verhauen

GrammatikVerb · verhaute, hat verhauen
Aussprache
Worttrennungver-hau-en (computergeneriert)
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
jmdn. schlagen, verprügeln
Beispiel:
der Große hat den Kleinen verhauen
übertragen
Beispiel:
salopp in dem Anzug sieht er ganz verhauen (= seltsam, unmöglich) aus
2.
Schülersprache etw. fehlerhaft, mangelhaft, falsch machen
Beispiel:
die ganze Klasse hatte die Mathematikarbeit verhauen (= hatte in der Mathematikarbeit viele Fehler gemacht)
3.
umgangssprachlich sich verhauensich irren
Beispiel:
wir mussten bald erkennen, dass wir uns in dieser Sache mächtig verhauen hatten
4.
umgangssprachlich sein Geld verhauensein Geld sinnlos und nutzlos ausgeben
Beispiel:
er hat einmal seinen ganzen Arbeitslohn in einer Nacht verhauen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hauen · Haue1 · Haue2 · Hauer · abhauen · verhauen · Verhau · zerhauen
hauen Vb. ‘schlagen, prügeln, fällen (Holz), (zer)hacken (Fleisch), mähen, bearbeiten, behauen (Stein), loshacken, abschlagen (Erz)’. Neben dem starken Verb (nhd. hieb, gehauen) ahd. houwan (9. Jh.), mhd. mnd. houwen ‘(ab-, ein-, nieder-, zer)hauen, schlagen, stechen, behauen, bearbeiten, (ab-, zu)schneiden, ernten’, asächs. hauwan, mnl. nl. houwen, aengl. hēawan, engl. to hew, anord. hǫggva, schwed. hugga (dazu ↗Hieb und ↗Heu, s. d.) steht ein schwaches Verb (nhd. haute, gehaut) ahd. houwōn (10. Jh.), mhd. houwen. Sie führen mit lat. cūdere ‘schlagen, klopfen, stampfen, Metall bearbeiten’ (mit präsensbildendem d, wohl aus *caud-, vgl. caudex, cōdex ‘Baumstamm, Klotz’, s. ↗Kodex), lit. káuti ‘schlagen, hauen, umbringen’, kovà ‘Kampf, Schlacht’, aslaw. kovati, russ. kovát’ (ковать) ‘schmieden’ auf eine Wurzel ie. *kāu-, *kəu- ‘hauen, schlagen’. Haue1 f. ‘Hacke’, ahd. houwa (9. Jh.), mhd. houwe. Haue2 f. ‘Prügel, Schläge’, eigentlich Plur. von heute unüblichem Hau ‘Schlag, Hieb’, mhd. hou ‘Hieb, Holzeinschlag’. Hauer m. ‘Eckzahn des Keilers, vor Ort arbeitender Bergmann’ (meist umgelautet Häuer), (öst.) ‘Winzer, Weinbauer’, spätmhd. houwer ‘Bergmann, Holzfäller, Weinbauer’. abhauen Vb. ‘abschlagen, abhacken, abschneiden’, ahd. abahouwan (9. Jh.), mhd. abehouwen; im Sinne von ‘sich (eilig) davonmachen’ als steigender Kraftausdruck seit dem ersten Weltkrieg (nach obd. hauen ‘gehen, laufen, treten’, s. ↗Gassenhauer). verhauen Vb. ‘schlagen, verprügeln, falsch machen’, (reflexiv) ‘sich irren’, ahd. firhouwan ‘abschlagen, abschneiden’ (9. Jh.), mhd. verhouwen ‘zerhauen, verletzen, beschädigen, nieder-, weghauen, ausholzen, mit gefällten Bäumen versperren’; dazu Verhau m. n. ‘aus vielen (sperrigen) Teilen errichtetes Hindernis, Dickicht’, ursprünglich ‘Wegsperre durch niedergehauene Bäume’ (18. Jh.). zerhauen Vb. ‘entzweischlagen, in Stücke hauen’, mhd. zerhouwen.

