verhaftet

Grammatikpartizipiales Adjektiv
Aussprache
Worttrennungver-haf-tet (computergeneriert)
Grundformverhaften
eWDG, 1977

Bedeutung

gehoben einer Sache, jmdm. verhaftet seinmit einer Sache, jmdm. eng verbunden, in einer Sache verwurzelt sein
Beispiele:
seine Komposition ist der Jazzmusik verhaftet
ihre Stimme ist meinem Gedächtnis für immer verhaftet (= bleibt für immer fest in meinem Gedächtnis)
ein in romantischen Vorstellungen verhafteter Künstler
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Haft1 · Haftel · Heftel · Haft2 · Haftbefehl · haften · Haftung · verhaften · Verhaftung · verhaftet · inhaftieren
Haft1 f. ‘polizeilicher Gewahrsam, Gefangenschaft’. Auf das Westgerm. beschränkt sind die Feminina mhd. haft ‘Fesselung, Gefangenschaft, Befestigung’ (frühnhd. auch ‘Beschlagnahme’), mnd. hacht ‘Anspruch, Berechtigung, Haft’, wohl auch aengl. hæft ‘Gefangennahme, Haft’ und ahd. hafta ‘Verknüpfung, Griff, Gefangennahme’ (9. Jh.), mhd. hafte ‘Verknüpfung, Haft, Verwahrung, Hindernis’, mnd. hacht(e), hafte ‘Gefängnis, Haft’, anfrk. hafta ‘Gefangenschaft’, mnl. hachte ‘Gefangenschaft, Gefahr, schwierige Lage’. Daneben kennt das Germ. ein in den Verwendungen sich mit den Feminina vermischendes maskulines und neutrales Substantiv ahd. haft m. n. ‘Band, Fessel, Gefangenschaft’ (9. Jh.), mhd. haft m. ‘Band, Fessel, Knoten, Halt’ (spätmhd. auch ‘Bürgschaft’), nhd. Haft m. ‘Verbindung, Naht, Fessel, Haltevorrichtung’ (bis ins 18. Jh., vgl. dazu das Deminutivum mhd. haftel, haftelīn, heftel, heftelīn, obd. Haftel, omd. Heftel n. ‘Verschluß aus Haken und Öse’), aengl. hæft m. ‘Band, Fessel, Gefangenschaft’, anord. hapt n. ‘Fessel’ sowie ein Maskulinum mhd. haft, aengl. hæft, anord. haptr ‘Gefangener’, das sich zum Adjektiv ahd. (9. Jh.), mhd. haft ‘gebunden, gefangen’ (s. ↗-haft) stellt. Alle diese nominalen Bildungen (und weiterhin die bei ↗Heft angegebenen germ. Formen, s. d.) weisen die auch für ↗heben und ↗haben (s. d.) vorauszusetzende Wurzel ie. *kap- auf; sie bewahren (im Unterschied zu den genannten Verben) deren ursprüngliche Bedeutung ‘fassen’ (vgl. lat. capere ‘nehmen, fassen, ergreifen’, captīvus ‘gefangen, erbeutet’). Wohl ebenfalls an diese Gruppe anzuschließen (vielleicht als Rückbildung aus dem Verb haften, s. unten) ist der Insektenname Haft2 m. n. ‘Eintagsfliege’ (18. Jh., vgl. gleichbed. nl. haft, haf n., 17. Jh.), dessen Pluralform Hafte von Oken in die dt. zoologische Fachsprache übernommen wird (s. ↗Eintagsfliege). Eine junge Zusammensetzung mit nhd. Haft f. ‘polizeilicher Gewahrsam’ ist Haftbefehl m. ‘schriftliche richterliche Verfügung, eine Person zu verhaften’ (2. Hälfte 19. Jh.) für älteres Haftbrief (16. Jh.). haften Vb. ‘fest an einem Gegenstand hängen, kleben’, in der Fügung für etw., jmdn. haften ‘bürgen, einstehen, verantwortlich sein’, ahd. haftēn ‘hängen, kleben, festhalten, zugeordnet, verbunden sein’ (9. Jh.), mhd. haften ‘befestigt sein, anhängen, zugehören’, asächs. hafton ‘haften’, mnd. haften, hachten, mnl. hachten ‘haften, befestigen, gefangennehmen’ (mnd. auch ‘bürgen’). Das Verb basiert wie das unter ↗heften (s. d.) dargestellte, anders abgeleitete gemeingerm. Faktitiv auf dem in ahd. haft ‘gebunden, gefangen’ vorliegenden germ. Adjektiv (s. ↗-haft). Seit Mitte des 14. Jhs. ist der vor allem rechtssprachliche Gebrauch im Sinne von ‘bürgen’ bezeugt. Nur noch hierzu gehört heute das Verbalsubstantiv Haftung f. ‘Verpflichtung, für etw. oder jmdn. einzustehen’ (so seit dem 14. Jh., im älteren Nhd. auch ‘Gefangennahme’), ahd. haftunga ‘Gefangenschaft’ (um 900), mhd. haftunge ‘Gefangennahme, Haft, das Festhalten’, mnd. haftinge ‘Haft’. verhaften Vb. ‘gefangennehmen’ (17. Jh., zuvor ‘pfänden, beschlagnahmen, verbinden, befestigen’, 15. Jh.), transitivierende Präfixbildung zu haften (s. oben) anstelle von vorausgehendem mhd. frühnhd. verheften (Part. Prät. verhaft, verheftet) ‘einheften, befestigen, verbinden, vorenthalten’ (frühnhd. auch ‘festnehmen, pfänden’), dieses zu mhd. heften (s. ↗heften); Verhaftung f. ‘Gefangennahme’ (16. Jh., zunächst auch ‘Verbindung, Befestigung’), vgl. frühnhd. verheftunge ‘Beschlagnahme’ (15. Jh.). Das Part. Prät. von verhaften verselbständigt sich im Nhd. als verhaftet Part.adj. ‘eng mit etw. verbunden, in etw. verwurzelt’ (16. Jh.). inhaftieren Vb. in der Kanzleisprache des 18. Jhs. als Synonym für verhaften aufkommend, ist eine latinisierende Bildung (mit ↗in-, s. d.) zu Haft (wohl unter Einfluß der präpositionalen Fügung in Haft).

