vernebeln

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungver-ne-beln
Grundformnebeln
Wortbildung mit ›vernebeln‹ als Erstglied: ↗Vernebelung · ↗Verneblung
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
etw. mit Nebel erfüllen, in Nebel einhüllen
Beispiele:
der Qualm der Kartoffelfeuer hat die Gegend vernebelt
ein regnerischer und vernebelter (= nebliger) Tag
übertragen jmdn., jmdm. den Kopf vernebelnjmdm. durch Vorspiegelung falscher Tatsachen Unwahres, Unrichtiges glaubhaft machen, jmdn. irreführen, täuschen, verdummen
Beispiele:
diese Ideologie hat die Köpfe vieler Menschen vernebelt
ich lasse mich nicht vernebeln
2.
fachsprachlich eine Flüssigkeit in feinster Verteilung versprühen
Beispiel:
chemische Präparate werden von Flugzeugen aus verspritzt, vernebelt oder versprüht
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Nebel · nebelhaft · neb(e)lig · nebulös · benebelt · benebeln · vernebeln · nebeln · nibeln
Nebel m. (durch Konzentration kleinster Wassertröpfchen hervorgerufene) ‘Trübung, Unklarheit der Luft, Dunst’, ahd. nebul (8. Jh.), mhd. nebel, asächs. neƀal, mnd. mnl. nēvel, nl. afries. nevel ‘Nebel’ (germ. *neƀula-) sowie aengl. nifol ‘dunkel’ und anord. njōl(a) (aus urnord. *niuwul, germ. *neƀulō) ‘Nebel, Nacht’, nifl- (in Zusammensetzungen wie niflhel ‘Unterwelt’, niflvegr ‘dunkle Straße’) sind verwandt mit griech. nephélē (νεφέλη) ‘Wolke, Gewölk’, lat. nebula ‘Dunst, Nebel, Staubwolke’. Neben diesem l-Stamm steht ein s-Stamm in aind. nábhaḥ ‘Dunst, Feuchtigkeit, Wolke, Nebel’, hethit. nepis ‘Himmel’, griech. néphos (νέφος) ‘Wolke, Gewölk’, air. nem (aus *nebhes-) ‘Himmel’, aslaw. nebo, russ. nébo (небо) ‘Himmel’, (mit sekundärem d-Anlaut) lit. debesìs ‘Wolke’. Alle Formen werden zurückgeführt auf ie. *nebh- ‘feucht, Wasser’, dann ‘Dampf, Dunst, Nebel, Wolke’. nebelhaft Adj. ‘wie Nebel, unklar’ (Ende 17. Jh.). neb(e)lig Adj. ‘voller Nebel, dunstig’, ahd. nebulīg (um 1000), frühnhd. nebelig (15. Jh.). nebulös Adj. ‘neblig, unklar, verschwommen’ (19. Jh.), nach frz. nébuleux in dessen übertragener Verwendung (aus lat. nebulōsus ‘neblig, dunkel’). benebelt Part.adj. ‘in Nebel eingehüllt’, übertragen ‘benommen, betäubt’ (17. Jh.); zu benebeln Vb. ‘in Nebel einhüllen, verdunkeln, betäuben’ (17. Jh.). vernebeln Vb. ‘in Nebel einhüllen, durch Nebel unklar machen’ (geläufig seit 17. Jh.); vgl. (falls hierher gehörig) ahd. firnibulen ‘verdunkeln’ (8. Jh.) und (seltenes) nebeln, nibeln Vb. ‘Nebel erzeugen, neblig sein, in Nebel einhüllen, fein, nebelartig regnen, nieseln’, ahd. nibulen ‘sich verfinstern, sich verdunkeln’ (9. Jh.), mhd. nibelen, nebelen ‘neblig, dunkel machen, sein oder werden’.

Thesaurus

Militär
Synonymgruppe
einnebeln · ↗umnebeln · vernebeln
Synonymgruppe
kaschieren · ↗tarnen · ↗umhüllen · ↗ummänteln · ↗umnebeln · ↗verbergen · ↗verdecken · ↗verfälschen · ↗verhüllen · ↗verkleiden · vernebeln · ↗verschleiern · ↗verstecken · ↗vertuschen · ↗verwischen · ↗zudecken  ●  unter den Teppich kehren  fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Alkohol Bewußtsein Blick Denken Dunst Gehirn Hirn Kontur Kopf Phrase Pulverdampf Qualm Rauch Rauchbombe Rauchschwaden Realität Rhetorik Sachverhalt Sicht Sinn Staub Tatbestand Tatsache Vernunft Verstand Wirklichkeit Wolke bisweilen verschleiern vertuschen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›vernebeln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Für kurze Zeit vernebelt der Staub alles, dann erkennen die Gäste langsam die Umgebung.
Süddeutsche Zeitung, 05.05.1998
Aber sie können nicht mehr verschweigen oder vernebeln, daß sich ihre finanzielle Situation im letzten Jahr wesentlich verschlechtert hat.
Die Zeit, 09.03.1962, Nr. 10
Obwohl es noch früh am Morgen war, saßen schon etliche Zecher an den Tischen, meist Blutschinken, vernebelt von beißendem Zigarrenrauch.
Moers, Walter: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 897
Der Himmel wird weiß, das Gras zu dunkel, die Schatten zu flach, die Ferne vernebelt, Sommersprossen indiskret.
Spoerl, Alexander: Mit der Kamera auf du, München: Piper 1957, S. 91
Im weiteren Verlauf wurde auf der Besprechung das Problem gewisser Neutraler besprochen, die versehentlich »vernebelt« worden waren.
o. A.: Einhundertachtundachtzigster Tag. Samstag, 27. Juli 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 18567
Zitationshilfe
„vernebeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/vernebeln>, abgerufen am 20.07.2019.

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