vernehmen

GrammatikVerb · vernimmt, vernahm, hat vernommen
Worttrennungver-neh-men
Grundformnehmen
Wortbildung mit ›vernehmen‹ als Erstglied: ↗Vernehmung · ↗vernehmbar · ↗vernehmlich
 ·  mit ›vernehmen‹ als Letztglied: ↗einvernehmen
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
jmdn. richterlich, polizeilich verhören
Beispiele:
einen Angeklagten vernehmen
jmdn. als Zeugen, Sachverständigen, zur Sache, zur Person vernehmen
2.
gehoben etw., jmdn. hören
Beispiele:
ein Geräusch, Rufe, Stimmen vernehmen
ich habe deine Worte vernommen
nachdem wir geklingelt hatten, vernahmen wir Hundegebell
wir hatten lange Zeit kein Wort über sein Schicksal, Ergehen vernommen
hast du etw. vernommen?
obwohl er sehr leise sprach, konnten wir doch jedes Wort vernehmen (= verstehen)
er hatte bereits vernommen (= erfahren), dass sie gekündigt hatte
ihre Lippen bewegten sich, ohne einen Ton vernehmen zu lassen
nach langem Schweigen ließ er sich endlich mit einem einzigen Ja vernehmen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nehmen · benehmen · benommen · Benommenheit · unbenommen · Benehmen · Benimm · unternehmen · Unternehmen · Unternehmer · vernehmen · Vernehmung · vernehmlich · Nahme
nehmen Vb. ‘mit den Händen ergreifen, fassen, wegnehmen, entziehen’, ahd. neman (8. Jh.), mhd. nemen, asächs. niman, neman, mnd. mnl. nēmen, nl. nemen, afries. nema, aengl. niman, engl. (älter) to nim, anord. nema, got. niman (germ. *neman) sind vergleichbar mit griech. némein (νέμειν) ‘aus-, ver-, ordnungsgemäß zuteilen, lenken, leiten, verwalten, sich aneignen, besitzen, bebauen, Weideland zuteilen, (ab)weiden, verzehren’, lett. (mit sekundärer Palatalisierung des Anlauts) n̹emt, awest. nəmah- ‘Darlehen’, air. nem ‘Gift’, lat. numerus ‘Zahl, Anzahl’, lit. núoma, núomas, lett. noma ‘Miete, Pacht’, so daß eine Wurzel ie. *nem- ‘zuteilen, nehmen’ (von der Vorstellung der hingestreckten Hand), auch (von ‘zuteilen’ ausgehend) ‘anordnen, rechnen, zählen’ angesetzt werden kann. benehmen Vb. ‘wegnehmen, entziehen’, ahd. bineman (8. Jh.), mhd. benemen; reflexiv ‘sich verhalten, sich aufführen’, anfangs ‘sich besprechen, mit jmdm. verständigen’ (18. Jh.). benommen Part.adj. ‘schwindlig, betäubt’ (19. Jh.), eigentlich ‘weggenommen, behindert’; Benommenheit f. ‘das Gefühl, keinen klaren Kopf zu haben, Betäubtheit’ (Mitte 19. Jh.). unbenommen Part.adj. ‘nicht verwehrt, unversagt’, eigentlich ‘unbehindert’, meist in der Fügung unbenommen sein, mhd. unbenomen sīn. Benehmen n. ‘das Verhalten nach Regeln von Sitte und Takt (im Umgang mit Menschen)’ (1. Hälfte 18. Jh.); dazu umgangssprachlich Benimm m. (19. Jh.). unternehmen Vb. ‘beginnen, betreiben, machen’ (16. Jh., geläufig seit 18. Jh.); vgl. ahd. untarneman ‘unterbrechen, dazwischentreten’ (10. Jh.), mhd. undernemen ‘abschneiden, unterbrechen, verhindern, wegnehmen’, reflexiv ‘sich gegenseitig fassen, sich jmds. annehmen, etw. übernehmen, antreten’; Unternehmen n. ‘was unternommen wird, Vorhaben, Absicht’ (Anfang 17. Jh.), auch ‘wirtschaftliche Unternehmung, Betrieb’ (18. Jh.), dazu Unternehmer m. ‘wer einen Gewerbe- oder Industriebetrieb besitzt (und leitet)’ (18. Jh.), nach engl. undertaker, frz. entrepreneur; älter allgemein ‘wer etw. in die Wege leitet’ (Ende 17. Jh.). vernehmen Vb. ‘geistig erfassen und aufnehmen, hören, verstehen’, ahd. firneman ‘verstehen, verbrauchen’, auch ‘zur Kenntnis nehmen, erkennen’ (8. Jh.), mhd. vernemen ‘fest-, gefangennehmen, (an)hören, erfahren, erfassen, begreifen’; als Ausdruck der Gerichtssprache ‘jmdn. befragen und anhören, verhören’ (18. Jh.); Vernehmung f. ‘geistige Erfassung’ (15. Jh.), ‘gerichtliches Verhör’ (Ende 17. Jh.); vernehmlich Adj. ‘hörbar, laut, deutlich’ (18. Jh.), älter ‘mit einem der Sinne wahrnehmbar’, auch ‘verständig, klug’ (15. Jh.). Nahme f. ‘das Nehmen, das Gewonnene’, ahd. nāma ‘Beschlagnahme, Ergreifung’ (um 800), mhd. nāme ‘gewaltsames Nehmen, Raub, Beute’, Verbalabstraktum zu nehmen; heute nur in Präfixbildungen wie Abnahme (17. Jh.), Annahme (15. Jh.), Aufnahme (15. Jh.), Einnahme (15. Jh.), Entnahme (18. Jh.), Übernahme, (mhd. übernāme), Zunahme (Mitte 17. Jh.), die von den entsprechenden Präfixverben abgeleitet sind.

