verkraften

GrammatikVerb · verkraftete, hat verkraftet
Aussprache
Worttrennungver-kraf-ten
GrundformKraft
Wortbildung mit ›verkraften‹ als Erstglied: ↗verkraftbar
eWDG, 1977

Bedeutung

etw. bewältigen, mit etw. fertig werden
Beispiele:
das veraltete Straßennetz kann den zunehmenden Verkehr nicht mehr verkraften
das Wasserwerk hat den erhöhten Trinkwasserbedarf gut, gerade noch verkraften können
bei kluger Planung lässt sich diese Mehrausgabe (finanziell) verkraften
sie hat diese zusätzliche Belastung (körperlich, psychisch) nicht verkraftet und ist zusammengebrochen
einen Konflikt, ein Erlebnis, eine Vielzahl von Aufgaben, Schwierigkeiten verkraften
das ist eine Tatsache, die du verkraften musst
ein Zehnjähriger verkraftet diesen Film noch nicht
scherzhaft du kannst doch noch ein Stück Torte verkraften! (= aufessen!)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kraft · kraft · entkräften · verkraften · kräftig · kräftigen · bekräftigen · Kraftausdruck · Kraftbrühe
Kraft f. ‘Stärke, Fähigkeit, Wirksamkeit’, ahd. kraft ‘Stärke, Vermögen, Fähigkeit, Macht, Tugend’ (8. Jh.), mhd. kraft ‘Stärke, Gewalt, Heeresmacht, Menge, Fülle’, asächs. kraft und (mit Wandel von ft zu cht) kraht, mnd. kraft, kracht, mnl. craft, cracht, nl. kracht, aengl. cræft, engl. craft, anord. (aus dem Aengl.?) kraptr, krǫptr, schwed. kraft lassen sich auf eine Labialerweiterung ie. *grep- der Wurzel ie. *ger- ‘drehen, winden’ (s. auch ↗Krampf) zurückführen. Mit Kraft würde sich dann ursprünglich die Vorstellung der Muskelanspannung verbinden. Rechtssprachlich bedeutet bereits ahd. kraft ‘Gültigkeit, Wirksamkeit’; daran anknüpfend vgl. rechtskräftig sowie in Kraft treten, sein, bleiben, außer Kraft setzen, treten, bleiben. In neuerer Zeit (seit Ende 18. Jh.) vielfach bezogen auf den Menschen als ‘Träger der Kraft’, vgl. Streitkräfte (Ende 18. Jh.), frische Kräfte, Lehrkräfte, Arbeitskraft (19. Jh.), eine qualifizierte, bewährte Kraft (20. Jh.). kraft Präp. (mit Genitiv) ‘vermöge, auf Grund, infolge’ (16. Jh.), aus präpositionalen Fügungen wie aus, durch, in Kraft (vgl. in kraft diß abschids, um 1500) entstanden. entkräften Vb. ‘die Kraft entziehen, schwächen, etw. gegenstandslos machen, widerlegen’ (16. Jh.). verkraften Vb. ‘etw. bewältigen, damit fertig werden’ (20. Jh.). kräftig Adj. ‘stark, kraftvoll, derb’, ahd. kreftīg ‘stark, mächtig, gewaltig, groß, wichtig, schwer, wirksam’ (8. Jh.), mhd. kreftic, kreftec ‘Kraft habend, von rechtlicher Geltung und Wirksamkeit, zahlreich, kräftigend’. kräftigen Vb. ‘jmdn. stärken’, ahd. kreftīgen (9. Jh.), gikreftīgōn ‘groß machen’ (um 1000), mhd. kreftigen ‘stärken, mehren’; bekräftigen Vb. ‘einer Angelegenheit Nachdruck verleihen, etw. bestätigen’, mhd. bekreftigen. Kraftausdruck m. ‘derber Ausdruck’ (18. Jh.). Kraftbrühe f. ‘Fleischbrühe’ (18. Jh.). In Zusammensetzungen des 20. Jhs. besonders für maschinell erzeugte Energie, z. B. Kraftfahrzeug, Kraftfahrer, Kraftrad, Kraftwagen, Kraftwerk.

Thesaurus

Synonymgruppe
(einer Sache) standhalten · ↗aushalten · ↗ausstehen · ↗durchstehen · ↗erdulden · ↗ertragen  ●  verkraften  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
bewältigen · fertigwerden mit · hinwegkommen über · verkraften · ↗verschmerzen · ↗verwinden · ↗überwinden  ●  nicht verknusen können (regional, nur negativ)  ugs. · ↗wegstecken  ugs.
Unterbegriffe
  • gut fertig werden mit · locker wegstecken · schnell hinwegkommen über
Assoziationen
  • (klaglos) über sich ergehen lassen · (sich) (notgedrungen) arrangieren mit · (sich) abfinden (mit) · (sich) bescheiden (mit) · (sich) ergeben in · ↗(sich) fügen · (sich) in sein Schicksal ergeben · (sich) kleiner setzen · ↗ertragen · ↗hinnehmen  ●  (sich) schicken (in)  veraltet · ↗(sich) dareinfinden  geh., veraltet · keinen Aufstand machen  ugs. · ↗schlucken  ugs.
  • (sich) aussöhnen (mit) · (sich) nicht länger auflehnen (gegen) · seinen Frieden machen mit
  • (sich etwas) bieten lassen · (sich etwas) gefallen lassen · (sich) nicht wehren (gegen) · (sich) nicht widersetzen · Nachsicht üben · ↗dulden · ↗einstecken · ↗erdulden · ↗ertragen · ↗hinnehmen · in Kauf nehmen · ↗leisetreten · nicht protestieren · ↗schlucken · ↗stillhalten · ↗tolerieren · ↗verschmerzen  ●  (die) Füße stillhalten  ugs., fig. · ↗konnivieren  geh.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abgang Abschreibung Aderlaß Ansturm Ausfall Belastung Einbruch Einbuße Einnahmeausfall Einschnitt Enttäuschung Gewinneinbruch Hiobsbotschaft Mindereinnahme Minus Niederlage Rückgang Rückschlag Schicksalsschlag Schock Steuerausfall Trennung Umsatzeinbuße Umsatzrückgang Verlust Wegfall Weggang kaum leicht problemlos

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verkraften‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die hätten wir dann auch noch verkraftet, ab einer bestimmten Dauer kommt es nicht mehr darauf an.
Der Tagesspiegel, 30.03.2001
Ich bin aber sicher, dass er einer ist, der uns dabei helfen kann, diesen Ausfall zu verkraften.
Die Welt, 31.07.2000
Sie treibt an zu Veränderungen, kann die Veränderungen selbst aber nicht verkraften.
Pilgrim, Volker Elis: Manifest für den freien Mann - Teil 1, Reinbek b. Hamburg: Rowohlt 1983 [1977], S. 66
Auf die Dauer verkraftet keine Mannschaft eine derartige psychische Belastung.
Beckenbauer, Franz: Einer wie ich, München: Wilhelm Heyne Verlag 1977, S. 278
Man kann gar nicht glauben, daß eine Familie das alles verkraften kann.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 18.11.1943, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Zitationshilfe
„verkraften“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/verkraften>, abgerufen am 19.05.2019.

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