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und natürlich verriss jeder Kritiker, der etwas auf sich hielt, das Buch.
Süddeutsche Zeitung, 10.05.2003
Sie verriss das Steuer, ihr Wagen krachte gegen einen entgegenkommendes Auto - schwer verletzt.
Bild, 19.07.2002
Nichtsahnend überredet er Leo, das Werk ihres Pseudonyms zu verreißen - und liebt fortan beide.
Die Zeit, 23.02.1996, Nr. 9
Früher wollte man sich verreißen, wenn es hieß, das Regiment geht fünf bis sechs Wochen zur Übung.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 13.11.1939, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Wie wir es wagen könnten, diesen Film der Hippie-Bewegung zu verreißen.
Der Spiegel, 09.02.1998
Zitationshilfe
„verreißen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/verreißen>, abgerufen am 23.09.2019.

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