Thesaurus

Synonymgruppe
(die) Hand erheben (gegen) · (sich) vergreifen an · ↗eindreschen (auf) · ↗einprügeln (auf) · ↗einschlagen (auf) · ↗schlagen  ●  ↗verprügeln  Hauptform · (jemandem) die Hucke vollhauen  ugs. · (jemandem) eine Abreibung verpassen  ugs. · (jemandem) rutscht die Hand aus  ugs. · ↗abschwarten  ugs. · ↗verdreschen  ugs. · verhauen  ugs. · ↗verkloppen  ugs. · ↗vermöbeln  ugs. · ↗versohlen  ugs. · ↗verwichsen  ugs. · windelweich prügeln  ugs.
Assoziationen
  • Klimperer · Tastenquäler · schlechter Klavierspieler  ●  Tastenprügler  ironisch
  • krankenhausreif prügeln · krankenhausreif schlagen · ↗zusammenhauen  ●  zu Mus machen  fig. · ↗zusammenschlagen  Hauptform · (jemandem) die Fresse polieren  derb · Kleinholz machen aus  ugs., fig. · alle machen  ugs. · ↗fertig machen  ugs.
  • Prügelei · ↗Prügelorgie · ↗Rauferei · ↗Ringkampf · Tätlichkeiten · handfeste Auseinandersetzung(en) · tätliche Auseinandersetzung  ●  ↗Schlagabtausch (meist fig.)  auch figurativ · ↗Schlägerei  Hauptform · ↗Keilerei  ugs. · ↗Klopperei  ugs. · ↗Raufhandel  geh., veraltend · Raufhändel  geh., veraltend
  • (eine) Tracht Prügel geben · (eine) Tracht Prügel verabreichen · (jemandem) den Hintern versohlen · ↗(jemanden) verprügeln · ↗(jemanden) züchtigen · (jemanden) übers Knie legen · jemanden verkloppen · jemanden vermöbeln · körperlich bestrafen  ●  langen Hafer geben  selten · (jemandem) den Hosenboden strammziehen  ugs. · ↗(jemanden) abreiben  ugs. · jemandem eine Naht verpassen  ugs. · jemanden verbimsen  ugs. · jemanden vertobaken  ugs., norddeutsch · jemanden verwamsen  ugs.
  • Hiebe · Körperstrafe · ↗Prügel · Schläge · Tracht Prügel · ↗Züchtigung · es setzt Prügel · es setzt was · es setzt was mit dem Rohrstock  ●  (die) Jacke voll  ugs. · ↗(eine) Wucht  ugs., regional · (es gibt) langen Hafer  ugs. · (es gibt) was hinter die Löffel  ugs. · (es gibt) was hinter die Ohren  ugs. · ↗Abreibung  ugs. · ↗Dresche  ugs. · ↗Haue  ugs. · Keile kriegen  ugs. · ↗Kloppe  ugs. · ↗Senge  ugs. · den Arsch voll kriegen  derb · langen Hafer kriegen  ugs.
  • (schwere) Verletzungen zufügen · grün und blau schlagen · halbtot schlagen · ↗misshandeln · übel zurichten  ●  draufhauen wie auf kalt Eisen  ugs., veraltend
  • (auf jemanden) eintreten · ↗zusammentreten
  • (jemandem) einen Klaps geben · (jemandem) einen Schlag mit der flachen Hand geben
Synonymgruppe
(eine) Gelegenheit verpassen · ↗(etwas) verfehlen  ●  (etwas) verhauen  ugs. · ↗(etwas) versemmeln  ugs.
Assoziationen
  • (einen) Misserfolg verzeichnen · (mit etwas) nicht durchkommen · Misserfolg erleiden · Misserfolg haben · ↗scheitern · schlecht abschneiden · ↗versagen  ●  (etwas) an die Wand fahren  fig. · Schiffbruch erleiden  fig. · (sich) eine blutige Nase holen  ugs., fig. · auf den Bauch fallen  ugs., fig. · auf die Fresse fallen  derb, fig. · auf die Nase fallen  ugs., fig. · auf die Schnauze fallen  derb, fig. · auf die Schnauze fliegen  derb, fig. · baden gehen (mit)  ugs., fig. · eine Bauchlandung hinlegen (mit etwas)  ugs., fig. · ↗floppen  ugs.
Synonymgruppe
in den Sand setzen  ugs., fig. · in den Teich setzen  ugs. · ↗verbocken  ugs. · ↗vergeigen  ugs. · verhauen  ugs. · ↗vermasseln  ugs. · ↗versaubeuteln  ugs. · ↗versauen  derb · ↗versieben  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) (eine) Schlägerei liefern · ↗(sich) (gegenseitig) verbleuen · ↗(sich) (gegenseitig) verdreschen · (sich) (gegenseitig) verhauen · ↗(sich) prügeln · ↗(sich) schlagen  ●  ↗(sich) (gegenseitig) verkloppen  ugs. · ↗(sich) kloppen  ugs. · (sich) prügeln wie die Kesselflicker  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Mathearbeit

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verhauen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dann hat sie mich verhauen, und ich glaubte, sie liebte mich nicht mehr.
Die Zeit, 13.03.2000, Nr. 11
Wenn sie sich heut selber verhauen: Euch fallen sie morgen an!
Tucholsky, Kurt: Deutsche Richter von 1940. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1929], S. 6946
Von allen Seiten drängten sie auf ihn zu und wollten ihn verhauen.
Renn, Ludwig [d. i. Vieth v. Golßenau, Arnold Friedrich]: Krieg - Nachkrieg, Berlin: Aufbau-Verl. 1951 [1930], S. 602
Alex habe auch erzählt: er sei in der Synagoge furchtbar verhauen worden.
Friedländer, Hugo: Die Ermordung des Gymnasiasten Ernst Winter in Konitz. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 6163
Die Jugendlichen denken, sie werden von uns verhauen und eingesperrt.
Die Welt, 25.01.2005
Zitationshilfe
„verhauen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/verhauen>, abgerufen am 16.10.2019.

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