verlangen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungver-lan-gen
Grundformlangen
Wortbildung mit ›verlangen‹ als Letztglied: ↗abverlangen · ↗vorausverlangen · ↗zurückverlangen
 ·  mit ›verlangen‹ als Grundform: ↗Verlangen
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
etw. nachdrücklich, energisch fordern, etw. haben wollen
Beispiele:
Schadenersatz, Genugtuung, seinen Anteil, sein Recht, eine angemessene Bezahlung, die Beseitigung bestimmter Mängel verlangen
Rechenschaft, eine Antwort, Begründung, Erklärung von jmdm. verlangen
er verlangte 1 000 Euro (von ihr)
welche Summe, welchen Preis, wie viel, was hat er (dafür) verlangt?
der Pförtner verlangte von ihr den Ausweis (= forderte sie auf, ihren Ausweis zu zeigen)
die Kundin verlangte das Beschwerdebuch
sie machte die verlangten Angaben
sie verlangt (= besteht auf) Pünktlichkeit, gegenseitige Rücksichtnahme
ich verlange, dass dieser Schaden so schnell wie möglich behoben wird
umgangssprachlich das kannst du nicht von mir verlangen!
umgangssprachlich er tut alles, was von ihm verlangt wird
umgangssprachlich von den Schülern wird heute mehr verlangt als früher
umgangssprachlich das ist (nicht) zu viel verlangt!
umgangssprachlich mehr kann man wirklich nicht (für sein Geld) verlangen
sprichwörtlich man kann vom Ochsen nicht mehr als ein Stück Rindfleisch verlangen
in einem Geschäft dem Verkäufer seinen Wunsch äußern
Beispiele:
die Kundin verlangte ein Tube Haarfestiger
er ist an die Theke getreten und hat ein Glas Bier verlangt
2.
etw. verlangt etw., jmdn.etw. erfordert etw., jmdn.
Beispiel:
diese Aufgabe verlangt Mut, Geduld, Energie, den ganzen Mann, einen verantwortungsbewussten Menschen
3.
jmdn., etw. verlangenjmdn. (am Telefon) zu sprechen wünschen
Beispiele:
wenn Sie eine Auskunft brauchen, verlangen Sie bitte den Kollegen N, unseren Kundendienst
ich verlange den Geschäftsführer (zu sprechen)!
du wirst (am Telefon, Apparat) verlangt!
wen haben Sie verlangt?
4.
jmd. verlangt nach jmdm.jmd. wünscht, dass jmd. zu ihm kommt
Beispiele:
der Kranke verlangte nach einem Arzt
das Kind weinte und verlangte (= rief) nach seiner Mutter
jmd. verlangt nach etw.jmd. wünscht etw. zu erhalten
Beispiel:
der Kranke verlangte nach Wasser, Ruhe
bildlich
Beispiel:
gehoben die durstige Erde verlangt nach Regen
5.
gehoben jmdn. verlangt (es) nach jmdm., etw.jmd. sehnt sich nach jmdm., etw., jmd. hat ein Bedürfnis nach etw.
Beispiele:
ihn verlangt nach dir, deiner Gegenwart
es verlangt ihn nach Ruhe, seiner Heimat, einer Zigarette
es verlangt ihn durchaus nicht danach, ein solches Risiko auf sich zu nehmen
oft im Part. Präs.
