verbannen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungver-ban-nen (computergeneriert)
Wortzerlegungver-bannen
Wortbildung mit ›verbannen‹ als Erstglied: ↗Verbannung
eWDG, 1977

Bedeutung

historisch jmdn. aus einem Gebiet, Ort, Land ausweisen, um ihn dadurch zu strafen
Beispiele:
er wurde (aus dem Lande) verbannt
man hatte ihn auf eine Insel verbannt (= ihm eine Insel als Aufenthaltsort angewiesen, die er nicht verlassen durfte)
übertragen
Beispiel:
gehoben sie hatte ihn aus ihrem Gedächtnis, jeden Gedanken an ihn verbannt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Bann · bannen · verbannen
Bann m. ‘zwingende Gewalt’, ahd. (9. Jh.), mhd. ban, asächs. bann, afries. bonn, bann, aengl. gebann, engl. ban, anord. bann (germ. *banna-), Abstrakta zu einem reduplizierenden Verb, das in ahd. bannan (10./11. Jh.), gibannan (9. Jh.), mhd. bannen, asächs. aengl. bannan ‘befehlen, aufbieten, vor Gericht fordern’ (germ. *bannan) begegnet. Das germ. (Nasalpräsens aufweisende) Verb ist verwandt mit lat. fārī ‘künden, sprechen, sagen’, griech. phánai (φάναι) ‘kundmachen, sagen’, russ.-kslaw. bajati ‘erzählen, besprechen, heilen’, russ. (älter) bájat’ (баять) ‘reden, sprechen’ und mit diesen an die Wurzel ie. *bhā- ‘sprechen’ anzuschließen, zu der vielleicht auch aind. bhánati ‘spricht, tönt’ gehört (vgl. Mayrhofer 2, 469). Mit einer zu vermutenden Grundbedeutung ‘feierlicher Spruch’ entwickelt sich Bann zu einem zentralen Begriff des mittelalterlichen Rechts. Es bezeichnet einen ‘Befehl’, ein ‘Gebot, Verbot unter Strafandrohung’, danach auch ‘Einberufung zum Gericht’ wie auch in mhd. herban das ‘Aufgebot der Waffenfähigen zum Kriegsdienst’. Es gilt für die ‘Gerichtsgewalt’ (vgl. mhd. bluotban ‘Gerichtsbarkeit über Leben und Tod’), für das ‘Herrschaftsgebiet’ und den ‘Gerichtsbezirk’. Bann ist schließlich die ‘Ächtung’ und der ‘Ausschluß aus der Gemeinschaft der katholischen Kirche’ (dafür heute ↗Exkommunikation, s. d.), zumal in der Wendung Acht und Bann (s. ↗Acht und vgl. Bannbulle). Heute wird Bann nur noch zur Darstellung und Beschreibung der genannten mittelalterlichen Verhältnisse verwendet oder aber übertragen im Sinne von ‘zwingende Gewalt, Fesselung, Zauber’ (jmdn. in seinen Bann ziehen, im Banne der Musik stehen) gebraucht. Das Verb bannen (s. oben) geht in spätmhd. Zeit (wie auch andere reduplizierende Verben) zur schwachen Flexion über. Seine Bedeutung ‘in den Bann tun’ (d. i. ‘exkommunizieren’) hält sich in historisierender Ausdrucksweise bis zur Gegenwart; allgemein heute im Sinne von ‘an einem Ort festhalten, an einen Ort verweisen, durch Spannung fesseln’. verbannen Vb. ‘aus einem Gebiet weisen, verstoßen, ausschließen’, ahd. firbannan ‘in den Bann tun, ächten’ (8. Jh.), mhd. verbannen ‘gebieten, in den Bann tun, verstoßen, verfluchen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
verbannen · ↗verfemen · ↗ächten  ●  in Acht und Bann schlagen  veraltend
Assoziationen
Synonymgruppe
relegieren · verbannen (aus) · ↗zurückversetzen
Synonymgruppe
ins Exil schicken · verbannen · ↗vertreiben
Synonymgruppe
hinausschicken · verbannen (aus)  ●  ↗(des Raumes) verweisen  geh. · rausschicken  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anhang Autoverkehr Bettler Bildschirm Blickfeld Depot Durchgangsverkehr Ersatzbank Exil Fußnote Gesichtskreis Innenstadt Kader Katzentisch Keller Kinderzimmer Kopftuch Lebenszeit Oppositionsbank Raucher Regal Reservebank Schiedsrichter Schlafzimmer Sortiment Stadtbild Stadtrand Tribüne Untergrund verhaften

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›verbannen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Damals erschien es einerseits seltsam, etwas bewusst für immer von der Erde zu verbannen.
Die Welt, 16.11.2001
Die damals schon erkennbaren massiven strukturellen Defizite konnten damit einige Zeit aus dem Bewußtsein verbannt werden.
Süddeutsche Zeitung, 21.08.1996
Wir sollten vielleicht mal versuchen, sie rigoros in den unteren Raum zu verbannen.
o. A.[Autorenkollektiv am Psychologischen Institut der Freien Universität Berlin]: Sozialistische Projektarbeit im Berliner Schülerladen Rote Freiheit. Frankfurt: Fischer Bücherei 1971, S. 335
Mit dieser Art Disziplin wurde aus dem Leben alle Freude verbannt.
Wilson, John A.: Ägypten. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 6380
Ebenso wurde jedes andere Feld des Gesprächs fruchtbar, wenn er es betrat, stets ödes Theoretisieren verbannend.
Witkowski, Georg: Von Menschen und Büchern, Erinnerungen 1863-1933. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1938], S. 4978
Zitationshilfe
„verbannen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/verbannen>, abgerufen am 21.05.2019.

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