verneigen

GrammatikVerb · reflexiv
Aussprache
Worttrennungver-nei-gen (computergeneriert)
Grundformneigen
Wortbildung mit ›verneigen‹ als Erstglied: ↗Verneigung
eWDG, 1977

Bedeutung

gehoben sich verbeugen
Beispiele:
er verneigte sich vor den Anwesenden und verließ das Zimmer, die Bühne
sich tief verneigen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

neigen · geneigt · abgeneigt · Neigung · Abneigung · Neige · verneigen · Verneigung · zuneigen · Zuneigung
neigen Vb. ‘beugen, schräg stellen, senken’, reflexiv ‘zu Ende gehen’. Das schwache Verb ahd. (h)neigen ‘neigen, senken, biegen, abwenden, beugen, unterwerfen’ (8. Jh.), mhd. neigen, asächs. gihnēgian, mnl. neighen, nl. neigen, aengl. hnǣgan, anord. hneigja, got. hnaiwjan ‘erniedrigen’ (germ. *hnaigwjan) kann entweder als Kausativum zum starken Verb (im Dt. bis 15. Jh. belegt) ahd. (h)nīgan ‘sich neigen (vor), sich niederbücken’ (8. Jh.), mhd. nīgen, asächs. aengl. hnīgan, mnd. nīgen, mnl. nīghen, nl. nijgen, anord. hnīga ‘sich neigen, sinken, fallen’, schwed. niga ‘knicksen’, got. hneiwan ‘sich neigen’ (germ. *hneigwan) oder als denominative jan-Ableitung zu dem in aengl. hnāg, hnāh ‘gebeugt, demütig’, got. hnaiws ‘niedrig, demütig’ vorliegenden Adjektiv angesehen werden. Außergerm. vergleichbar ist lediglich die Wortgruppe lat. nītī (nīs(s)us, (g)nīxus sum) ‘sich stemmen, stützen, sich in der Schwebe halten, steigen, klettern’, nictāre ‘zwinkern’, cōnīvēre ‘die Augen zudrücken, blinzeln’, so daß von ie. *kneigu̯h- ‘neigen, sich biegen’ ausgegangen werden kann. Dazu stellt sich mit Labialerweiterung ie. *kneib-, wozu anord. hnipinn ‘mißmutig, biegsam’, hnīpa ‘den Kopf hängen lassen, mißmutig sein’ und wohl auch lit. knìbti ‘zusammenknicken, zusammensinken’, kneĩbtis, kneĩptis ‘sich beugen, sich versenken, sich vertiefen’. geneigt Part.adj. ‘gewogen, zugetan’, in der Fügung geneigt sein, mhd. geneiget sīn; abgeneigt Part.adj. ‘nicht willens, frei von jeder Neigung, übel gesinnt’ (17. Jh.). Neigung f. ‘Zuneigung, freundschaftliche Gesinnung’, mhd. neigunge; dann auch ‘geneigte Haltung, Lage’ (2. Häfte 16. Jh.). Abneigung f. ‘ablehnende Haltung, Widerwille’ (17. Jh.), vgl. mhd. abeneigunge ‘Gefälle’. Neige f. ‘letzter Inhalt eines Gefäßes’ (Ende 15. Jh.), vor allem in der Wendung bis zur Neige ‘völlig, restlos’ und zur Neige gehen ‘dem Ende zugehen’ (Anfang 17. Jh.); vgl. mhd. neige ‘Biegung, Senkung, Tiefe, Ende’. verneigen Vb. reflexiv ‘sich verbeugen’ (17. Jh.); vgl. mhd. verneigen ‘herabbeugen, unterdrücken’; Verneigung f. ‘Verbeugung’ (Anfang 19. Jh.). zuneigen Vb. ‘hinwenden, eine Vorliebe haben’, reflexiv ‘Sympathie empfinden, sich hingezogen fühlen’, mhd. zuoneigen ‘hinwenden’; Zuneigung f. ‘das Hingewendetsein, Liebe’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(einen) Bückling machen · (einen) Diener machen · (sich) nach vorne neigen · ↗(sich) verbeugen · (sich) verneigen
Assoziationen
Synonymgruppe
Achtung bezeugen · Anerkennung zollen · Respekt erweisen · Respekt zollen · Tribut zollen  ●  (sich) verneigen  fig. · den Hut ziehen  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Andenken Angesicht Dankbarkeit Demut Ehrfurcht Ermordete Fußball-Welt Grab Haupt Himmelsrichtung Ikon Respekt Sarg Scham Trauer Trikolore artig bekreuzigen dankend demütig dreimal ehrfurchtsvoll ehrfürchtig höflich respektvoll schweigend stumm tief verneigen voreinander

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verneigen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Spieler verneigten sich vor ihm, dann warfen sie ihn jubelnd in die Höhe.
Die Zeit, 02.06.2013 (online)
Für die Fans war ich Gott, sie verneigten vor mir ihre Köpfe.
Bild, 07.10.1998
Ich hatte mich nur noch tief und dankbar zu verneigen.
Braun, Lily: Memoiren einer Sozialistin. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 1114
Die Dame steht rechts vom Herrn und verneigt sich ebenfalls leicht.
Giesder, Gabriele: Gutes Benehmen, Düsseldorf: Econ-Taschenbuch-Verl. 1991 [1986], S. 76
Dieser verneigte sich seinerseits droben vor dem Baron und begann ihm auf dem Bock das Kinn zu bepinseln.
Winckler, Josef: Der tolle Bomberg, Rudolstadt: Greifenverl. [1956] [1922], S. 74
Zitationshilfe
„verneigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/verneigen>, abgerufen am 18.08.2019.

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