verhaspeln

GrammatikVerb · reflexiv
Aussprache
Worttrennungver-has-peln
Grundformhaspeln
eWDG, 1977

Bedeutung

umgangssprachlich sich beim Sprechen verwirren
Beispiel:
wenn er aufgeregt ist, verhaspelt er sich immer
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Haspe · Haspel · haspeln · abhaspeln · verhaspeln
Haspe f. in Holz oder Mauerwerk einzuschlagender ‘Eisenhaken mit Dorn’ zum Einhängen von Tür- und Fensterflügeln, auch ‘Garnwinde’, mhd. mnd. haspe, hespe ‘Türhaken, -angel, Garnwinde’, mnl. haspe ‘Garnwinde, -strang’, aengl. hæsp, hæpse ‘Klammer’, engl. hasp ‘Klammer, Garnwinde’, anord. hespa ‘Türhaken, Wollstrang’, dän. haspe ‘Eisenkrampe’ können als Bildungen mit s-haltigem Suffix zu der unter ↗-haft, ↗haben und ↗heben (s. d.) angeführten Wurzel ie. *kap- ‘fassen’ gestellt werden, wozu auch lat. capsa ‘Behältnis, Kapsel, Kasten’ (zu lat. capere ‘nehmen, fassen, ergreifen’). Haspe wäre danach als ‘das Erfassende’ zu verstehen. Oder man geht von einer Bedeutung ‘gekrümmter Gegenstand, Haken’ aus, vergleicht mnl. nl. hoep ‘Ring, Reif’, aengl. hōp, engl. hoop ‘Metallring’, anord. hōp ‘kleine Bucht’ sowie aind. cāpaḥ ‘Bogen’, lit. kabė́ti ‘(herunter)hängen’, kãbė ‘Haken, Klammer’, russ. skobá (скоба) ‘eiserne Krampe, Klammer’ und verbindet diese mit nasalhaltigem griech. skambós (σκαμβός) ‘krumm, krummbeinig’, lit. kìbti (kimbù) ‘sich anhängen’ unter Anschluß an ie. *(s)kamb-, *(s)kemb- ‘krümmen, biegen’ (wozu vielleicht auch ↗Schimpf, s. d.). Beide Herleitungsversuche sind unbefriedigend. Vielleicht sollte für das Germ. auf Grund der Bedeutungen ‘Haken, Klammer’ und ‘Garnwinde’ besser von zwei Wörtern ausgegangen werden. Haspel f. m. ‘Hebevorrichtung, Seilwinde, Gerät zum Ab- und Aufwickeln und Messen von Garn’, ahd. haspil m. ‘Garnwinde’ (um 1100), mhd. mnd. haspel m. ‘Garnwinde, Fördermaschine, Förderschacht’, mnl. nl. haspel m. ‘Garnwinde’, abgeleitet vom oben dargestellten Substantiv mit dem Suffix germ. -ila- für Gerätebezeichnungen. haspeln Vb. ‘auf eine, von einer Haspel wickeln, mit der Haspel hochwinden, hastig sprechen’, frühnhd. haspeln ‘Garn wickeln’ (15. Jh.). abhaspeln Vb. ‘mit der Haspel abwickeln, von der Haspel ablaufen lassen’ (15. Jh.), übertragen ‘hastig, leiernd hersagen’, (reflexiv) ‘sich sehr beeilen’ (18. Jh.). verhaspeln Vb. (reflexiv) ‘sich beim Sprechen verwirren’, besonders mundartlich geläufig, selten in der Schriftsprache (19. Jh.), älter ‘Garn aufwickeln’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) verwickeln · ↗(sich) verwirren · ins Stottern geraten · ins Stottern kommen · nicht weiterwissen · zu stammeln anfangen  ●  ↗straucheln  fig. · (sich) verhaspeln  ugs. · ↗(sich) verheddern  ugs. · den Faden verlieren  ugs. · durcheinander kommen  ugs.
Assoziationen
  • (sich) in Details verlieren · ↗(sich) verzetteln · (zu) sehr in die Einzelheiten gehen · ↗abschweifen · den Überblick verlieren · nicht auf den Punkt kommen · nicht bei der Sache bleiben · unüberlegt drauflosreden · vom (eigentlichen) Thema abkommen · vom Hundertsten ins Tausendste kommen · von Punkt zu Punkt springen  ●  den Faden verlieren  fig. · vom Hölzchen aufs Stöckchen kommen  ugs.
  • (gerade) nicht weiterwissen · (jemandem) nicht einfallen  ●  (den) Faden verloren haben  fig. · nicht parat haben (Information)  fig. · (einen) Hänger haben  ugs. · und da verließen sie ihn  ugs., Spruch
  • (auch) nicht (mehr) weiterwissen · (es ist) keine Lösung in Sicht (für) · (sich) keinen Rat wissen · (sich) nicht mehr zu helfen wissen · keine Lösung (parat) haben · mit seiner Weisheit am Ende sein · nicht wissen, was man machen soll · nicht wissen, was zu tun ist · passen müssen  ●  (Da) ist guter Rat teuer.  sprichwörtlich · keine Antwort(en) haben auf  fig. · ratlos sein  Hauptform · (dastehen / aussehen) wie eine Kuh wenn's donnert  ugs. · (sich) die Haare raufen  ugs., fig. · ↗(zu etwas) fällt einem nichts (mehr) ein  ugs. · Was tun, sprach Zeus.  ugs., Spruch · kein Patentrezept haben  ugs., fig. · mit seinem Latein am Ende (sein)  ugs., fig. · nackt in den Erbsen stehen  ugs., fig. · sein Pulver verschossen haben  ugs., fig. · und da(nn) verließen sie ihn  ugs., Spruch · und jetzt?  ugs., variabel
  • Versprecher  ●  ↗Lapsus Linguae  lat.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufregung Satz Sprechen Text dauernd gelegentlich gleich mal manchmal mehrmals oft prompt stolpern stottern ständig zweimal

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verhaspeln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er verhaspelt sich ein paar Mal, aber dann passt es.
Die Zeit, 03.08.2009, Nr. 31
Da sucht einer ständig nach Worten, verhaspelt sich in seinen Sätzen.
Süddeutsche Zeitung, 15.09.1997
In einem Hörfunkspot verhaspelt sich ein junger Mann beim Flirten.
Bild, 14.07.1998
Er trägt das fehlerfrei getippte, halbseitig beschriebene Redemanuskript mit Betonung, und ohne sich zu verhaspeln, vor.
Scherzer, Landolf: Der Erste, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1988], S. 212
Ich hatte von den Internierungslagern auf der Insel gehört, wußte aber nicht, wie jemand wie Hirschfelder dorthin gelangen konnte, und verhaspelte mich.
Gstrein, Norbert: Die englischen Jahre, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1999, S. 39
Zitationshilfe
„verhaspeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/verhaspeln>, abgerufen am 19.10.2019.

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