verpassen

GrammatikVerb · verpasste, hat verpasst
Aussprache
Worttrennungver-pas-sen (computergeneriert)
Grundformpassen
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
etw., jmdn. verpassennicht zur rechten Zeit zu etw., jmdm. kommen und dadurch nicht erreichen
Beispiele:
das Flugzeug, den Omnibus, Zug verpassen
das Frühstück, den Dienst, ein Rendezvous verpassen
er verpasste die Ankunft seines Freundes
ich möchte nicht den letzten Anschlusszug verpassen
er beeilte sich sehr, aber verpasste trotzdem seine Freundin
Nur um zwei Sekunden haben sich Romeo und Julia verpaßt [HildesheimerParadies27]
etw. nicht nutzen, zur rechten Zeit nicht das Nötige oder Mögliche tun
Beispiele:
eine Gelegenheit verpassen
der Schauspieler hatte sein Stichwort, der Musiker seinen Einsatz verpasst
er bildete sich ein, er hätte etw. verpasst (= er hätte eine Gelegenheit, etw. zu tun oder zu erleben, nicht genutzt)
er fürchtete, den Anschluss an die Entwicklung zu verpassen (= zu verlieren)
salopp sie hat den Anschluss verpasst (= sie hat keinen Mann bekommen)
Viel zuwenig glückliche Stunden gibt es im Leben, als daß man sich leisten könnte, sie zu verpassen [ZuchardtNarr409]
2.
salopp, abwertend jmdm. etw. verpassenjmdm. etw. meist Unangenehmes zuteilwerden lassen
Beispiele:
jmdm. eine Schmerzspritze verpassen
der Arzt hat ihm eine Brille verpasst (= verordnet)
er erhielt vom Gericht ein Jahr Gefängnis verpasst
jmdm. einen Denkzettel, eine Lektion, Zigarre verpassen (= jmdn. streng tadeln)
jmdm. eine Ohrfeige, Tracht Prügel, einen Hieb verpassen
jmdm. eins, ein Ding verpassen (= auswischen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

