verbeugen

GrammatikVerb · reflexiv
Aussprache
Worttrennungver-beu-gen (computergeneriert)
Grundformbeugen
Wortbildung mit ›verbeugen‹ als Erstglied: ↗Verbeugung
eWDG, 1977

Bedeutung

beim Grüßen oder als Zeichen der Ehrerbietung oder Zustimmung Kopf und Oberkörper nach vorn beugen, neigen
Beispiele:
der Kapellmeister, Schauspieler verbeugte sich
sich höflich, leicht, oberflächlich, steif, stumm, ungeschickt (vor jmdm.) verbeugen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

beugen · Beugung · Beuge · verbeugen · Verbeugung · vorbeugen
beugen Vb. ‘nach unten biegen, krumm machen, neigen’, ahd. bougen ‘beugen, biegen, krümmen, neigen’ (10./11. Jh.), mhd. böugen, asächs. bōgian, aengl. bīegan, anord. beygja, schwed. böja. Das Kausativum germ. *baugjan (eigentlich ‘biegen machen’) ist gebildet zu dem unter ↗biegen (s. d.) behandelten starken Verb, das in den germ. Sprachen weitgehend intransitive Bedeutung hat. Da im Hd. biegen aber überwiegend transitiv gebraucht wird, haben sich beugen und biegen einander so weit genähert, daß sie semantisch nicht immer klar zu scheiden sind. beugen ist vor allem ‘niederbeugen’, übertragener Gebrauch ist häufiger als bei biegen: seinen Stolz beugen (‘brechen’); sich beugen ‘nachgeben, sich fügen’; fachsprachlich das Recht beugen ‘willkürlich verdrehen’; Lichtstrahlen, Ultrakurzwellen beugen (‘brechen, ablenken’). Bei den Grammatikern steht beugen seit etwa 1400 (in dt. Donat-Ausgaben) für ‘deklinieren’ (lat. dēclīnāre), seit etwa 1700 für ‘flektieren’, vgl. noch heute Substantive beugen, schwach, stark gebeugte Verben. Beugung f. entsprechend den Bedeutungen von beugen seit Anfang des 15. Jhs. belegt; als Fachwort der Grammatik vereinzelt (um 1400, Donat) für lat. dēclīnātio, doch im Sinne von ‘Konjugation’; danach erst wieder im 17. Jh. für ‘Flexion’. Beuge f. ‘gebeugte Stellung, innere Seite des gebeugten Armes, Beines’, mhd. biuge ‘Krümmung, Biegung’. In allgemeiner Verwendung meist durch Beugung ersetzt, geläufig dagegen in Rumpf- und Kniebeuge. verbeugen Vb. in frühnhd. Zeit gleichbed. mit verbiegen ‘durch Herunterdrücken krümmen’; heute reflexiv (beim Grüßen oder als Zeichen der Ehrerbietung) ‘Kopf und Oberkörper nach vorn neigen’ (seit 18. Jh.); dazu Verbeugung f. (18. Jh.). vorbeugen Vb. ‘durch rechtzeitige Vorsorge etw. zu verhüten suchen’ (16. Jh.), ‘nach vorn, vorwärts beugen’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(einen) Bückling machen · (einen) Diener machen · (sich) nach vorne neigen · (sich) verbeugen · ↗(sich) verneigen
Assoziationen
Antonyme
  • (jmd.) auf Augenhöhe begegnen · ↗stehen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anstand Applaus Begrüßung Dankbarkeit Demut Ehrfurcht Rampe Sarg Schlußapplaus Sitzen Trikolore anmutig artig bedanken dankend demütig dreimal graziös höflich knien küssen linkisch lächelnd respektvoll steif stumm tief verbeugen verbiegen voreinander

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verbeugen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In dieser Kultur ist es ein absolutes Tabu, sich vor irgend etwas zu verbeugen.
Der Tagesspiegel, 13.10.2000
Der alte Baum scheint sich zu verbeugen, erst ganz langsam - dann immer schneller, fällt er.
Süddeutsche Zeitung, 09.12.1995
Dann verbeugt sich der Herr zum Zeichen des Dankes und verabschiedet sich wieder.
Schäfer-Elmayer, Thomas: Der Elmayer. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1991], S. 4495
Teller verbeugt sich leicht vor dem Ausschuß und gebt hinaus.
Kipphardt, Heinar: In der Sache J. Robert Oppenheimer, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag 1964, S. 86
Kommt das Kind ins Zimmer, so verbeugt es sich und antwortet laut auf alle Fragen.
Baudissin, Wolf von u. Baudissin, Eva von: Spemanns goldenes Buch der Sitte. In: Zillig, Werner (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1901], S. 21999
Zitationshilfe
„verbeugen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/verbeugen>, abgerufen am 23.07.2019.

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