Thesaurus

Synonymgruppe
ausfragen · ↗befragen · ↗verhören · vernehmen · zur Rede stellen  ●  ↗inquirieren  veraltend · (jemanden) einvernehmen (bürokrat./jurist.)  fachspr. · ↗(jemanden) grillen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
anhören · vernehmen
Synonymgruppe
aufschnappen · ↗erfahren · ↗erhaschen · ↗hören · ↗mitbekommen · ↗mitkriegen · vernehmen  ●  (etwas) läuten hören  fig. · (ein) Vögelchen hat mir gezwitschert (dass) (Elternsprache)  ugs. · (von etwas) Wind bekommen  ugs. · es ist die Rede davon, dass  ugs. · man erzählt sich, dass  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angeklagte Ausschuß Beschuldigte Botschaft Echo Ermittler Genugtuung Geräusch Kreuzverhör Kripo Laut Mordkommission Mund Polizei Rauschen Ruf Sachverständiger Schrei Staatsanwalt Staatsanwaltschaft Staunen Stimme Ton Untersuchungsausschuß Untersuchungsrichter Verdächtige Verhandlungstag Zeug Zeuge Zeugin

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vernehmen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber sie hat schon einmal einen ähnlichen Satz vernommen, vier Jahre zuvor.
Der Tagesspiegel, 04.12.2002
Obwohl er alles weiß, ist von ihm kein kritisches Wort zu vernehmen.
Süddeutsche Zeitung, 25.07.1998
Wohin es geht, wirst Du heute morgen schon vernommen haben.
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 22.06.1941, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Vor wenigen Tagen haben Sie das neue große Programm vernommen.
o. A.: Tagung der NS-Reichsfrauenschaft auf dem Reichsparteitag der NSDAP in der Nürnberger Kongresshalle, 11.09.1936
Doch die Worte, die jener jetzt spricht, vernimmt er nur ungenau.
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh II, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 179
Zitationshilfe
„vernehmen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/vernehmen>, abgerufen am 23.07.2019.

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