Beispiele:
jmdn., etw. verlangend ansehen
die Arme verlangend nach etw., jmdm. ausstrecken
etw., jmdn. mit verlangenden Augen, Blicken betrachten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lang · lange · längs · längst · unlängst · Länge · langen · anlangen · erlangen · verlangen · Verlangen · länglich · langsam · Langeweile · langweilen · langweilig · Langfinger · Langmut · langmütig · Langohr · langwierig
lang Adj. räumliche und zeitliche Erstreckung bezeichnend, ahd. lang ‘langgestreckt, lange dauernd, ausführlich’ (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. lanc ‘lang, langsam’, asächs. nl. lang, aengl. lang, long, engl. long, anord. langr, schwed. lång, got. laggs wird zusammen mit gleichbed. lat. longus, mpers. drang, pers. dirang ‘lang’ auf ie. *(d)longho-, Adjektivbildung zu einer nasalierten Gutturalerweiterung der Wurzel ie. *del- ‘lang’, zurückgeführt. Unnasaliert liegt die (ursprünglich zum Teil wohl zweisilbige) Gutturalerweiterung vor in aind. dīrgháḥ, griech. dolichós (δολιχός), aslaw. dlьgъ, russ. dólgij (долгий) ‘lang’, ebenso (mit d-Abfall) in lit. ìlgas, lett. ilgs und in got. tulgus ‘fest, standhaft’. Das erste Zeugnis des germ. Adjektivs zeigt der bei Tacitus in lat. Langobardī überlieferte Name der Langobarden, eigentlich ‘Langbärte’. Im Dt. bezeichnet lang sowohl die Erstreckung in einer Dimension, und zwar bei Körpern die der größten Ausdehnung (im Unterschied zu breit oder dick), als auch die Erstreckung in der Zeit. In festen Verbindungen, vgl. lange Finger machen ‘stehlen’, einen langen Hals machen ‘neugierig sein’, ein langes Gesicht machen ‘enttäuscht sein’. lange Adv. ‘lange Zeit, bei weitem’, ahd. lango ‘vor langer Zeit, längst’ (8. Jh.), mhd. lange, langen ‘seit langem, lange Zeit’. längs Präp. Adv. ‘an etw. entlang, der Länge nach’, mhd. langes, lenges Adv. ‘vor langer Zeit, der Länge nach’, mnd. langes, frühnhd. auch längst (mit hinzugetretenem t, s. unten) sind adverbiale Genitive Sing. des Adjektivs. Das Adverb ist in der Gegenwart kaum noch in Gebrauch (etw. längs schneiden, nordd. längs kommen); als Präp. wird längs seit dem 14. Jh. verwendet. längst Adv. ‘seit langer Zeit, schon lange, bei weitem’, frühnhd. längst, auch langest, leng(e)st. Ursprünglich identisch mit längs (s. oben), dessen adverbiale Verwendung im Sinne von ‘vor langer Zeit’ die durch sekundäres -t erweiterte Form übernimmt; entsprechend unlängst Adv. ‘vor nicht langer Zeit, vor kurzem’, mit unorganischem -t aus dem adverbiellen Genitiv frühnhd. unlang(e)s (15. Jh.), mnd. unlanges, mnl. onlanges. Länge f. ‘Ausdehnung in die Hauptrichtung, Dauer, Längengrad’, ahd. lengī (9. Jh.), mhd. lenge. Länge bezeichnet insbesondere die räumliche Erstreckung im Unterschied zu Höhe und Breite, auch die Körpergröße, und erscheint als Grundwort in Maßbezeichnungen wie Hauptes-, Pferde-, Schiffslänge. langen Vb. ‘ausstrecken, sich erstrecken, reichen, auskommen’, mhd. langen ‘lang werden oder machen, sich ausstrecken, um etw. zu erreichen, Verlangen haben’, ahd. langēn ‘Verlangen haben’ (9. Jh.). anlangen Vb. ‘ankommen’ (16. Jh.). erlangen Vb. ‘bekommen, gewinnen, erwerben, erreichen’, mhd. erlangen ‘sich sehnen, verlangen, erreichen’, auch (unpersönlich) ‘lang dünken, langweilen’. S. auch ↗gelangen, hinlangen. verlangen Vb. ‘nach etw. Sehnsucht haben, etw. begehren, fordern’, mhd. verlangen; Verlangen n. substantivierter Infinitiv, mhd. verlangen, auch ‘Verdruß, Kummer’. länglich Adj. ‘im Verhältnis zur Breite größere Länge aufweisend, ein wenig lang’, ahd. langlīh (9. Jh.), frühnhd. langelich, lengelich (15. Jh.), daneben frühnhd. langlecht, länglicht, mhd. lengeleht. langsam Adj. ‘zögernd, lange Zeit brauchend, träge’, ahd. (8./9. Jh.), asächs. langsam ‘lange dauernd’, aengl. langsum; s. ↗-sam. Daneben ahd. langseimi (10. Jh.), mhd. lancseim; das zweite Wortglied (ahd. -seimi) stellt sich zu mhd. seine ‘langsam, träge’, verwandt mit ↗seit, ↗Seite (s. d.), oder es gehört im Sinne von ‘langsam fließend, tröpfelnd’ zu dem unter ↗Seim (s. d.) behandelten Substantiv; die Bedeutung ‘zögernd, gemächlich, nach und nach’ wird von langsam übernommen. Langeweile f. ‘Gefühl des Nichtausgefülltseins, des Überdrusses, Mangel an Abwechslung’, mhd. lange wīle, Zusammenschreibung vereinzelt seit dem 14. Jh., fest im 17. Jh., doch noch bis zur Gegenwart mit Binnenflexion (aus Langerweile, der Langenweile begegnen); langweilen Vb. ‘Langeweile bereiten’, reflexiv ‘Langeweile haben’ (18. Jh.); langweilig Adj. ‘uninteressant’ (15. Jh.). Langfinger m. ‘Dieb’ (17. Jh.). Langmut f. ‘Geduld, Nachsicht’ (16. Jh.), Rückbildung (da sich ahd. langmuotī, 8. Jh., nicht fortsetzt) aus langmütig Adj. ‘geduldig’, ahd. langmuotīg (10./11. Jh.), mhd. lancmüetec, Weiterbildung des Adjektivs ahd. langmuot (8. Jh.), einer Übersetzung von gleichbed. kirchenlat. longanimis (zu lat. longus ‘lang’ und animus ‘Seele, Mut’). Langohr n. Name des Hasen (auch kleines Langohr) und des Esels (großes Langohr), wohl rotw. (16. Jh.); zu vergleichen ist die ähnliche Benennung des Hasen durch spätlat. aurītus (zu lat. auris ‘Ohr’), des Esels durch die zugehörige Deminutivform lat. aurītulus. Adjektivisches aurītus ‘(in auffälliger Weise) mit Ohren versehen’ dient zur Charakterisierung beider Tiere. langwierig Adj. ‘lange während, viel Zeit erfordernd, mühsam’, frühnhd. langwiric ‘lange dauernd, lange lebend’ (15. Jh.), Zusammensetzung mit dem Adjektiv ahd. wirīg ‘dauernd, dauerhaft’ (um 1000), mhd. wiric ‘dauerhaft’, zu ahd. werēn (s. ↗währen). Weit früher als das Adjektiv erscheint das Abstraktum ahd. langwirī̌gī ‘lange Dauer’ (um 1000).

Thesaurus

Synonymgruppe
(etwas) sehnlichst vermissen · (inständig) verlangen (nach) · (sich) sehnen (nach) · (sich) verzehren nach · fiebern nach · ↗gieren (nach) · ↗lechzen (nach) · ↗schmachten (nach) · ↗vergehen (nach) · ↗verschmachten (nach)  ●  ↗dürsten (nach)  geh., poetisch
Assoziationen
Assoziationen
  • Anspruch · ↗Erwartung · ↗Forderung
  • (sich) halten (an) · bleiben bei · festhalten an · nicht abgehen von · nicht aufgeben  ●  (sich) leiten lassen von  geh.
Synonymgruppe
Anspruch erheben (auf) · ↗abfordern · ↗abverlangen · ↗anfordern · ↗anmahnen · ↗beanspruchen · ↗einfordern · ↗fordern · verlangen  ●  ↗postulieren  geh.
Assoziationen
  • Fordern und Fördern · Fördern und Fordern  ●  (mit) Zuckerbrot und Peitsche  negativ, fig.
Synonymgruppe
(sich) ausbitten · ↗erbitten · ↗fordern · verlangen
Unterbegriffe
  • ein Anliegen haben · einen Wunsch haben  ●  etwas auf dem Herzen haben  ugs.
