verkneifen

GrammatikVerb · verkniff, hat verkniffen
Aussprache
Worttrennungver-knei-fen (computergeneriert)
Grundformkneifen
Wortbildung mit ›verkneifen‹ als Grundform: ↗Verkniffenheit · ↗verkniffen
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
etw., sich zusammenkneifen
Beispiele:
die Lippen, Augen, Lider verkneifen
böse verkniff sie den Mund
seine Augen verkniffen sich vor Vergnügen
oft im Part. Prät.
Beispiele:
ein verkniffenes Gesicht (= Gesicht, das durch andauernde Erbitterung, Verärgerung harte und scharfe Züge bekommen hat)
ein verkniffener Blick
er hat einen verkniffenen Zug um den Mund
verkniffen lächeln
2.
umgangssprachlich (sich) [Dativ] etw. verkneifensich etw. versagen, auf etw. verzichten
Beispiele:
Gebratenes muss ich mir wegen meiner Galle leider verkneifen
das ist mir zu teuer, das muss ich mir vorläufig noch verkneifen
warum sollte ich mir diesen Spaß, dieses Vergnügen verkneifen?
sie hat immer gespart und sich alles verkniffen
etw. unterdrücken, nicht zeigen
Beispiele:
sich das Lachen, die Ironie, das Gähnen, eine Frage, Bemerkung verkneifen
er konnte sich ein Lächeln, das Schmunzeln nicht verkneifen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kneifen · auskneifen · verkneifen · Kneifer · Kneifzange
kneifen Vb. ‘(jmds. Haut) zwischen zwei Fingern zusammendrücken, zwicken, klemmen, pressen’, zu mnd. nd. knīpen (s. ↗kneipen) gebildete hd. Form, die im 16. Jh. aufkommt, im 18. Jh. häufiger und danach in der Literatursprache üblich wird. Umgangssprachliches kneifen im Sinne von ‘sich drücken, sich jmdm. oder einer Sache nicht stellen, sich einer Herausforderung, einer Verpflichtung entziehen’ stammt aus dem Nd., vgl. nd. knīpen ‘davonlaufen, rennen, sich davonmachen’, eigentlich wohl ‘aus einer Klemme entlaufen’; vgl. nd. knīpen gān ‘entlaufen, entwischen, sich aus der Klemme befreien’. auskneifen Vb. ‘heimlich davonlaufen, ausreißen, sich einer Verpflichtung entziehen’ (19. Jh.), älter auskneipen (17. Jh.), nd. ūtknīpen ‘sich davonmachen’. verkneifen Vb. ‘auf etw. verzichten, etw. unterdrücken’ (19. Jh.); verkniffen Part.adj. ‘zusammengezogen, verzogen’, speziell verkniffenes Gesicht ‘Gesicht, das durch Erbitterung, Verärgerung harte und scharfe Züge bekommen hat, wegen blendenden Lichts verzogenes Gesicht’. Kneifer m. ‘Klemmer, Zwicker’, gekürzt (2. Hälfte 19. Jh.) aus Nasenkneifer (für frz. pince-nez, s. ↗Klemmer, ↗Zwicker). Kneifzange f. ‘Zange mit zwei scharfen, gegeneinandergebogenen Schneiden’ (17. Jh.), md. auch Kneipzange.