passen · anpassen · aufpassen · verpassen · unpäßlich · Passe
passen Vb. ‘sich eignen, angemessen, recht sein, gelegen kommen, in der Größe entsprechen’ (17. Jh.; transitiv ‘angemessen, geeignet machen, genau einfügen’ seit Ende 16. Jh.), auch ‘achtgeben’ (15. Jh.), mhd. (westmd.) gepassen ‘erreichen’ (vgl. niederrhein. passen ‘gelangen, das Ziel erreichen’ und ‘zusammentreffen, übereinstimmen, angemessen sein’, 1477); über mnl. passen ‘zumessen, fügen, ordnen, abrichten, achtgeben, gelegen kommen, durchqueren’, mnd. passen ‘angemessen machen, geeignet sein, achtgeben, berücksichtigen, vorbeifahren’ entlehnt aus afrz. frz. passer ‘sich von einem Orte an einen anderen bewegen, durchqueren, überschreiten, vorüber-, vergehen’, frz. auch ‘annehmbar, erträglich sein’ (s. ↗passieren). Als Ausdruck des Würfel- und Kartenspiels steht passen vom 17. Jh. an für ‘ein Spiel vorübergehen lassen, abgeben’, daher übertragen für ‘abwarten’ (17. Jh.), ‘nicht mithalten, verzichten’ (Ende 18. Jh.). anpassen Vb. ‘passend machen, in Übereinstimmung bringen’, reflexiv ‘sich angleichen, einordnen’ (wie nl. aanpassen), älter ‘passend sein, entsprechen’ (18. Jh.). aufpassen Vb. ‘achtgeben, aufmerksam sein, auflauern’ (17. Jh.), im Anschluß an die Fügung auf etw. passen (16. Jh.). verpassen Vb. ‘versäumen, durch Unachtsamkeit verfehlen’ (17. Jh.), in moderner Umgangssprache (zunächst wohl soldatensprachlich) auch ‘zuteilen, zukommen lassen, anprobieren’ (Anfang 20. Jh.). unpäßlich Adj. ‘unwohl, leicht erkrankt’ (um 1600), vgl. frühnhd. unbäßig (15. Jh.). Passe f. ‘eingesetztes Schulterteil eines Kleidungsstücks’ (20. Jh.), zuvor ‘vorderer, das Gesicht schützender Rand am Damenhut’ (19. Jh.), in diesem Sinne nach mfrz. frz. passe, Ableitung von afrz. frz. passer (s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe
verfehlen · ↗vergessen · verpassen · ↗versäumen · ↗übersehen  ●  nicht mitbekommen  ugs. · ↗verabsäumen  geh., Papierdeutsch · ↗verbaseln  ugs., regional · ↗verpennen  ugs. · ↗verschlafen  ugs. · ↗verschwitzen  ugs.
Assoziationen
  • (sich) nicht erinnern (an) · nicht denken an · ↗vergessen  ●  (jemandem) entfallen (sein)  geh. · (jemandem) nicht erinnerlich (sein)  geh. · (sich einer Sache) nicht entsinnen können  geh. · aus den Augen verlieren  ugs. · ↗verbummeln  ugs. · ↗verschwitzen  ugs.
  • (einer Sache) verlustig gehen · ↗verlegen · ↗verlieren  ●  ↗verbaseln  ugs., regional · ↗verbummeln  ugs. · ↗verdusseln  ugs. · verklüngeln  ugs. · ↗verkramen  ugs. · ↗verschlampen  ugs. · ↗verschludern  ugs. · verschluren  ugs., rheinisch · ↗verschmeißen  ugs., bair. · ↗verschusseln  ugs.
  • (etwas) verbummelt haben · (etwas) verkramt haben · (etwas) verlegt haben · (etwas) verschlampt haben · (etwas) verschusselt haben
Antonyme
  • verpassen
Synonymgruppe
verpassen · ↗überhören  ●  einen Aussetzer haben  ugs. · nicht mitbekommen  ugs.
Synonymgruppe
geben · verpassen  ●  ↗erteilen  Amtsdeutsch
Synonymgruppe
(über etwas) befinden · ↗anordnen · ↗anweisen · ↗aufzwingen · ↗bestimmen · ↗diktieren · ↗entscheiden · ↗festlegen · ↗regeln · ↗veranlassen · ↗verfügen · ↗verordnen · ↗vorgeben · ↗vorschreiben  ●  (jemandem etwas) verpassen  ugs. · das letzte Wort haben  ugs., auch figurativ
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Achtelfinale Anschluß Aufstieg Champions League Chance Cut Denkzettel Dämpfer Einzug Finale Gelegenheit Halbfinale Image Maulkorb Medaille Ohrfeige Olympia-Qualifikation Play-off Podestplatz Qualifikation Schlag Sekunde Sieg Sprung Tabellenspitz Viertelfinale WM Zeitpunkt Zug knapp

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verpassen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Industrie hat es verpasst, sich auf einheitliche Standards zu einigen.
Süddeutsche Zeitung, 23.11.2004
Wenn ich sie nicht anspreche, verpasse ich eine einmalige Chance.
Der Tagesspiegel, 14.09.2004
Aha, kaum ist er Meister, schon hat er sich ein neues seriöses Outfit verpaßt.
Der Spiegel, 17.08.1992
So einer hat die Welt nie gesehen und dennoch nichts verpaßt.
Engler, Wolfgang: Die Ostdeutschen, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1999], S. 254
Es wäre nicht schön, jetzt noch eins verpaßt zu kriegen.
Remarque, Erich Maria: Im Westen nichts Neues, Berlin: Propyläen 1929, S. 204
Zitationshilfe
„verpassen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/verpassen>, abgerufen am 15.10.2019.

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