verfallen

GrammatikVerb · verfällt, verfiel, ist verfallen
Aussprache
Worttrennungver-fal-len
Grundformfallen
Wortbildung mit ›verfallen‹ als Grundform: ↗Verfall
eWDG, 1977

Bedeutungen

1.
allmählich zugrunde gehen, zusammenfallen, zerfallen
a)
baufällig werden
Beispiele:
das Gebäude, Bauwerk verfällt mehr und mehr
ein verfallenes Schloss
b)
die körperliche, geistige Kraft und Frische verlieren
Beispiele:
die alte Frau verfällt zusehends
sein Gesicht verfiel, sieht verfallen aus
verfallene Gesichtszüge
seine Kräfte verfallen (= nehmen stark ab)
c)
an Macht, Stärke verlieren, sich auflösen
Beispiele:
das Reich der Babylonier verfiel
in jener Zeit verfielen die Sitten
2.
ungültig, wertlos werden
Beispiele:
ein Wechsel, Pfand, eine Geldnote verfällt
verfallene Fahrkarten, Eintrittskarten, Briefmarken
3.
in etw. verfallen(plötzlich) in einen bestimmten Zustand hineingeraten
Beispiele:
in Nachsinnen, Grübeln, Schweigen, Wut, Panik verfallen
er verfiel in eine schwermütige Stimmung, in eine Psychose, in ein Fieber, in Krämpfe
von einem Extrem in das andere verfallen
er verfiel in den gleichen Fehler, Ton, in seine Mundart, in ein wütendes Schimpfen
umgangssprachlich er verfiel in den alten Trott
das Pferd verfiel nun in Trab (= das Pferd begann zu traben)
4.
jmdm., einer Sache verfallenin den Zustand der Gebundenheit an jmdn., an eine Sache geraten, von jmdm., einer Sache völlig abhängig werden
Beispiele:
einer Leidenschaft, dem Spiel, einem Irrtum, der Verzweiflung, dem Wahnsinn, Alkohol verfallen
er war dieser Frau ganz und gar verfallen (= hörig geworden)
gehoben er ist dem Tode verfallen (= muß sterben)
5.
auf etw. verfallenauf etw. kommen, etw. (Außergewöhnliches, Merkwürdiges) erdenken
Beispiele:
auf einen Ausweg, ein einfaches Mittel verfallen
er verfiel darauf, auf den sonderbaren Gedanken, trotz des äußerst schlechten Wetters eine Wanderung zu machen
umgangssprachlich warum seid ihr gerade auf uns verfallen? (= habt ihr euch gerade an uns gewandt?)
6.
einer Institution, besonders dem Staat, verfalleneiner Institution, besonders dem Staat, zufallen
Beispiel:
die geschmuggelten Waren verfallen dem Staat
7.
papierdeutsch einer Sache verfallender Wirksamkeit von etw. unterworfen sein
Beispiele:
der Gerechtigkeit, dem Gesetz, einer Strafe verfallen
etw. verfällt der Beschlagnahme (= wird beschlagnahmt)

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) auflösen · ↗(sich) zersetzen · verfallen · ↗verwesen
Biologie
Synonymgruppe
(sich) zersetzen · verfallen · ↗verkommen · ↗verwesen  ●  ↗putreszieren  lat.
Synonymgruppe
faulen · ↗herunterkommen · ↗modern · verfallen · ↗verfaulen · ↗vergammeln · ↗verkommen · ↗vermodern · ↗verrotten · ↗verwesen  ●  ↗gammeln  ugs. · ↗verlottern  ugs.
Synonymgruppe
(sich) zersetzen · auseinander bröckeln · ↗heruntergekommen · ↗renovierungsbedürftig · rissig werden · verfallen · ↗zerfallen  ●  aus den Fugen geraten  ugs.
Synonymgruppe
(ein) Ende haben · ↗(in bestimmter Weise) ausgehen · ↗ablaufen · ↗aufhören · ↗ausklingen · ↗auslaufen · ein (...) Ende finden · ↗enden · ↗schließen · verfallen · zu Ende gehen  ●  zu Ende sein  ugs.
Assoziationen
  • (dem) Ende näherkommen · (sich dem) Ende zuneigen · langsam zu Ende gehen
Synonymgruppe
(jemandem) (mit Leib und Seele) verfallen · ↗(jemandem) hörig · ↗(von jemandem) (emotional) abhängig · bedingungslos ergeben · ↗besessen (von)
Assoziationen
  • (sich) alles gefallen lassen · (sich) nicht wehren · alles mit sich machen lassen · kein Ehrgefühl (im Leibe) haben · keinen Stolz haben
  • Abhängigkeit · ↗Hörigkeit · ↗Unmündigkeit · ↗Unselbständigkeit
  • (an jemandem) einen Narren gefressen haben · (einer Sache/jemandem) verfallen sein · (etwas, jemandem) erlegen sein · begeistert sein · entzückt sein · hingerissen sein (von) · ↗schwärmen (von) · verzückt sein  ●  Feuer und Flamme sein  ugs. · hin und weg sein (von etwas)  ugs.
Synonymgruppe
(einer Sache) verfallen · (etwas) (immer wieder) tun müssen · (sich) nicht losreißen können (von) · abhängig werden (von) · hörig werden · nicht sein lassen können
Assoziationen
Synonymgruppe
(einer Sache) verfallen · (körperlich) abhängig (von) · angewiesen auf · ↗süchtig (nach) · unbedingt brauchen
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abtei Altbaute Anwesen Baracke Bauernhaus Bauernhof Bretterbude Burg Fabrikgebäude Fabrikgelände Fabrikhalle Finca Gehöft Gemäuer Gutshaus Gutshof Herrenhaus Herrensitz Hütte Kaiserbahnhof Klosteranlage Lagerhaus Landhaus Mietskaserne Scheune Schuppen pittoresk verlassen verwittert überwuchert

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verfallen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nach dem Tod der letzten Bewohner vor längerer Zeit verfalle die kleine Villa aus Wissen den dreißiger Jahren zusehends.
Der Tagesspiegel, 14.09.2000
Und ehe sie wirken können, ist die Wirtschaft längst in eine tiefe Depression verfallen.
Süddeutsche Zeitung, 06.08.1998
Damit verfalle man erneut in die Fehler von 1919, nur auf andere Weise.
Nr. 104: Gespräch Kohl mit Mitgliedern des amerikanischen Senats vom 1. Dezember 1989. In: Deutsche Einheit, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1989], S. 22374
Er trieb mich aber zu vorschnellem Hervortreten an die Öffentlichkeit; von selbst wäre ich darauf nicht verfallen.
Wilamowitz-Moellendorff, Ulrich von: Erinnerungen 1848-1914. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1928], S. 7677
Alles in ihm blieb erstorben wie in einem verfallenen Haus.
Stehr, Hermann: Der Heiligenhof, München: List 1952 [1918], S. 927
Zitationshilfe
„verfallen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/verfallen>, abgerufen am 19.10.2019.

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