verrückt

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungver-rückt (computergeneriert)
Wortbildung mit ›verrückt‹ als Grundform: ↗Verrückte · ↗Verrücktheit
eWDG, 1977

Bedeutung

umgangssprachlich nicht normal
a)
geisteskrank, wahnsinnig
Beispiele:
sie ist verrückt und muss in eine Nervenheilanstalt
es heißt, Verrückte fühlten sich in ihren Einbildungen vollkommen glücklich
wir glaubten wirklich, sie sei verrückt geworden
er schrie, als wäre er verrückt
er hat sich wie ein Verrückter benommen
sie sahen ihn an, als hielten sie ihn für verrückt
mit deinem vielen Gerede machst du uns noch ganz verrückt (= bringst du uns noch völlig durcheinander)
bei dem Getöse kann man ja verrückt werden (= den Verstand verlieren)
salopp, übertrieben er hatte schon immer ausgefallene Pläne, aber jetzt ist er komplett verrückt geworden
salopp, übertrieben er war ganz verrückt vor Begeisterung (= er war außer sich vor Begeisterung)
abwertend verrückt spielen (= sich absonderlich, exaltiert aufführen)
b)
närrisch, ausgefallen, überspannt
Beispiele:
ein verrückter Einfall, Gedanke
eine verrückte Idee, Mode
das war ein ganz verrückter Streich, den du da gespielt hast
sie hatte ihm einen ganz verrückten Brief geschrieben
er war schon immer ein verrückter Kerl
salopp er war schon immer ein verrückter Hund, verrücktes Huhn
so verrückt wie er ist keiner
das Verrückteste war, dass sich niemand darüber wunderte oder widersprach
etw. Verrücktes anstellen, tun
etw. Verrücktes (= Wildes, Temperamentvolles, stark rhythmisch Betontes, Leidenschaftliches) auf dem Klavier spielen
keiner ist so verrückt, daß er nicht einen noch Verrückteren fände, der ihn versteht [HeineHarzreise3,24]
verrückt sein auf etw., jmdn., nach etw., jmdm.begierig, versessen sein auf etw., jmdn.
Beispiele:
sie glaubte, dass alle Männer verrückt nach ihr, auf sie sein müssten
verrückt sein auf Sahnebonbons, Krimis, saure Gurken
c)
salopp drückt eine Verstärkung aus   sehr groß, stark
Beispiel:
als der berühmte Sänger auftrat, brach ein ganz verrückter Jubel aus
(wie) verrücktmit großem Nachdruck, sehr
Beispiele:
er hat wie verrückt geschrien
es hat wie verrückt geregnet
sie scheuerte den Boden wie verrückt
er lief wie verrückt (= überaus schnell, sich über die Maßen anstrengend) die Straße entlang
warum schlagen Sie so verrückt auf die Tür ein?
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

rücken · abrücken · anrücken · ausrücken · einrücken · entrücken · entrückt · verrücken · verrückt · vorrücken · berücken
rücken Vb. ‘sich vorwärts bewegen, zu einem bestimmten Ort aufbrechen, (weg)marschieren, (mit einem Ruck, ruckweise) an einen anderen Platz schieben, in eine andere Lage bringen, von der Stelle bewegen’, ahd. rucken (9. Jh.; vgl. irrucken ‘unterstützen, aufrichten’, 8. Jh.), mhd. rücken (obd. rucken) ‘sich fortbewegen, etw. schnell bewegen’, mnd. mnl. rucken, nl. rukken, anord. rykkja, schwed. rycka, dän. rykke. Herkunft nicht geklärt. Verwandt sind sicher mhd. nl. (holl.) rocken ‘rücken’, aengl. roccian, engl. to rock ‘wiegen, schaukeln’ (s. ↗Rock and Roll), anord. rugga ‘schütteln, schaukeln, wiegen’, schwed. (mundartlich) rugga ‘schaukeln’. Sieht man in den Formen geminierte schwundstufige Bildungen, kann ein Zusammenhang mit ↗Rahe und ↗regen (s. d.) angenommen werden. abrücken Vb. ‘wegrücken, -schieben, aufbrechen, sich entfernen, abmarschieren, sich distanzieren’, mhd. aberücken ‘wegziehen, entfernen’. anrücken Vb. ‘aneinanderschieben, sich nähern, anmarschieren’ (15. Jh.). ausrücken Vb. ‘aus-, hinausmarschieren, davonlaufen, ausreißen’, mhd. ūʒrücken ‘herausziehen’. einrücken Vb. ‘einsetzen, einmarschieren, den Militärdienst beginnen, dazu eingezogen werden’, mhd. īnrucken ‘hineinschieben’. entrücken Vb. ‘wegnehmen, entfernen, versetzen’ (an einen anderen Ort, in Ekstase, in eine andere Welt), mhd. entrücken; entrückt Part.adj. ‘abgelegen, fern, geistig abwesend, weltverloren’ (13. Jh.). verrücken Vb. ‘wegrücken, an einen anderen Platz schieben, verschieben’, ahd. firrucken (um 1000), mhd. verrücken, verrucken; verrückt Part.adj. ‘nicht bei Verstand, geistesgestört, irre, unsinnig’, eigentlich ‘an eine andere, eine falsche Stelle gebracht’ (16. Jh.), zumal in Fügungen wie verrückt im Kopf, im Hirn ‘töricht, närrisch’ (17. Jh.), aus denen sich rasch absoluter Gebrauch im oben genannten Sinne entwickelt. vorrücken Vb. ‘(weiter) nach vorn, vorwärts rücken, vorwärts marschieren, auf dem Vormarsch sein’, ahd. furirucken (um 1000), mhd. vorrücken ‘vorbeiziehen, -gehen’. berücken Vb. ‘bezaubern, entzücken, betören, verlocken’, ursprünglich ein Ausdruck des Vogel- und Fischfangs mit der Bedeutung ‘listig, täuschend fangen’, eigentlich ‘ein Netz über das Tier rücken, das man fangen will’, von Luther (1. Hälfte 16. Jh.) in die Literatursprache eingeführt. Im Frühnhd. und vor allem in der Barockzeit (17./18. Jh.) wird berücken oft bildlich mit dem Aspekt des Betrugs und der Liebeslist verwendet. Im 18. Jh. geht das Gefühl für die ursprüngliche Bedeutung verloren, und berücken steht gleichbed. neben bezaubern.