Assoziationen
  • (inständig) verlangen nach · (jemandem) steht der Sinn nach · (sich) sehnen nach · (sich) verzehren nach · ...närrisch · Lust haben (auf) · aus sein auf · ↗begehren · begehren nach · begehrlich nach · begierig auf · besessen von · brennen auf · ↗ersehnen · fiebern nach · ↗gieren (nach) · ↗herbeisehnen · ↗herbeiwünschen · kaum erwarten können · nicht warten können auf · schmachten nach · sehnlichst begehren · sehnlichst vermissen · spitzen auf · süchtig nach · unbedingt haben wollen · vergehen nach · verrückt nach · ↗verschmachten (nach) · versessen auf · vor Lust (auf etwas) vergehen · vor Verlangen (nach etwas) vergehen  ●  (sehr) verlangen nach  Hauptform · (sich die) Finger lecken nach  fig. · hinter etwas her (sein) wie der Teufel hinter der armen Seele  sprichwörtlich · hungern nach  fig. · ↗(einen) Gieper (haben) auf  ugs. · ↗(einen) Jieper (haben) auf  ugs. · (einen) Jieper haben (auf)  ugs., norddeutsch · (ganz) wild auf (etwas)  ugs. · (jemandem) (das) Wasser im Mund zusammenlaufen (beim Gedanken an)  ugs. · (sehr) hinter (etwas) her sein  ugs. · dürsten nach  geh., poetisch, fig. · erpicht auf  geh., veraltend · geil auf (etwas)  ugs. · gelüsten nach  geh. · giepern nach  ugs., regional · heiß auf (etwas)  ugs. · jiepern nach  ugs., regional · lange Zähne kriegen  ugs., selten · ↗lechzen (nach)  geh. · scharf auf (etwas)  ugs. · spitz sein auf  ugs. · verrückt auf (etwas)  ugs.
  • mögen (fälschlich "möchten") · ↗wollen · ↗wünschen
  • (es gibt) (viel) Beifall für · (gut) angenommen werden · (jemandem) angenehm (sein) · ↗(jemandem) behagen · ↗(jemandem) gefallen · ↗(jemandem) passen · (jemandem) sympathisch sein · Anklang finden (bei) · Gefallen finden (an) · Zuspruch erfahren · Zuspruch finden · akzeptiert werden · auf Gegenliebe stoßen · auf Sympathie stoßen · auf Zustimmung treffen · begrüßt werden · freundlich aufgenommen werden · nach jemandes Geschmack sein · positiv aufgenommen werden · ↗zusagen  ●  auf fruchtbaren Boden fallen (Vorschlag, Idee)  fig. · ↗(jemandem) konvenieren  geh. · gut ankommen (bei)  ugs.
Synonymgruppe
beanspruchen · ↗bedingen · ↗bedürfen · ↗benötigen · ↗erfordern · ↗gebieten · nötig haben · verlangen · ↗voraussetzen  ●  ↗erheischen  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
anfordern · ↗beantragen · ↗fordern · verlangen
Synonymgruppe
anfordern · verlangen  ●  einverlangen  schweiz.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufklärung Auskunft Auslieferung Entschuldigung Entschädigung Erklärung Euro Freilassung Gebühr Geld Gewerkschaft Grüne Kunde Preis Regierung Rücktritt Schadenersatz Vermieter aber abverlangen auch außerdem dafür er mehr nun sie zudem zurückverlangen Änderung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verlangen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es würde mehr verlangen, als nur eine Überweisung zu tätigen.
Die Zeit, 13.12.2013, Nr. 51
Der Mann aber hat erst gar nicht sein Transit verlangt.
Seghers, Anna: Transit, Gütersloh: Bertelsmann 1995 [1943], S. 110
Ist es denn zuviel verlangt, Dich einmal am Tag hören zu dürfen?
Schulze, Ingo: Neue Leben, Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 28
Ja, wenn sie bezahlt werden, dann könnt ihr für euer gutes Geld auch Qualität verlangen.
Schwanitz, Dietrich: Männer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 263
Sie verlangen statt dessen, siehe oben, nach Abwehr der Abwehr der Abwehr.
Der Spiegel, 07.04.1986
Zitationshilfe
„verlangen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/verlangen>, abgerufen am 27.05.2019.

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