Thesaurus

Synonymgruppe
eingebuchtet · eingekerkert · eingesperrt · einsitzend · festgesetzt · gefangen · gefangen genommen · hinter Gittern · hinter Schloss und Riegel · hinter schwedischen Gardinen · in (polizeilichem) Gewahrsam · in Haft · in Polizeigewahrsam · inhaftiert · interniert · verhaftet  ●  bei Wasser und Brot (sitzend)  fig. · im Gefängnis  Hauptform · verknackt  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Al-Qaida-Mitglied Algerier Bandenmitglied Drogenboss Eta-Mitglied Gefährtin Gesinnungsgenosse Gewerkschaftsführer Kurdenführer Libanese Mafia-Boss Mafiaboss Mafioso Marokkaner Neonazi Oppositionelle PKK-Chef PKK-Führer Reemtsma-Entführer Sektenführer Sektenmitglied Spion Studentenführer Tatverdächtige Terrorverdächtige Verdächtige abgesetzt freigelassen verschwunden verurteilt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verhaftet‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sein damals ebenfalls verhafteter Vater kam nach drei Tagen wieder auf freien Fuß.
Süddeutsche Zeitung, 29.05.2004
Dann nimmt für die verhafteten Studenten alles seinen vorgeschriebenen Weg.
Die Zeit, 26.04.1968, Nr. 17
Es gelang ihm aber nicht einmal, die Listen der verhafteten Studenten zu bekommen.
o. A.: Einhundertvierundsechzigster Tag. Mittwoch, 26. Juni 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 11808
Daneben aber war in den Städten und Dörfern unter den nicht verhafteten Deutschen ein noch größeres Blutbad angerichtet worden.
o. A.: Jahrestag des "Bromberger Blutsonntages" - Bericht eines deutschen Augenzeugen, 03.09.1940
Dagegen werden Meinungen in allen der Erfahrung verhafteten Wissensgebieten unentbehrlich sein.
Schott, E.: Gewißheit. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 16164
Zitationshilfe
„verhaftet“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/verhaftet>, abgerufen am 14.10.2019.

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