Thesaurus

Synonymgruppe
verblödet · verrückt  ●  ↗crazy  ugs. · ↗durchgeknallt  ugs. · geistig umnachtet  ugs. · ↗hirnrissig  ugs. · ↗irr  ugs. · ↗irre  ugs. · ↗meschugge  ugs. · nicht bei Sinnen  ugs. · nicht richtig ticken  ugs. · ↗plemplem  ugs.
Unterbegriffe
Synonymgruppe
aberwitzig · ↗absurd · ↗bescheuert (Sache) · ↗irrational · ↗irre · ↗irrsinnig · ↗irrwitzig · ↗konfus · nicht rational · ohne Sinn und Verstand · ↗paradox · reiner Blödsinn · ↗sinnfrei · ↗sinnlos · ↗unklar · ↗unlogisch · ↗unvernünftig · ↗vernunftwidrig · ↗wahnwitzig · ↗widersinnig  ●  ↗hirnverbrannt  abwertend · ↗töricht  abwertend · ↗unsinnig  Hauptform · ↗(totaler) Quatsch  ugs. · ↗antinomisch  geh. · ↗blöd (Sache)  ugs. · ↗blödsinnig  ugs. · ↗dämlich (Sache)  ugs. · ↗hirnrissig  ugs. · ↗idiotisch  ugs., abwertend · ↗schwachsinnig  ugs., abwertend · selten dämlich (Idee, Aktion, Behauptung ...)  ugs. · verrückt  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
ausgelassen · verrückt · ↗wahnsinnig  ●  ↗abgefahren  ugs. · ↗übergeschnappt  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
abwegig · ↗kraus · nicht stimmig · ↗ungereimt · ↗unsinnig · ↗unverständlich · verrückt · ↗versponnen · ↗verworren · ↗widersinnig
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Einfall Einzelgänger Erfinder Fanatiker Huhn Hund Hutmacher Idee Kerl Kuh Paar Professor Rennen Restaurant-Theater Sache Typ Type Wette Wissenschaftler alle genial geradezu geworden irgendwie klingen spielen spielend total wild ziemlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verrückt‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber wenn Sie erst mal zwei, drei Nächte nicht geschlafen haben, werden Sie auch irgendwann verrückt.
Regener, Sven: Herr Lehmann, Frankfurt am Main: Eichborn AG 2006 [2001], S. 273
Der Wein, den sie da oben in den Bergen tränken, mache verrückt, hatten sie gesagt.
Die Zeit, 04.10.2008, Nr. 41
Ich wäre doch verrückt, wenn ich nach alldem noch mal soviel riskieren würde, niemals!
Bild, 27.08.2005
Die Welt ist verrückt und wir werden es so langsam auch noch.
Brief von Alois Scheuer an Friedchen Scheuer vom 03.09.1942, Feldpost-Archive mkb-fp-0079
Ich muß verrückt gewesen sein, als ich das geschrieben habe.
Friedländer, Hugo: Grete Beier, Tochter des Bürgermeisters Beier zu Brand, wegen Ermordung ihres Bräutigams vor dem Schwurgericht zu Freiberg i. Sa. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1920], S. 4239
Zitationshilfe
„verrückt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/verrückt>, abgerufen am 23.05.2019.

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