Thesaurus

Synonymgruppe
nicht aussprechen · ↗unterdrücken  ●  ↗(eine Bemerkung) hinunterschlucken  fig. · ↗(etwas) runterschlucken  fig. · (sich) (eine Bemerkung) verkneifen  ugs. · (sich) auf die Zunge beißen  ugs., fig. · ↗verbeißen  ugs.
Assoziationen
  • kein Wort über etwas verlieren · mit keinem Wort erwähnen · nicht ansprechen · nicht eingehen (auf) · nicht erwähnen · unerwähnt lassen · ungesagt lassen · ↗unterschlagen · ↗verheimlichen · ↗verleugnen  ●  ↗verschweigen  Hauptform · (mit etwas) hinter dem Berg halten  ugs., variabel · nichts erwähnen (von)  ugs. · nichts erzählen (von)  ugs. · nichts sagen (von)  ugs. · unter den Tisch fallen lassen  ugs., fig. · ↗verhehlen  geh.
  • (aus etwas) ein Geheimnis machen · (die) Diskretion wahren · ↗(jemandem etwas) verheimlichen · für sich behalten · in seinem Herzen bewahren · nicht ausplaudern · nicht verraten · nicht weitererzählen · nicht weitergeben (eine Information) · nicht weitersagen  ●  mit ins Grab nehmen  fig. · ↗verschweigen  Hauptform · Stillschweigen bewahren  geh. · in seinem Herzen verschließen (lit.)  geh. · mit niemandem sprechen über  ugs. · nicht preisgeben  geh. · niemandem etwas sagen (von)  ugs., variabel
  • (den) Mund nicht aufbekommen · (jemandem) versagt die Stimme · (jemandes) Kehle ist wie zugeschnürt · (jemandes) Lippen sind versiegelt · kein Wort (zu etwas) verlieren · kein Wort herausbekommen · keine Antwort geben · keinen Ton herausbekommen · nichts sagen · stumm bleiben  ●  ↗schweigen  Hauptform · (das) Maul nicht aufkriegen  ugs. · (das) Sprechen verlernt haben  ugs., ironisch · (den) Mund halten  ugs. · (die) Zähne nicht auseinanderbekommen  ugs. · (sich) in Schweigen hüllen  geh. · den Rand halten  ugs. · kein Sterbenswörtchen sagen  ugs. · keinen Mucks von sich geben  ugs. · keinen Piep sagen  ugs. · keinen Ton sagen  ugs. · schweigen wie ein Grab  ugs. · sein Herz nicht auf der Zunge tragen  ugs. · still schweigen (veraltet lit.)  geh. · stumm wie ein Fisch sein (bildl.)  ugs.
Synonymgruppe
(darauf) verzichten, etwas zu tun · (es) dabei belassen · ↗(sich etwas) ersparen · (sich) beherrschen (etwas zu tun) · Abstand nehmen (von etwas) · ↗absehen (von) · ↗aufhören · ↗bleibenlassen · nicht machen · nicht tun  ●  ↗unterlassen  Hauptform · (es) gut sein lassen  ugs. · ↗(etwas) drangeben  ugs. · ↗(sich etwas) abschminken  ugs., fig. · ↗(sich etwas) schenken  ugs. · ↗(sich etwas) sparen  ugs. · (sich etwas) verkneifen  ugs. · (sich etwas) von der Backe putzen  ugs., fig. · (sich) die Mühe sparen (können)  ugs. · (sich) verabschieden (von etwas)  ugs. · (von etwas) die Finger lassen  ugs. · ↗bleiben lassen  ugs. · gar nicht erst versuchen  ugs. · ↗lassen  ugs. · ↗sausen lassen  ugs. · sein lassen  ugs.
Assoziationen
  • erfolglos · ohne Erfolg · ↗umsonst · ↗vergebens  ●  ↗fruchtlos (Anwaltsdeutsch)  Jargon · ↗vergeblich  Hauptform · (an/bei jemandem/etwas ist) Hopfen und Malz verloren  ugs. · außer Spesen nichts gewesen  ugs., Spruch · da kommt nix bei rum  ugs., salopp · dabei kommt nichts (he)rum  ugs. · ↗frustran (medizinisch)  fachspr. · für die Katz  ugs. · für die Tonne  ugs. · für nichts und wieder nichts  ugs. · kannst du knicken  ugs. · kannst du vergessen  ugs. · vergebene Liebesmüh  ugs. · vergebliche Liebesmüh  ugs.
  • (die) Finger lassen (von) · nicht anfassen · nicht anrühren  ●  nicht anpacken  ugs. · nicht gehen an  ugs.
  • (einer Sache) ein Ende machen · (sich) abwenden von · (sich) verabschieden von · ablassen von · ad acta legen · ↗aufgeben · ↗beenden · ↗fallen lassen · ↗fallenlassen · hinter sich lassen · ↗sausen lassen · ↗stoppen · ↗vergessen  ●  (einen) Schlussstrich ziehen  fig. · Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.  sprichwörtlich · ↗beerdigen  fig. · (davon) Abschied nehmen  ugs. · an den Nagel hängen  ugs., fig. · den Rücken kehren  ugs., fig. · ↗einstampfen  ugs., fig. · sterben lassen  ugs., fig. · zu Grabe tragen  ugs., fig. · über Bord werfen  ugs., fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anflug Anmerkung Anspielung Bemerkung Bosheit Gag Grinsen Gähnen Hieb Hinweis Kalauer Kampfansage Kommentar Lachen Lächeln Mühe Nachsatz Rauchen Retourkutsche Schadenfreude Scherz Schmunzeln Seitenhieb Spitze Spott Stichelei Triumphgeheul Wortspiel Zusatz lieber

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verkneifen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wer da einmal drauf war, verkneift es sich das nächste Mal lieber!
Bild, 16.01.2004
Für einen Moment konnte er sich ein Lächeln nicht verkneifen.
Düffel, John von: Houwelandt, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2004, S. 306
Seit Jahren verkneifen wir uns jedes alkoholische Getränk, weil wir dachten, das kann gefährlich werden, und dabei ist Telefonieren viel schlimmer.
Die Welt, 06.08.2003
Um die junge Mutter nicht zu erregen, hatte sie es sich verkniffen, weiter nach dem Vater zu fragen.
Bredel, Willi: Die Väter. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelausgaben, Bd. 7, Berlin: Aufbau-Verl. 1973 [1946], S. 17
Der Bauer sah sie aber nur grimmig aus seinen verkniffenen Augen an.
Held, Kurt: Die rote Zora und ihre Bande, Aarau: Sauerländer 1989 [1941], S. 166
Zitationshilfe
„verkneifen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/verkneifen>, abgerufen am 17.08.2019.

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